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  • Mo., 06. Juli 2015, 11:38 Uhr
    Festspiel-Tänzer geben Einblicke in die Choreographie von Ted Stoffer

    Drachenkampf und Zwergentanz

    Der „Drachen“, gemeinsam dargestellt durch die Tanztruppe, bedroht Ortlieb (vorne rechts), auf der Tanzprobe gemimt von Choreograph Ted Stoffer. Foto: Karolina Krüger.

    Von Regina Urbach Ian Garside ist der Kopf des Drachens. Animalisch und verschlagen reckt er sich dem tapferen Siegfried, dargestellt vom spanischen Tänzer Jesús Capel Luna, entgegen. Schräg hinter ihm züngeln Chen-Wei Lee, Sayaka Kaiwa und die anderen Tänzerinnen und Tänzer mit schlangenartigen Schulterbewegungen, ein Meer von Armen, den schwertbewehrten Helden an. Da – der Held erwischt einen einzelnen Arm, ganz hinten. Da werfen ihn zwei weitere Arme nieder, dass er reglos liegen bleibt. Schon zischt der Drache dem verschreckten Zuschauer Ortlieb (in der Probe  verkörpert von Choreograph Ted Stoffer) ins Gesicht und baut sich mit immer mehr Köpfen drohend vor ihm auf. Da zerhaut ihn der tapfere Siegfried von hinten Körper für Körper. „Sterbend“ ringeln sich die Tänzer über den Boden zur Seite; Siegfried posiert stolz für die Zuschauer – und für den jungen Ortlieb, dem diese Geschichte von „alten Mahren“ berichten soll.


    Wegen der Rekordtemperaturen am Samstag im gekühlten Foyer des Wormser Theaters wurde diese Nachmittagsprobe des internationalen Ensembles in Knieschützern zur extra komponierten Musik der Presse vorgestellt. Garside, Lee, Kaiwa, Luna sowie Nora Alberdi, Jason Respilieux, Louise Tanoto und Gil ho Yang tanzen bei den Festspielen unter der choreographischen Leitung von Ted Stoffer (USA) zum ersten Mal in dieser Zusammensetzung.


    Mit vollendeter Körperbeherrschung und verhaltener Energie verrenkten sich die Tänzer im Tanz der betrunkenen Zwerge, den Stoffer mit ruhiger Stimme dreimal durchging. Dabei wurde weniger „geübt“ als letzte Fragen des Zusammenspiels mit den Einzelperformern geklärt. „Wenn man mit Profis arbeitet, gibt man eine Anweisung, und sie setzen sie von sich aus um“, zeigte sich Stoffer angetan von der Probe. Tanz wird zur Erzählsprache; sprachlich kommunizieren die Tänzer auf Englisch, manchmal entwischt ihnen beim Proben ein kurzes Lachen. Brücken zwischen Tanz und Schauspiel gehören zu Stoffers Metier. Für sein Choreographieprojekt „Aphasiadisiac“, das von der Gestensprache zur Therapierung von Aphasie (Sprachstörung) inspiriert wurde, ist Stoffer mehrfach ausgezeichnet worden.


    Eng ist der Raum auf der Bühne zwischen den beiden Türmen der verfeindeten und einander doch ähnlichen Kulturen von Burgundern und Hunnen: nur 1,5 bis 2 Meter Platz bleibt den Tänzern, und auch nur wenig Abstand zum Publikum. „Alina Levshin als  Ortlieb wird in spätere Proben dazu genommen. Wir haben auch zuvor bereits mit ihr geprobt“, verrät Stoffer. Wie sie den Drachen in seiner Bewegungssprache erfunden haben, werden die Tänzer gefragt. „Wir kommen aus verschiedenen Kulturen, auch vom Tanz her. Jeder hat etwas an Ideen mitgebracht“, antwortet Ian Garside. „Wir sind diese mit Ted durchgegangene, dann haben wir alles zusammen aufgebaut.“


    Was aufgebaut wurde, ist mittlerweile Schritt für Schritt und Arm für Arm festgelegt; das wird beim mehrmaligen Durchgang der Szene deutlich, höchstens dass eine Figur um einen geringen Abstand versetzt wird. Noch zweimal am selben Abend zeigten die Tänzer die Szenen jeweils 50 Zuschauern. Zur Kostümierung von Drachen und Zwergen wurde noch nichts verraten. Dennoch werden vor allem vorne sitzende Zuschauer schon allein durch die Tanzdarbietungen überzeugt sein, einen wurmartigen „Drachen“ vor sich zu haben.


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