Mo., 14.09.2026
Die Gratiszeitung für Worms und das Nibelungenland
  • Startseite
  • Sport
  • Termine
  • Stellenmarkt
  • Mi., 03. Februar 2021, 20:01 Uhr
    BAU- UND MOBILITÄTSAUSSCHUSS: Bürgerbefragung zur „Mobilität in Worms“ fand sehr gutes Echo / Angebote und Anreize für ÖPNV-Nutzung und Umstieg auf das Fahrrad schaffen

    Ehrliches Ergebnis und gute Grundlage für Entscheidungen

    Aufschluss über mögliche Inhalte eines zukunftsorientierten Mobilitätskonzeptes gab die Auswertung einer repräsentativen Online-Befragung am Mittwoch. Foto: Steffen Heumann


    VON STEFFEN HEUMANN | Im Rahmen einer Sondersitzung des Bau- und Mobilitätsausschusses wurden am Mittwoch die Ergebnisse einer Bürgerbefragung zum Thema „Mobilität in Worms“ vorgestellt. Von Juli bis August hatten 3.830 Bürger die Möglichkeit, an der repräsentativen Umfrage freiwillig und anonym teilzunehmen und 40 Fragen sowie 116 Teilfragen zu beantworten. Im Kern soll die Bewertung und Wahrnehmung der Verkehrssituation in Worms als Grundlage für die Politik dienen, um die Weichen für ein zukunftsfähiges Mobilitätskonzept zu stellen.

    Daniela Schwartzmann, Bereich Stadtentwicklung, informierte darüber, dass man sich bei der Präsentation der insgesamt rund 100-seitigen Vorlage auf ausgewählte Ergebnisse beschränkt habe. Insgesamt waren 909 Fragebögen gültig, das entspreche einer Rücklaufquote von 23,7 Prozent. Mit Bezug auf die Umfänglichkeit des Fragenkataloges wertete die Fachfrau für Demographie und Demoskopie das Resultat als „sehr sehr gut“. 1,25 Prozent der Gesamtbevölkerung hätten demnach teilgenommen, darunter hauptsächlich die Altersgruppe der 30- bis 64-Jährigen. Unter den jüngeren Bürgern zwischen 18 bis 29 Jahren habe man eher nur ein geringes Interesses verzeichnen können, so Schwartzmann. Lokal betrachtet gab es die höchste Beteiligung im Zentrum sowie in den Stadtteilen Horchheim, Hochheim, Leiselheim und Neuhausen.

    Dezernent Uwe Franz lobte auch im Namen der Verwaltung und zahlreicher Ausschussmitglieder die hohe Qualität der umfangreichen Auswertung. „Die Ergebnisse von heute gehen zurück zur eingehenden Beratung in die Fraktionen und dienen als Entscheidungsgrundlage für den Mobilitätsausschuss und die folgenden Gremien“, betonte Uwe Franz.

    Annett Böttner, Abteilungsleiterin Stadtinfrastruktur, moderierte die Zusammenfassung, die als erste Diskussionsgrundlage für die Ausschussmitglieder dienen sollte. Demnach hätten 93 Prozent der Befragten mindestens ein Kfz und 80 Prozent sogar zwei Fahrzeuge im Fuhrpark, aber eher selten ein Motorrad oder Roller als fahrbaren Untersatz. Daraus generiere sich das größte Innenstadt-Problem, unterstrich Böttner, „den Mangel an Stellflächen, den 60 Prozent der Teilnehmer nannten“. Fahrradabstellplätze seien ebenso Mangelware, insbesondere im Stadtteil Neuhausen aufgrund seiner hohen Wohndichte.

    „38 Prozent nutzen den ÖPNV“, stellte Böttner anschließend fest. 40 Prozent davon wohnen in der Innenstadt. Schlusslicht sei Ibersheim, wohl aufgrund seiner Randlage. Die Zahl der vorhandenen Bushaltestellen wurde von 97 Prozent als positiv bewertet, „das spricht für eine gute Vernetzung“. Zwei Drittel der Teilnehmer würden auch ein Fahrrad nutzen, so Anne Böttner. Vor allem in der Innenstadt oder zentrumsnahmen Stadtteilen sei das usus. „Ausreißer ist Pfeddersheim mit einem relativ hohen Fahrradnutzeranteil“.

