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  • Do., 29. August 2019, 11:41 Uhr
    DAS EHRENAMT IM NIBELUNGENLAND: Anette Bleser hat seit Jahr und Tag ihre Hand im Spiel bei Handball-Spielen der HSG Worms

    Die Mutter der Handball-Kompanie

    Jetzt aber aufgepasst: Wenn Anette Bleser vor einer neuen Saison die Planung der Trikots in Angriff nimmt, stehen auch einmal gestandene Handballer stramm. Seit weit über 30 Jahren engagiert sich die rührige Herrnsheimerin ehrenamtlich um den Handball-Sport in Herrnsheim und Worms. Foto: Marcus Diehl


    VON JÜRGEN JAAP | Anfang September startet Handball-Oberligist HSG Worms mit einem Auswärtsspiel beim Aufsteiger TuS Dansenberg II in die neue Saison 2019/2020 – ihre fünfte Saison in Deutschlands vierter Liga. Es wird die einunddreißigste Spielzeit, in der eine Frau aus Herrnsheim am Rande der Matches der Spielgemeinschaft aus den drei Handball-Abteilungen der Wormser Vereine SG Eintracht Herrnsheim, TV Leiselheim und SC Wormatia Worms nicht wegzudenken ist. Seit der Saison 1988/1989 betreut Anette Bleser ehrenamtlich und mit jeder Menge Handball-Herzblut versehen die Handball-Asse zunächst aus Herrnsheim und heute der HSG Worms. Anette Bleser ist – das kann man mit Fug und Recht behaupten – die Mutter der Wormser HSG-Handball-Kompanie.

    Eine Stecknadel könnte man in der Nikolaus-Doerr-Sporthalle fallen hören, wenn Anette Bleser den sie selbst um eins bis zwei Köpfe überragenden Handballern eine Ansage macht. Respekt allenthalben vor der heute 63-Jährigen, die jetzt die Größen der Trikots der Spieler und Trainer abfragt. Nur eine ihrer vielen Tätigkeiten, die sie mit Liebe zum Detail übernimmt. Sind die Trikots erst geordert, mit den Werbepartnern versehen und bedruckt, werden sie „bespielt“ und schließlich von Anette Bleser auch gewaschen. „Wenn in sauberen Trikots viele Tore für die HSG geschossen werden, bin ich richtig zufrieden“, sagt Anette Bleser mit einem breiten Lächeln.

    „Irgendetwas gibt es immer zu tun“

    Vor einem Meisterschaftsspiel ist die 63-jährige Frau, die bis zum Alter von 33 Jahren selbst aktiv in der weiblichen Jugend und dann im Herrnsheimer Damenteam als Kreisläuferin und im Rückraum in der Mitte agierte, voll in ihrem Element. Getränke und Essen einkaufen. Das HSG-Catering zusammen mit Schwester Gisela Heppner und Schwägerin Karin Schäufle vorbereiten. Spezialität der drei flinken Damen vom HSG-Grill: Hackesbrötchen und die legendären reichlich belegten HSG-Mohnstangen. „Irgendetwas gibt es immer zu tun“, weiß Anette Bleser. Beispielsweise den Spielberichtsbogen ausfüllen und heutzutage über ein Notebook „online“ stellen. Bei Spielen als Zeitnehmerin fungieren. Oder schon lange vor dem Saisonstart die Hallenplanung für die vielen Handball-Spiele zusammen mit den Verantwortlichen der Stadt Worms durchführen. Kaum einmal Ruhe, stets in Bewegung, immer eine Hand am Handball – das ist Anette Bleser und ihre HSG Worms.

    „Die HSG Worms ist meine zweite Familie“

    Auch privat stand und steht bei der Herrnsheimerin Handball ganz oben auf der Agenda. Die beiden Söhne Björn und Carsten spielten selbst Handball, der 28-jährige Carsten lange hochklassig in vielen Auswahl-Mannschaften und von Beginn an natürlich bei der HSG Worms. Ihr Mann Rüdiger, Vorstand der HSG Worms mit dem Kernbereich Finanzen, verstarb nach 42 erfüllten Ehejahren viel zu früh Ende Februar 2018. „Schon am Frühstückstisch war Handball immer Thema, das Vereinsleben der HSG Worms war voll in unsere Familie integriert“, beteuert Anette Bleser. Und Anette Bleser war seit jeher in die HSG Worms („Meine zweite Familie“) integriert. Und: „Die vielfältigen Beschäftigungen rund um den Handball haben mir über die schwere Zeit des Verlustes von Rüdiger hinweggeholfen.“

    Ein Traum von Anette Bleser: „An die Tür zur 3. Liga anklopfen“

    Helfen, da sein, Ansprechpartner und Stütze sein. Das ist es, was Anette Bleser und ihre HSG Worms eng verknüpft. „Wunderschön“ seien die Anfangszeiten als Betreuerin gewesen, als Herrnsheim acht Jahre in der Wormser BIZ-Sporthalle vor gut 350 Zuschauern im Schnitt Regionalliga spielte. „Klar, an die Tür zur 3. Liga anklopfen wäre schon ein sportlicher Traum von mir“, sagt sie kurz vor dem Start in ihre 31. Saison. „Aber das ist enorm schwer“, ergänzt sie. Einen Herzenswunsch äußert die Tochter von Ludwig Schäufle, des langjährigen Handball-Abteilungsleiters der SG Herrnsheim in den 60er und 70er Jahren, schließlich doch noch: „Die Rivalität zwischen der HSG Worms und der TG Osthofen sollte zurückgeschraubt werden.“ Eine Schraube, an der Anette Bleser akribisch und völlig ehrenamtlich so dreht, wie sie es seit mehr als einem halben Jahrhundert für den Handball-Sport in Worms tut – dessen darf man sich sicher sein.
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