Den Blutkrebs besiegen: Typisierungsaktion für 5-jährigen Jamie aus Worms und andere am 10. April in der Nelly-Sachs-IGS / Stofftiere und Mutkette geben Kraft
„Die Zeit ist leider nicht auf unserer Seite”
Jamie hat Blutkrebs und ist ist auf eine Stammzellenspende angewiesen. Vater Klaus Neiss, Oberbürgermeister Michael Kissel und Daniel Wilhelm (DKMS) informierten über die Registrierungsungsaktion am 10. April in der Nelly-Sachs-IGS in Horchheim. Foto: Steffen Heumann
VON STEFFEN HEUMANN Alle 16 Minuten erkrankt ein Mensch in Deutschland an Blutkrebs. Darunter auch der fünf Jahre alte Jamie aus Worms. Für viele Betroffene ist die Übertragung von gesunden Stammzellen die einzige Überlebenschance, auch für den kleinen Jamie ist es die letzte Chance auf Heilung. „Die Nachricht, dass unser kleiner Jamie an Blutkrebs erkrankt ist, zog uns den Boden unter den Füßen weg. Das ganze Leben hat sich schlagartig geändert. Es ist, als befänden wir uns in einem zeit- und luftleeren Raum. Nur eine Knochenmarkspende kann unserem Jungen helfen“, bangen die Eltern Peggy und Klaus Neiss um ihren Sohn, der von einer besonders aggressiven und sich schnell ausbreitenden Leukämieform betroffen ist. Das Familienleben mit Bruder Nico, Schwester Nadine, Mama Peggy und Papa findet derzeit ausschließlich in der Onkologie der Heidelberger Uniklinik statt. „Wir stecken den Kopf nicht in den Sand, wir wollen gemeinsam den Krebs besiegen”, so Klaus Neiss. Das sei auch Kopfsache, weiß der engagierte Vater. Jamie sei gut drauf, erzählt der 49-jährige aus dem Klinikalltag. „Wir lachen viel und rennen über den Flur. Jamie ist ein starker Junge, der auch Schmerzen gut wegstecken kann”.
Stofftiere und Mutkette geben Kraft
Seine kleinen Helfer dabei sind die Stofftiere, die er als Belohnung nach jeder Punktion erhält und die ihm Kraft geben. Die schöpft er auch aus seiner Mutkette. Mit jeder Behandlung in der Uniklinik wächst Jamies Mutperlenkette. Sie wird ständig größer. Eine Art Tagebuch, das auch Mut und Hoffnung macht und Jamie mit seinen Angehörigen Zuversicht gibt. „ An den Perlen hängen auch viele Tränen”, fügt Klaus Neiss an. Sie zeigen auch, was der kleine Junge schon gemeistert hat. „Die Zeit ist leider nicht auf unserer Seite”, weiß Neiss. Ob es auch eine gute-Tag-Perle gäbe, habe sein Sohn unlängst die Krankenschwester gefragt. Warum denn das, meinte die Schwester. „Weil ich diesen Tag geschafft habe”, kommentierte der Junge im Anschluss nach einer Behandlungstortur. Die Therapie hat zudem das Immunsystem lahmgelegt. „Wen Jamie sich nach 18 Stunden Chemo am Abend eine Portion Spaghetti vom Italiener wünscht, wissen wir, dass er den Kampf annimmt”.
Bislang kein passender Spender in Datei
Mit der Bestätigung, dass es bisher in keiner Datenbank ein passenden Spender für Jamie gibt, folgte der nächste Schlag. Jamie hat in seinen HLA-Merkmalen ein sehr seltenes Gen. Benötigt wird also einen Spender, der genau dieses seltene Gen in seiner HLA (humanes Leukozyten-Antigen) hat bzw. über die gleiche oder eine ähnliche Gewebekompatibilität verfügt. Es gilt also, so schnell wie möglich viele Menschen zu erreichen, die bereit sind, sich testen zu lassen. Um Jamie und anderen Betroffenen zu helfen, hat sich eine Initiativgruppe aus Familie und Freunden in Worms gebildet und entschieden, gemeinsam mit der DKMS Deutsche Knochenmarkspenderdatei am 10. April unter Schirmherrschaft von Oberbürgermeister Michael Kissel und Mdl Jens Guth in der Nelly-Sachs-IGS in Horchheim von 11 bis 16 Uhr eine Aktion zur Gewinnung neuer potenzieller Stammzellspender durchzuführen. Rund 130 Helfer sind dort am Start.
Am 10. April 15 Minuten Zeit nehmen
„Ein Tropfen Blut kann Leben retten”, erläutert Daniel Wilhelm von der DKMS-Spenderneugewinnung. Zunächst müsse eine Einverständniserklärung abgegeben werden. Danach würden durch Fachpersonal 5 Milliliter Blut entnommen. Im Anschluss erfolge eine Endkontrolle. Das Ganze nehme 15 Minuten in Anspruch, bevor in einem Labor die Gewebemerkmale bestimmt werden. Die Registrierung sei der erste Schritt, um ein Leben zu retten, so Wilhelm. 4.800 Wormser seien bereits in der Datei, darunter 41 Personen, die als Stammzellenspender anderen Menschen Hoffnung auf ein Leben nach der Leukämie geben konnten. „Unterstützen Sie dieses Anliegen, werden Sie zum Lebensspender”, appelliert Daniel Wilhelm von der DKMS.
Genauso wichtig sei auch die finanzielle Unterstützung der Aktion, denn die Neuaufnahme eines jeden Spenders koste die DKMS 40 Euro. Um die Registrierungsaktion überhaupt durchführen zu können, zählt jeder Euro. DKMS-Spendenkonto IBAN DE65641500200003336355, BIC SOLADES1TUB, Stichwort: Jamie. Weitere Info zur DKMS und die Voraussetzungen zum Stammzellenspenden unter www.dkms.de
„1.000 Registrierungen sind unser Ziel”, wünschen sich Klaus Neiss, Daniel Wilhelm und auch Oberbürgermeister Michael Kissel eine rege Beteiligung an der Aktion. „Es kann jeden treffen”, so Klaus Neiss, der auch von seinem Arbeitgeber große Unterstützung erfährt. Die BTI Befestigungstechnik GmbH aus Ingelfingen trägt die Kosten für weitere Typisierungsaktionen. Weitere Unterstützer sind herzlich willkommen und können unter der E-Mail klaus.neiss@web.de mit ihm in Kontakt treten. „Jamie weiß, dass er krank ist, dass mit seinem Blut etwas nicht stimmt und dass jemand gesucht wird, der ihm helfen kann”, erzählt Klaus Neiss. Sein größter Wunsch sei es, Koch zu werden und weiterhin beim SC Wormatia Handball zu spielen.