    S-Bahn-Haltepunkte und Radschnellweg punkten

    Weiter im Fokus der Mobilität seien die möglichen S-Bahn-Haltepunkte im Westen und Süden der Stadt. Über 50 Prozent befürworten einen Ausbau. Gleiches gelte für einen Ausbau des Radschnellweges zwischen Worms und Ludwigshafen (58%-Ja-Stimmen) sowie die Radanbindung aus den Stadtteilen in die Innenstadt mit einer 75-prozenigen Zustimmung. Besonders positiv vermerkt worden sei die Asphaltierung der Radwege. Zusätzliche Radstellplätze am Hauptbahnhof wünsche sich schon sich 64 Prozent der Bürger, 42 Prozent plädieren für die Einrichtung von Fahrradstraßen und hegen damit die Hoffnung, dass das Radfahren dann sicherer werde und ein schnelleres Vorankommen möglich sei. 47 Prozent stehen einen Ausbau skeptisch gegenüber und meinen, dass diesbezüglich kein Bedarf vorhanden sei und zudem Geschäfte in der Innenstadt darunter zu leiden hätten oder Umgehungsrouten durch Pkw überlastet werden. 49 Prozent der Befragten votierten für einen Ausbau der Parkraumbewirtschaftung und versprechen sich davon weniger zugeparkte Straßen und eine schnellere Parkplatzsuche. Kritiker, 32 Prozent, befürchten durch den Wegfall von vorhanender Parkmöglichkeiten höhere Kosten nebst stärkerer Kontrollen und ein verwaisen der Innenstadt und Geschäfte.

    Mehrheit für Tempo 30 in der Innenstadt

    58 Prozent der Bürger sprechen sich laut Umfrage für Tempo 30 in der Innenstadt aus und erhoffen sich neben mehr Sicherheit für die Radfahrer eine Reduzierung der Umweltbelastung. Für die Gegner (39 Prozent) bedeute diese Maßnahme längeres und langsameres Fahren mit einem schlechteren Verkehrsfluss. Langsamere Geschwindigkeiten führten überdies zu mehr C02-Ausstoß, weshalb eine Reduzierung des Tempos an Unfallschwerpunkten als ausreichend empfunden wurde. Für 58 Prozent stehe weiterhin der Bau der Krankenhaustangente auf dem Wunschzettel. Befürworter hoffen auf eine Entlastung aller Stadtteile und der Innenstadt sowie auf eine Verkehrsentlastung für Pfiffligheim und Leiselheim. Gegner führen vorhandene Alternativrouten und den Umweltschutz, zu hohe Kosten, eine Verkehrssteigerung und zu hohen Landverbrauch an. Die Debatte um ein autofreies Zentrum sehen die Teilnehmer gespalten: Sicherheit, mehr Lebensqualität und Platz für schöne „Dinge“ (49 Prozent) stehen dem Innenstadt-Sterben und zu Grunde gehenden Geschäften (46 Prozent) entgegen. Zudem werde häufig angemerkt, dass behinderte oder weniger mobile Menschen durch die Regelung benachteiligt würden, wie Annett Böttner berichtete. Darüber hinaus gaben 47 Prozent einer bevorrechtigen Ampelschaltung für Fußgänger und Radfahrer den Vorzug. Gegner (43 Prozent) befürchten hingegen Staus, ständiges Warten bei „Rot“ und einen höheren CO2-Ausstoß. „Viele sind zufrieden mit der bisherigen Schaltung und sehen keinen Änderungsbedarf bzw. sprechen sich für eine gleichberechtigte Ampelschaltung für alle Verkehrsteilnehmer oder nach Verkehrsaufkommen aus“, so Böttner.

    Mehr Platz für Fußgänger und Radfahrer

    45 Prozent der befragten sprachen sich zudem für eine generelle Kapazitätsreduzierung von Kraftfahrzeugen aus, 41 Prozent glauben, dass neue Regelungen zu gefährlichen Situationen und Unfällen führen könnten und sich der Verkehr somit nur auf umliegende Straßen verstärken werde.

