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  • Mi., 18. April 2018, 14:47 Uhr
    „Siegfrieds Erben“: Regisseur Roger Vontobel inszeniert vom 20. Juli bis 5. August neues Stück vom Autorenduo Feridun Zaimoglu und Günter Senkel auf der Nordseite des Wormser Doms / Jürgen Prochnow als Hunnenkönig Etzel

    „Die Zukunft ist Neuland”

    Von links: Miguel Abrantes Ostrowski, Felix Rech, Feridun Zaimoglu, Günter Senkel, Pheline Roggan, Michael Ransburg, Roger Vontobel, Jürgen Prochnow, Nico Hofmann, Christoph Kraus, Karin Pfammatter, Michael Kissel, Thomas Laue, Wolfgang Pregler, Max Mayer, Enkhjargal Dandarvaanchig, Sascha Kaiser und Petra Simon. Foto: Steffen Heumann


    VON STEFFEN HEUMANN Mit der Pressekonferenz am Mittwoch nahmen die Nibelungen-Festspiele als kulturelles Flaggschiff mit bundesweiter Stahlkraft wieder mächtig Fahrt auf. Die neuen Autoren Feridun Zaimoglu und Günter Senkel sowie der neue Regisseur Robert Vontobel und Teile des Ensembles gewährten erste Einblicke in „Siegfrieds Erben“ unter der Intendanz von Nico Hofmann. Die Besucher vom 20. Juli bis 5. August auf der Dom-Nordseite auf eine spannende Inszenierung freuen dürfe, bei der die Akteure neue Wege beschreiten.

    „Nur der Blick auf die WetterApp am Premierentag macht mich noch nervös”, betonte OB Michael Kissel auf Nachfrage des Künstlerischen Leiters Thomas Laue. Längst sei der Leuchtturm in der Kulturpolitik Ausdruck des Wormser Lebensgefühles, beschrieb Kissel den positiven Imagewandel seit der ersten Aufführung 2002. Unterstrichen wurde das von Christoph Kraus, Leiter der Abteilung Kulturpflege im Landesministerium. „Das Land bleibt dabei”, signalisierte Kraus die weitere Unterstützung der Festspiele, die die Kultur im Land überregional sichtbar mache.

    „Mario-Adorf-Preis”

    Sascha Kaiser, Geschäftsführer der Kultur und Veranstaltungs GmbH, ergänzte, dass die Festspiele auch in Kreisen der Wirtschaft viel bewegt habe. Ein Lob galt zudem den Gönnern aus der Bürgerschaft, fügte Kaiser an. So werde in diesem Jahr erstmals der „Mario-Adorf-Preis” ausgelobt, um die beste künstlerische Leistung der Aufführung zu honorieren.

    Auf neuen Wegen

    „Die Zukunft ist Neuland”, nahm Nico Hofmann Bezug auf weitere 5 Jahre seiner Intendanz. Die Ära von Autor Albert Osteremaier sei wichtig gewesen und habe auch bei Schauspielern Dämme gebrochen, blickte Hofmann auf die vergangenen drei Festspieljahre zurück. Weitere spannende Momente stünden bevor, verwies der Intendant auf den emotionalen Festspiel-Kern, der es erlaube Inhalte über aktuelle gesellschaftliche Aspekte stets neu du definieren. „Das macht die Festspiele lebendig”, so Hofmann, der gespant ist auf den neuen Weg. Schlimm werde es nur, wenn er sich diesbezüglich der Kritik seiner Mutter stellen müssen, scherzte Nico Hofmann, der nicht zuletzt die hervorragenden Arbeitsbedingungen in Worms lobte.

    Sprachkraft und Sprachmacht der deutschen Worte

    Als „zwei der radikalsten literarischen Stimmen Deutschlands” wird das Autorenduo Feridun Zaimoglu und Günter Senkel beschrieben. Motivation sei, dass die Geschichte nicht zu Ende erzählt ist, führte Zaimoglu aus. Zusammen mit Günter Senkel habe er die Toten gezählt und notiert, wer übrig geblieben sei. Daraus resultierte der Titel: Siegfrieds Erben. „Drei Familien, die schwere Schicksalsschläge erlitten haben, aber jetzt schauen müssen, wie sie miteinander klarkommen”, beschrieb Senkel die Ausgangslage. „Wir glauben and die Sprachkraft und Sprachmacht der deutschen Worte”, bekundeten die beiden Kieler Nordlichter, die gerne auch im Straßencafé zusammen sitzen, um Ideen zu sammeln, die dann zu einem Ganzen vereint werden.

