Mo., 19. Dezember 2022, 12:43 Uhr
Wormser Landstraße: Beschädigte Stellen am historischen Gebäude wurden fachmännisch ausgetauscht
Ehemaliges Heppenheimer Spritzenhaus bleibt erhalten
Das ehemalige Spritzenhaus der Feuerwehr im Wormser Stadtteil Heppenheim steht als Einzeldenkmal im Verzeichnis der Kulturdenkmäler der Stadt Worms.
Der um 1900 entstandene Werksteinbau war ursprünglich an das benachbarte barocke Rathaus (Wormser Landstraße 9) angebaut, dort steht heute eine Sparkassenfiliale. Vom ehemals stattlichen Rathaus blieben nach dessen Abbruch nur Teile der Westwand als östliche Giebelwand des Spritzenhauses erhalten.
Dies ist heute noch ablesbar durch die zugesetzten Türen und Fensteröffnungen im Inneren des ehemaligen Feuerwehrgebäudes und durch die nachträglich an der Außenwand angebrachte Reliefplatte mit der allegorischen Darstellung von Justitia und Fides, welche aus der katholischen Kapelle im Erdgeschoss des Rathauses stammt und die Jahreszahl 1767 trägt.
Seit Jahrzehnten in Privatbesitz
An zentraler Stelle im historischen Ortskern von Heppenheim gelegen, welcher 1990 als Denkmalzone unter Schutz gestellt wurde und eine der größten Denkmalzonen im Stadtgebiet Worms darstellt, hat das alte Spritzenhaus seine ursprüngliche Nutzung schon lange verloren und befindet sich seit Jahrzehnten in Privatbesitz.
Bereits zu Beginn der 2000er Jahre hatten die Untere Denkmalschutzbehörde und die Bauaufsicht den damaligen Eigentümer auf einen Sanierungsbedarf hingewiesen, welcher auf fehlende Pflege und nicht ausreichenden Bauerhalt zurückgeführt werden kann. Trotz verschiedener Versuche in der Vergangenheit das Bauwerk für die Ortsgemeinde zu gewinnen und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, blieb das alte Spritzenhaus auch nach einem zwischenzeitlichen Verkauf weiterhin in privatem Eigentum.
Selbst nach dem Besitzerwechsel blieben ausreichende Pflege- und Erhaltungsmaßnahmen aus, was die Denkmalbehörden mit wachsender Sorge beobachteten. Alle Bemühungen der Unteren Denkmalschutzbehörde mit dem Eigentümer in Kontakt zu treten und ihn an seine Pflicht zur Erhaltung und Pflege im Sinne des Denkmalschutzgesetzes zu erinnern, blieben lange Zeit erfolglos.
Der vernachlässigte Zustand führten auch von Seiten der Ortsgemeinde und ehrenamtlich engagierten Bürgern im Rahmen des Projekts „Stadtdörfer Worms“ zu Anfragen bei der Stadtverwaltung und Kontaktaufnahme mit der Unteren Denkmalschutzbehörde, die nach wie vor im Austausch mit den Beteiligten vor Ort ist. Das große öffentliche Interesse am alten Spritzenhaus und der Wunsch der Heppenheimer nach einem langfristigen Erhalt des Denkmals wird von der Unteren Denkmalschutzbehörde ausdrücklich begrüßt.
Der Umstand, dass es sich beim Spritzenhaus nicht um öffentlichen Besitz, sondern um Privateigentum handelt, setzt jedoch das Interesse und Einverständnis des jetzigen Eigentümers voraus, zumal im Rahmen des Stadtdörfer-Projektes generell keine privaten Bauvorhaben gefördert werden.
Hölzer der Dachkonstruktion geben nach
Am Montag, 21. November, wurde die Untere Denkmalschutzbehörde stadtintern von einem Feuerwehr- und THW- beziehungsweise Polizei-Einsatz am Spritzenhaus am vorherigen Freitagabend unterrichtet. Besorgte Anwohner hatten diese alarmiert, da aufgrund der vorangegangenen Regenfälle am Fuß des Turms Hölzer der Dachkonstruktion nachgegeben hatten und eine deutliche Schiefstellung des Turms in diesem Bereich bemerkt wurde. Nachdem sich Feuerwehr und THW Zugang zum Gebäude verschaffen konnten, musste eine akute Einsturzgefahr des Turms festgestellt werden.
