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Do., 23. Februar 2023, 12:00 Uhr
Talente im Nibelungenland: Nächste Generation der Radsport- und Ästhetik-Sportart Kunstradfahren des VfH Worms und RSV Rheindürkheim beweist sich bei Rheinhessenmeisterschaften 2023
Durch die künstlerische Welt auf einem Rad
Marlene Baus bereitete sich selbst das schönste Geburtstagsgeschenk. An ihrem 11. Geburtstag zeigte das junge Bewegungstalent des VfH Worms auf dem Kunstrad eine tolle Kür, die mit dem dritten Rang der Schülerinnen U13 bei den Rheinhessenmeisterschaften 2023 belohnt wurde. Foto: Marcus Diehl
Von Jürgen Jaap > Sport ist so vielfältig. Von Aerobic über Basketball, Fußball, Handball, Hockey, Judo, Karate, Kartfahren, Motorsport, Radfahren, Sportklettern, Taekwondo, Tanzen, Tennis, Tischtennis, Turnen bis hin zum Wassersport bieten allein in der Nibelungenstadt Worms über 100 Sportvereine mit insgesamt etwa 31.000 Mitgliedern nahezu jede Sportart an. Zahlreiche junge Menschen eifern olympischen Helden der Leichtathletik oder im Schwimmbecken nach. Ja, es gibt sie auch in großer Anzahl im Nibelungenland: Talente, die das Zeug dazu haben über die Region hinaus Aufmerksamkeit auf ihren Sport zu lenken. Wir stellen sie über viele Sportarten hinweg nach und nach vor – in der Serie „Talente im Nibelungenland“.
Zum Geburtstag gibt’s die Bestleistung
Marlene Baus verschwindet in einer Traube von Mädels und Jungs. Jeder will die junge Kunstradfahrerin jetzt drücken. „Ich war zuerst etwas geschockt, dass ich an meinem Geburtstag fahren sollte“, sagt die Fünftklässlerin des Gauß-Gymnasiums nach ihrer Kür im Einer Kunstrad der Schülerinnen U13. An ihrem elften Geburtstag hat „das ehrgeizige, große Bewegungstalent“, wie sie ihr Trainer Stefan Born bezeichnet, bei den Rheinhessenmeisterschaften in ihrer heimischen Schulsporthalle im BIZ Worms voll abgeliefert. „Ich freue mich, wie ich heut’ gefahren bin“, sagt Marlene mit einem Lächeln. Nun wird im Kreise ihrer Freundinnen und Freunde vom VfH Worms die neue Bestleistung mit satten 41,09 Punkten abgefeiert. Kaum einen Patzer hat sich Marlene in den fünf Minuten auf der Fahrfläche geleistet. Das wird mit einem starken Rang drei im Feld der meist doch älteren Konkurrentinnen aus Rheinhessen belohnt.
Nur Fliegen ist noch ein klein wenig schöner als das spektakuläre Turnen auf einem Kunstrad. Emma Bayer schnappte sich neben dem Rheinhessenmeister-Titel mit dem VfH-Worms-Vierer Kunstrad der Schülerinnen auch noch mit neuer Bestleistung einen zweiten Rang im Einer U15. Foto: Marcus Diehl
Emma Bayer, die Titelsammlerin
Seit gerade einmal eineinhalb Jahren ist Marlene Baus in ihrer zweiten Saison im 1er, 2er und 4er auf dem Kunstrad aktiv. Schon übt sie am aufsehenerregenden Lenkerstand. „Im Training klappt das auch, nur im Wettkampf komme ich (noch) nicht allein auf den Lenker.“ Lange wird dieses Kunststück bei Marlene bestimmt nicht auf sich warten lassen, doch nun hat das Geburtstagskind erst einmal anderes im Sinn – Daumen drücken. Emma Bayer, die 13-jährige Freundin und Partnerin im Kunstrad-Zweier ist an der Reihe. Mit einer Titelsammlung von vier Gold-Medaillen bei den jüngst erst stattgefundenen Kreismeisterschaften geht die Schülerin des Rudi-Stephan-Gymnasiums bei der U15-Konkurrenz an den Start. Los geht’s. Ein Hüpfer über den Lenker, auf Sitz und Lenker liegend, auf Sattel und Lenker stehend geht’s mit dem Sportgerät im Rund der „Fahrfläche 1“ locker umher. Unangestrengt. So präsentiert Emma Bayer ihre elegant und ästhetisch anmutende Übung. 34,55 Punkte bedeuten Rang zwei. Zwei weitere Titel gibt’s kurz darauf: Erst mit dem Schülerinnen-Vierer des VfH Worms, dann gemeinsam mit Marlene Baus im Zweier.
Deutsche Meister und Weltmeister als Vorbilder
Emma und Marlene sind nur zwei von vielen Talenten, die beim VfH Worms oder RSV Rheindürkheim stetig geschmiedet werden. Die nächste junge Generation der Ästhetik-Sportart Kunstradfahren ist unter der Regie von VfH-Trainer-Legende Stefan Born und den Neu-Trainerinnen Sabrina Born oder Monique Dorn auf dem Weg. Noch leichter von der Hand scheint das dann zu gehen, wenn etwa eine sechsmalige Deutsche Meisterin und Weltmeisterin von 2021 namens Nora Erbenich als Hallensprecherin die Teilnehmer fachkundig ankündigt. Reichlich Vorbilder haben die Mädels und Jungs ohnehin in ihren eigenen Reihen des VfH Worms, einer Hochburg im Kunstradfahren weit über die Nibelungenstadt oder Rheinhessen hinaus.
2er grüßen aus vier Metern Höhe
Anton Voß und Neels Vietor etwa leben die Tradition des höchst spektakulären Zweiers weiter. „Für mich ist das die Lieblings- und Königsdisziplin des Kunstradfahrens“, verrät Stefan Born. Mit Jonathan Elvers und Julian Krückl haben sich zwei VfH’ler bereits seit Jahren im 2er bis hin zu den Elite-Wettbewerben etabliert. Die beiden erst 12 Jahre alten Anton Voß und Neels Vietor treten schon in deren Fußstapfen. Auf der Schulter des Untermannes stehend, der mit beiden Füßen den Lenker durch eine Acht bewegt, ist wahrlich kein Pappenstiel. Artistik pur ist das. „Da trauen sich nicht viele Sportler und Trainer ran“, weiß Stefan Born. Die Jungs des VfH Worms aber schon, weswegen die Titel fast naturgemäß in der Nibelungenstadt bleiben. Es wird weiter fleißig an der nächsten Generation gearbeitet – in der Talentschmiede des VfH Worms.