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  • Fr., 18. März 2016, 09:56 Uhr
    Ausstellung zu Wormser Juden im Raschi Haus eröffnet / Sechs Porträts jüdischer Familien in Worms machen Geschichte des 19. Jahrhunderts greifbar

    „… die von Vorurtheilen gebaute Scheidewand“

    Die Ausstellung stieß auf riesiges Interesse.


    VON KAROLINA KRÜGER „Was hat Deutschland an geballter wirtschaftlicher Power, Intelligenz und Kreativität mit seinen Juden verloren?“ Die Frage stellte der Wormser Bürgermeister Hans-Joachim Kosubek in der Frauensynagoge zur Eröffnung der neuen Ausstellung im Raschi-Haus als Frage in den Raum.

    Die Frage schien berechtigt, wie Dr. Gerold Bönnen in seiner Einführung beweisen konnte. Denn in nur zwei Generation konnten laut des Leiters des Institutes für Stadtgeschichte, die Juden in Worms von 1816 bis in die 1870er Jahre einen kometenhaften Aufstieg in wirtschaftlicher, rechtlicher, sozialer und politischer Hinsicht erreichen.

    Fleiß, Geschäftssinn, Bildung, gesellschaftliches und politisches Engagement würden derzeit in der Ausstellung „…die von Vorurtheilen gebaute Scheidewand“, am Beispiel von sechs, in Worms besonders erfolgreicher Familien, gezeigt und durch Dokumente des Stadtarchivs belegt.

    Richtungsweisende Veränderungen
    Richtungsweisende Veränderungen hätten in dieser Zeit stattgefunden. „Sie haben nicht nur das Schicksal der beschriebenen Familien betroffen, sondern das Eigenverständnis der Juden als liberale Wormser bis 1933 deutlich geprägt und tiefgreifende Neuerungen auch im religiösen Verständnis, nicht nur in Worms, sondern Deutschlandweit herbeigeführt“, so Dr. Bönnen.

    So habe sich die, bis dahin als Begegnungsort des geselligen Miteinanders verstandene, Synagoge zu einem heiligen Ort gewandelt, der eine besondere Bekleidung, Stille und Anstand verlangte, sich aber gleichzeitig für Frauen öffnete und erstmalig Thoralesungen in deutscher Sprache zugelassen habe.

    Spannende und unerwartete Einblicke in die Wormser Geschichte, die unverrückbar mit der jener jüdischen Familien verbunden ist, gewährt „… die von Vorurtheilen gebaute Scheidewand“. Sie ist dienstags bis sonntags von 10 bis 12.30 und 13.3 bis 16.30 Uhr im Raschi-Haus in der Hinteren Judengasse zu sehen.

    Weil das Interesse an der neuen Ausstellung die räumlichen Möglichkeiten im Raschi Haus überstieg, fand die Einführung bei leider schlechter Akustik in der Frauensynagoge statt. Foto: Karolina Krüger


     

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