
Von Rudolf Uhrig › Nach zweijähriger Corona bedingter Pause ist die „Night oft he Proms“ zurück. Mit 16 Shows wird sie in zwölf Städten Station machen. Tourstart war am Freitag (25. November) in Mannheim in der SAP-Arena. Auch 2023 wird dort die erste Show stattfinden (Freitag, dem 1. Dezember 2023).
In der Region dürfen wir uns natürlich über die Nähe freuen, aber: mit gut 6000 Besuchern war die SAP-Arena bei weitem nicht ausverkauft und leider neigt das Publikum dort unverständlicherweise doch etwas zur Lethargie. Ist es daher eher als „Warm up“ für die Künstler zu verstehen, die dann in Köln, Frankfurt, Hamburg und München an mehreren Abenden hintereinander die Hallen füllen!? Sei’s drum, es liegt weder am Konzept noch an den Künstlern. Seit fast 30 Jahren bietet die "Night of the Proms" mit ihrem besonderem Charme eben, einer Mischung, ja sogar einer „Fusion“, aus Klassik und Pop ein einmaliges Format; die NotP ist mehr als eine große Bühne für Sinfonieorchester, Chor, Band und Solokünstler.
Spot um Spot blitzen auf, zaubern wunderbare Lichteffekte in das Oval, es ist eine besondere Atmosphäre, während das Antwerp Philharmonic Orchestera, das seit 2015 unter der Leitung von Alexandra Arrieche steht, gemeinsam mit dem Chor Fine Fleur die ersten Töne der Ouvertüre intoniert. Und es folgt – wie es „so Sitte“ ist, der Ungarische Tanz Nr. 5 von Antonin Dvorak.
Ist das Publikum denn schon auf Betriebstemperatur…? Denn mit YolanDa Brown kommt dann ein ausgewiesener Wirbelwind auf die Bühne. Die zweimalige Preisträgerin des MOBO-Award bringt mit ihrem Saxophon eine hinreißende Mixtur aus Jazz, Reggae und Soul auf die Bretter. Wenngleich sie mit „How deep is your love“ von den Bee Gees noch nicht die ganz große „Werkzeugkiste“ öffnet. Ist es eher eine Überleitung zu Matt Simons, dem smarten Singer-Songwriter aus Kalifornien? Mit „We can do better“ hat er eine hervorragende Antwort. Bevor er dann aber seinen Mega-Hit „Catch & Release“ singt und sogar das Bad in der Menge sucht, ist er zuvor bei „After the Landslide“ sehr nachdenklich: „There′s nothing left, nothing left, nothing left. Stuck in the moment, where are we going?
Und dann ruft wahrlich der Dancefloor, und zwar im Dreivierteltakt, denn mit Johann Strauss‘ „An der schönen blauen Donau“ hält es viele nicht mehr auf ihren Plätzen. Mit Nik „The Riddle“ Kershaw geht es, natürlich mit „The Riddle“ zum nächsten Act, der aber dann gleich Carol Decker Platz macht. Sie ist die Stimme von T’Pau, die den Bandnamen der gleichnamigen vulkanischen Hohepriesterin in der TV-Serie Raumschiff Enterprise entlieh. Auf „Valentine“ folgt ihr Super-Hit, die Power-Ballade „China in Your Hand“.
Bevor das Orchester den „Superman March“ aus dem Jahr 1978, ein moderneres Stück des Klassikgenres erklingt, kommt YolanDa Brown dem Publikum sehr nahe, mit ihrem Saxophone tänzelt auch sie durch die Gänge der Arena und verbreitet mit ihrer selbsternannten „Sunshine Music“ beste Laune. Dass sie schnelle Autos liebt könnte man ihrem Temperament zuordnen, dass sie auch Zauberwürfel in unter fünf Minuten löst ihrer Fingerfertigkeit ebenso aber auch ihrer Intelligenz, denn die 40-jährige Britin hat zwei Master und die Ehrendoktor der Künste der University of East London.
Dann aber wird es still: „Mister Music“, Mastermind John Miles wird gedacht. Er verstarb am 5. Dezember 2021. „My Way“ von ihm selbst gesungen wird eingespielt; ein Lichtstrahl und ein Mikrophonständer vor dem nun niemand mehr steht… vermitteln große Gefühle. Die aber dann mit seinem „Music“ aufgehellt wird, denn John Miles jr, der Sohn, übernimmt seinen Part am Klavier aber auch mit Papas Gitarre, der PRS (Paul Reed Smith) SE Custom 24 RW RB.
Nach der Pause treibt das Poms-Urgestein, Patrick de Smet mit seinem Trommelschlägel seinen Schabernack mit Publikum und der brasilianischen Dirigentin Alexandra Arrieche. Schnell nimmt die Pomps wieder Fahrt mit der Ouvertüre die Diebische Elster auf und mit Amy Macdonald die mit „Mr. Rock’n Roll“, „Down by the Water“ und „This ist he Life“ schon fast ein kleines, aber sehr, sehr feines Konzert gibt.
Die Schottin war bereits 2013 bei der NotP dabei. Carol Decker und Nik Kershaw spielen weitere Hits aus ihrer großartigen Karriere, wie denn auch Headliner „Kool & The Gang“. Mit „Cherisch“, „Ladies Night“ und „Get down on it“ mischen sie nochmals ganz schön die SAP-Arena auf. Aber nicht ohne YolanDa, die sich mit Bandleader Curtis Williams eine „Saxophon-Schlacht“ liefert. Bei „Celebration“ sind alle Acts auf der Bühne und läuten das Finale der Partynacht ein.
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