Ausstellung im Kunstverein zeigt Bilder von Florian Süssmayr / Bis zum 16. August in der Renzstraße zu sehen
Die Langeweile des Terrors
Albert Ostermaier (links) widmete dem ausstellenden Künstler Florian Süssmayr eigens eine von den Bildern inspirierte „Ode“. Foto: Regina Urbach
VON REGINA URBACH „Süssmayrs Kunst bietet alles, was ich an Kunst schätze“, lobte Festspiel-Autor Albert Ostermaier zur Eröffnung der Kunstausstellung „Beirut, Jonestown, Beverly Hills u.a.“ im Kunstverein am Sonntag: „Sie ist gegenwartsbezogen, hart, macht Unsichtbares sichtbar und hat Tiefenschärfe. Sie legt die Geschichte hinter den Mythen frei, erzählt von Tätern, Opfern, Utopien und hält die Stille vor dem Schuss fest.“
Du hättest nicht herkommen sollen…
Ostermaier, der am selben Abend in seiner Lesung „Lenz im Libanon“ noch weiter auf den Libanon Bezug nahm, widmete Süssmayr eine eigene Ode, die mit einer Zeile aus einem der ausgestellten Gemälde beginnt: „Du hättest nicht herkommen sollen.“ Der Autor wie der Künstler leben in München, sind „vom selben Fußballverein“ und haben bereits für das Buch „Flügelwechsel“ zusammen gearbeitet. „Revolution will not be televised“, mahnte Ostermaier, „revolution will be live.“ und: „Der Terror hier ist sterbenslangweilig.“ So aufgerüttelt, ließen die Besucher ihren eigenen Gedanken freien Lauf und nutzten die Gelegenheit, beide Künstler zu befragen.
Eigentlich habe er zwölf Bilder aus dem kriegszerstörten Beirut im Kunstverein zeigen wollen, erzählte daraufhin der Fotograf selbst. Doch als er den Raum angesehen habe, fand er, eine Kollektion verschiedener Formate und Motive in weitgehender Assoziation zum Titel des Festspielstücks „Gemetzel, hätte besser gepasst.
So zeigen Bilder bärtige Gestalten, wie man sie in den 70ern mit der RAF assoziierte, eine exaltierte Partyszene unter dem Titel „Family“, Terroropfer, ein Fenster, aus dem vielleicht gerade ein Scharfschütze gefeuert hat, und die Tristesse der zerschossenen Beiruter Holiday-Inn-Ruine. Auch anderes zeugt vom Alltag der Verwüstung. Ostermaier war in den Jahren 2012 bis 14 dreimal im Libanon und konnte so auch eine Entwicklung verfolgen, in deren Verlauf die Überlebenden ein weiteres Mal durch den Wiederaufbau vertrieben werden. Die Ausstellung ist im Kunstverein bis zum Ende der Festspiele am 16. August zu sehen, mittwochs 18 bis 20 und freitags bis sonntags 15 bis 18 Uhr.