    Aufregende Geschichte, schillernde Figuren

    „Ein aufregende Geschichte mit schillernden Figuren”, fiebert Regisseur Roger Vontobel der Arbeit entgegen. Bereits am Schauspielhaus habe er sich mit Hebbel und den Abgründen der Menschen auseinandergesetzt. „Konflikte, Krieg und Gewalt sind real. Der moderne Mensch ist versponnen in seine eigene Welt und erfindet das Leben neu”, fügte Vontobel an. Der Schweizer wirft einen Blick auf den Beginn der Inszenierung vor dem Dom in seiner Monumentalität. „Der Dom ist hyperreal und lässt Raum für viele Assoziationen”, verwies der Regisseur auf die Herausforderung eines Kulissenwechsels. Etzels Reise von weither, dann der Dom als Ort des Geschehens. Wind und Wetter als haptisch spürbarer Rahmen, Ästhetik, erzeugt durch Licht und Kostüme. Vontobel will eintauchen in das Reale, das Jetzt. Autor Feridun Zaimoglu warf schmal Klartext ein: „Das wahre Ungeziefer der Welt ist der Mensch!” Er sehe zwar schwarz, aber es gäbe auch Aufbegehren und das sei großartig für einen Theatermacher.

    Schauspieler gesucht und gefunden

    Alles drehe sich um den Weltenzerstörer Etzel, den Machtmenschen seiner Zeit, so die Protagonisten, die auch bei der Suche nach einem geeigneten Hauptdarsteller schnell fündig wurden: Jürgen Prochnow! „Ich habe zunächst abgelehnt”, erklärte der 76-jährige Schauspieler. „Auch weil ich mich den physischen Anforderungen stellen muss”, so Prochnow weiter, der mit einer Freilicht-Theaterbühne absolutes Neuland betritt. „Der Stoff hat mich schließlich fasziniert”, gestand der gebürtige Berliner, der lange in Los Angeles lebte, ehe er aus Liebe zur einer Frau und der Verbundenheit zu seiner Heimat in die Hauptstadt Berlin zog.

    Tickets

    „Siegfrieds Erben“ wird ‪vom 20. Juli bis 5. August 2018‬ an 16 Abenden (‪Montag, 30. Juli‬ spielfrei) aufgeführt. Die Tribüne wird auf der Nordseite des Wormser Kaiserdoms stehen. Tickets sind unter anderem beim Nibelungen Kurier, Prinz-Carl-Anlage 20, in Worms erhältlich.


    Das Ensemble

    Jürgen Prochnow spielt den mächtigen Hunnenkönig ETZEL. Als Siegfrieds Eltern: Karin Pfammatter, Schauspielerin am Düsseldorfer Schauspielhaus und bekannt aus dem Tatort Luzern, die Königin SIEGLINDE verkörpert. An ihrer Seite ist Bruno Cathomas (Schauspiel Köln; „Amur senza fin“, „Monster“) zu sehen, der die Rolle von König SIEGMUND spielt. Die Rolle der Burgherrin BRUNHILD übernimmt Ursula Strauss (Romy für „Schnell ermittelt“; Tatort; Polizeiruf 110). Ihr Sohn BURKHARDT wird von Max Mayer, der als freier Schauspieler unter anderem am Schauspiel Frankfurt, Burgtheater Wien und Schauspiel Köln spielte und bekannt aus „Soko Donau/Wien“ ist, verkörpert.

    In weiteren Rollen sind Felix Rech als DIETRICH VON BERN, („Die dunkle Seite des Mondes“, „Vincent will Meer“), derzeit am Berliner Ensemble und als Gast am Schauspiel Frankfurt und Bochum, und Pheline Roggan („Jerks“; „Auf der anderen Seite ist das Gras viel grüner“) als SCHAMANIN zu sehen. Die Königsmutter UTE wird von Wolfgang Pregler (Serie „Parfüm“; „Landgericht“; Schauspiel Frankfurt; Schauspiel Köln, Deutsches Theater Berlin) verkörpert. Miguel Abrantes Ostrowski („Dahoam is Dahoam“; „Hubert und Staller“; freier Theater-Schauspieler unter anderem am Düsseldorfer Schauspielhaus, Schauspiel Köln) spielt einen PRIESTER.

    Linn Reusse („In aller Freundschaft“; „Die rote Zora“; „Bloch“) vom Deutschen Theater Berlin als SWANHILD, die Tochter von Siegfried und Kriemhild, und Michael Ransburg (Nationaltheater Mannheim; Forum Theater Stuttgart; „Wir drehen keinen Film“), als DIENER und HILDEBRAND komplettieren das Ensemble.

    Regisseur Roger Vontobel: „Wir haben es geschafft, ein Ensemble zusammenzustellen, das sich aus verschiedenen Kontexten speist und gegenseitig beflügeln kann, in der Aufgabe diesen mythologisch aufgeladenen Figuren Seelen und Körper zu verleihen. Ich bin mir sicher, dass die Begegnungen zwischen Jürgen Prochnow, Bruno Cathomas, Max Mayer, Ursula Strauss und Linn Reusse, um nur einige zu nennen, sicher große tektonische Verschiebungen verursachen können – genau das Richtige, um vor einem Monument wie dem Dom und einem Mythos dieser Größenordnung lebendiges, kraftvolles und mitreißendes Theater zu spielen.“

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