Tennis Herren 65 Verbandsliga Rheinland-Pfalz: TC Rheindürkheim steigt nach dramatischem 3:3-Remis gegen die Oldies des TC Rot-Weiß Worms als Meister in die Oberliga auf
„Drama, Baby, Drama“
Verlässlich wie die „Bank of England“ im Team der Herren 65 des TC Rheindürkheim: Manfred Klieber punktete auch im Aufstiegsduell mit dem TC Rot-Weiß Worms speziell ob seiner unerhörten läuferischen Qualitäten wieder im Einzel und Doppel an der Seite von Manfred Hoffmann. Foto: Felix Diehl
Von Jürgen Jaap › Die Medenspiele, so heißen die Mannschafts-Saisonspiele im Tennis der Jugend und Erwachsenen in Deutschland, sind alljährlich die Sommer-Highlights der Tennisclubs. 2023 finden die Medenspiele „nach Corona“ wieder mit komplett voll besetzten Spielklassen statt. Es geht erneut um Aufstieg oder Klassenerhalt. Der NK lässt die gelben oder grünen Filzkugeln in seiner Serie „Spiel, Satz und Sieg im Nibelungenland“ über die Tennisnetze der Region fliegen.
Spiel, Satz und Sieg im Nibelungenland
Werfen wir dazu einen Blick in die Verbandsliga Rheinland-Pfalz der Herren 65. Am letzten Spieltag der Sommerrunde 2023 kam es zum ultimativen Finale um die Meisterschaft und den damit verbundenen Aufstieg in die Oberliga Rheinland-Pfalz zwischen den seit vielen Jahren befreundeten Tennis-Routiniers des TC Rheindürkheim und des TC Rot-Weiß Worms. Die Partie riss die zahlreichen Zuschauer ob der von der ersten bis zur letzten Sekunde spannenden Dramaturgie von den Sitzen. Die Voraussetzungen beider 2023 ungeschlagener Teams waren klar: Die Rot-Weißen benötigten einen Sieg, der TCR konnte schon bei einem Punktgewinn jubeln. Fast sieben Stunden lang ging es hin und her, ehe schließlich ein 3:3-Unentschieden auf dem Ergebnis-Bogen zu lesen war – und TC Rheindürkheim als Meister und Aufsteiger feststand.
„Mein Herz, ich brauch’ meine Tropfen“
Unruhig rutschten die gut 30 Tennis-Fans in ihren Stühlen auf der Terrasse des Vereinsheims des TC Rheindürkheim hin und her. Das lag nun nicht etwa daran, dass Arme oder Beine nach fast sieben Stunden bester Tennis-Unterhaltung einzuschlafen drohten. Nein, einer der Zuschauer packte das Geschehen drunten auf den beiden roten Sandplätzen in Worte: „Mein Herz, ich brauch’ meine Tropfen.“ Zehn Tennis-Cracks beider Teams hatten sich in vier Einzeln und zwei Doppeln höchst intensiv und auf einem technisch hohen Niveau um jeden einzelnen Punkt gestritten. Nun sollten wenige in fünf Minuten auf den Platz zu zaubernde Schläge über eine ganze Saison entscheiden.
Vier Bälle am Ende der Doppel entscheiden
8:8 stand es im Champions-Tiebreak auf dem Center-Court zwischen Bernd Flesner / Gerd Eisberg (TC Rheindürkheim) und Dr. Michael Döppert / Theo Reiß (TC Rot-Weiß Worms). Exakt das gleiche Resultat gibt’s auf Platz zwei zwischen Manfred Klieber / Manfred Hoffmann (TCR) und Gernot Erkert / Wolfgang Döppert (Rot-Weiß). Theo Reiß lässt einen Vorhand-Topspin die Linie entlang sausen. Zwanzig Meter weiter setzt Manfred Hoffmann mit seiner ganzen Erfahrung aus sechs Jahrzehnten praktizierten Tennissports die Kugel mitten in die Schnittstelle zwischen Gernot Erkert und Wolfgang Döppert. Matchball hier, Matchball dort. Michael Döppert punktet für Rot-Weiß, Manfred Klieber setzt den entscheidenden Schlag für den TCR. Die Emotionen aller Beteiligter sind längst am Siedepunkt. Der TC Rheindürkheim hat das prickelnde Herzschlag-Finale quasi auf den letzten Zentimetern der Medenrunde 2023 für sich entschieden.
Glücklicheres Ende für Rheindürkheim
„Drama, Baby, Drama“, fasst Manfred Klieber das Geschehen der Stunden zuvor auf dem Weg zu den Duschräumen in Richtung der Gratulanten zur Meisterschaft zusammen. Und Manfred Hoffmann ergänzt sichtlich bewegt: „Das Duell unter Freunden hat den erwartet ausgeglichenen und spannenden Verlauf genommen. Wir hatten das glücklichere Ende für uns.“ Ein dramatisches Ende einer Partie, das sich schon ein wenig in den Einzeln andeutete. Zunächst rang der laufstarke Manfred Klieber seinen technisch versierten Kontrahenten Michael Döppert („Mir unterliefen zu viele Fehler“) in zwei Sätzen nieder. Theo Reiß, mit Jahrgang 1957 „der Youngster“ in Reihen der Rot-Weißen, konterte mit einem Zwei-Satz-Erfolg über Gerd Eisberg, mit 77 Jahren Ältester der zehn Tennis-Cracks an diesem Tag.
Siebtes Spiel endet ebenfalls unentschieden
Auch der zweite Durchgang der Einzel ergab Siege der Favoriten. Gernot Erkert brachte seine Rot-Weißen im Spitzenspiel gegen TCR-Kapitän Bernd Flesner dank seiner unfassbar sicheren Spielweise fast ohne unerzwungene Fehler 2:1 in Front. Erneut stellte Rheindürkheim in Person von Roland Wißwesser in einem von den starken Vorhand-Topspins beider Tennisasse geprägten Duell gegen Rolf Daubermann auf 2:2-Unentschieden. Rein in die Doppel und rein ins Nervenspiel, das Rheindürkheim für sich verbuchte. Da konnte man mit gutem Gewissen ins siebte Spiel, das ja beim Tennis bekanntermaßen die Weichen stellt, gehen. Und das wurde in gewohnt freundschaftlicher Atmosphäre beim gemeinschaftlichen Abendessen ebenfalls ziemlich ausgeglichen gestaltet, wobei so manch einer der Beteiligten den ein oder anderen der vielen entscheidenden Ballwechsel zuvor letztlich doch gerne für seine Farben verbucht hätte.
Einzel:
1: Bernd Flesner vs. Gernot Erkert 2:6 | 1:6;
2: Manfred Klieber vs. Dr. Michael Döppert 6:2 | 6:1;
3: Roland Wißwesser vs. Rolf Daubermann 7:6 | 6:1;
4: Gerd Eisberg vs. Theo Reiß 5:7 | 1:6.
Doppel:
1: Bernd Flesner / Gerd Eisberg vs. Dr. Michael Döppert / Theo Reiß 5:7 | 7:5 | 8:10;
2: Manfred Klieber / Manfred Hoffmann vs. Gernot Erkert / Wolfgang Döppert 6:2 | 6:7 | 10:8.