Daraufhin wurden das betroffene Areal und die angrenzenden Bereiche des Nachbargrundstücks gesperrt. Aufgrund der Gefahr in Verzug und der Gefährdung von Menschenleben wurde eine dringende Niederlegung des Turms empfohlen, bevor dieser auf das Dach des Spritzenhauses, den Gehweg oder das Nachbargrundstück stürzt.
Gemeinsam mit der involvierten Bauaufsichtsbehörde gelang es schließlich, den Eigentümer des Denkmals zu erreichen. Somit konnte sich die Stadtverwaltung erstmals Zugang zum betroffenen Bereich verschaffen und ein Bild der Situation machen. Ursache für die Schiefstellung waren aufgrund von eindringendem Regenwasser verfaulte Teile der Holzkonstruktion des Fachwerk-Turmes, die unter seinem Gewicht nachgegeben hatten und drohten, durchzubrechen. Sofort wurde klar, dass die Lage ernst ist und ein Büro für Tragwerksplanung involviert werden muss, um die tatsächliche Gefahr einzuschätzen und das weitere Vorgehen zu betreuen.
Eigentümer zeigt sich kooperativ
Der Eigentümer des Denkmals zeigte sich vom Anfang an kooperativ, unternahm erste Sicherungsmaßnahmen und beauftragte entsprechend sofort einen Tragwerksplaner. Da das Gebäude unter Denkmalschutz steht, hat die Untere Denkmalschutzbehörde zunächst die gesetzliche Aufgabe, das Denkmal zu erhalten. Als verschiedene Konzepte für die Rettung des Turmes sich als zu riskant für die zu beauftragenden Fachfirmen erwiesen, haben die Untere Denkmalschutzbehörde und die Landesdenkmalpflege einem kontrolliertes Abtragen beziehungsweise einen Rückbau des Turms zugestimmt, um Menschenleben zu schützen. Dies jedoch nur unter der Auflage, dass der Turm mit derselben Konstruktion und Gestaltung wieder oder neu aufgebaut wird.
Nach gemeinsamen Überlegungen zwischen Eigentümer, städtischen Behörden, Fachplanern und Fachfirmen wurde dann ein erfolgsversprechendes Vorgehen überlegt und umgesetzt.
Zunächst wurde der Zustand der sonstigen Turmkonstruktion untersucht. Dieser erwies sich als gut und unbeschädigt, so dass Anhaltspunkte für eventuelle Befestigungen oder Anhebungen ausgemacht werden konnten. Dann wurde der Turm mittels zum Boden hin gespannten Stahlseilen gesichert. Dies bot die Möglichkeit, die Reparatur beziehungsweise den Austausch der beschädigten Holzkonstruktion genau zu planen, ohne dass ein Risiko für die Beteiligten bestand. Anschließend wurde der Turm mittels eines hohen Krans angehoben, um die neuen Bauteile aus Holz zimmermannsmäßig einzubauen.
Somit wurde die Bausubstanz des Denkmals nur an den beschädigten Stellen ausgetauscht und die historische Konstruktion des Turmes mit traditionellen Materialien wiederhergestellt. Als letztes wurde das Dach des kleinen Gebäudes repariert und unter Verwendung eines Großteils der historischen Biberschwanzziegel neu gedeckt, auch die Wasserführung wurde wiederhergestellt. Die abgeschlossenen Arbeiten wurden am Freitag, 9. Dezember, vor Ort zusammen mit dem beauftragten Architekten begutachtet. Die Untere Denkmalschutzbehörde ist allen Beteiligten für das große Engagement sehr dankbar, nicht nur zur Gefahrenabwehr, sondern auch für die Rettung und Erhaltung eines für den Stadtteil Heppenheim und für die Stadt Worms wichtigen und symbolträchtigen Denkmals.