    „Eine Super-Umfrage und ein ehrlich Ergebnis, mit dem ich aber nicht unbedingt glücklich sein kann“, zog Bürgermeister Hans-Joachim Kosubek Bilanz. Es gäbe keine deutlichen Mehrheiten, so Kosubek. Der „Volkswille“ sei nicht eindeutig, aber die Politik müsse nun Entscheidungen fällen. „Es wird ein harter Weg für die Gremien“, urteilte Kosubek, zumal keine klaren Ergebnisse vorliegen, wie die Stadt optimal die Verkehrswege gestalten soll. Das Klima spiele dabei eine große Rolle, betonte Kosubek. Bei den Planungen gelte es die Gesamtstadt zu Berücksichtigung, inklusive der Bedürfnisse für den Brand- und Katastrophenschutz. Solange die Hauptfeuerwache noch nicht am Salamandergelände angesiedelt sei, gäbe es den klaren Auftrag, dass auch in der Innenstadt alle verkehrsberuhigenden Maßnahmen darauf auszurichten seien, dass die Feuerwehr die 8-Minuten-Einsatzzeit einhalten könne.

    Weitere Stimmen:


    Alexandra Zäuner (CDU): Ein großes Augenmerk sollte auch der Jugend sowie jungen Erwachsenen und deren Mobilitätsverhalten gelten, da die Beteiligung an der Befragung dieser Altersgruppe nur gering ausfiel. Konzepte für jede Verkehrsart sind dringend notwendig. Dabei müssen allerdings auch Prioritäten gesetzt werden.

    Alfred Koch (FDP): Wir werten die Umfrage anders, da die Fragen nur in eine Richtung abzielen. Den Umstieg muss man attraktiv gestalten und überzeugen, nicht einfach verordnen.

    Steffen Landskron (FWG/Bürgerforum): Die Wahl des Verkehrsmittels darf nicht diktiert werden. Um Verbesserungen zu erreichen, müssen attraktive Angebote geschaffen und dabei weitestgehend alle Bedürfnisse berücksichtigt werden.

    Timo Horst (SPD): Eine solide Grundlage um ein Planungsszenario festzulegen, damit die Fraktionen eine Vorauswahl treffen und die Verwaltung die detaillierte Umsetzung der politischen Vorgaben sukzessive unter Berücksichtigung der finanziellen Möglichkeiten umsetzen kann.

    Richard Grünewald (Bündnis90/Die Grünen): Mobilität der Zukunft ist kein leeres Blatt mit einem Gestaltungsregler, den man beliebig einsetzen kann. Wir arbeiten mit Optionen, die bereits auf dem Tisch liegen. Der Punkt Klimaschutz ist außen vor geblieben, die Konzepte müssen diesbezüglich angepasst werden, denn, motorisierten Verkehr zu reduzieren und anderen Verkehr zu „pushen“, ist Gesetz.

    Dr. Klaus Karlin (CDU): Ein guter Baustein, aber kein Gesetz! Die hervorragende Arbeit bei der Auswertung der Befragung trotzt allen Anfechtungen.

    Serder Uzatmaz (SPD): Schade, dass sich die jüngeren Menschen nur in geringem Maß an der Befragung beteiligt haben. Vielleicht sollte man hier mehr auf soziale Medien setzen, um dies Generation zu erreichen.

    Klaus Harthausen (CDU): Die Vielzahl der Autos im Privatbesitz ist auch das Ergebnis fehlender Alternativen. Angebote für den ÖPNV und die Fahrradnutzung fehlen, um den Verkehr zu beruhigen. Immer nur „autofrei“ zu fordern, ist jedoch auch keine Lösung. Wir müssen wissen, was wir wollen, dann können wir anhand vorliegender Expertisen die Auswirkungen und Verteilung des Verkehrs simulieren und gegebenenfalls nachsteuern.

    Heidi Lammeyer (SPD): Die Befragung beinhaltet viel Positives. Für eine Bewertung sollte man auch die Altersstruktur der Bevölkerung berücksichtigen und das Straßenumfeld verbessern, aber besser nicht auf populäre Schreihälse hören.

    Christine Jäger (Bündnis 90/Die Grünen): Eine riesige Aufgabe, die nur parteiübergreifend gelöst werden kann. Ich würde mir wünschen, dass der Mobilitätsausschuss öfter zusammentreffen könnte, um am aktuellen Geschehen näher dran zu sein.

    Rosa Schumann-Montoya (Wormser Fahrradbeauftragte): Vielleicht könnte bereits eine rote farbliche Markierung der Fahrradwege mehr Aufmerksamkeit der Autofahrer auf die Radfahrer lenken? Jüngere Menschen sollten erneut gezielt nach ihren Bedürfnissen befragt werden, um weitere Erkenntnisse zu erhalten.

    Christian Engelke (Bündnis 90/Die Grünen): Man sollte das Zentrum stärker in den Fokus rücken, dort wirken sich der Verkehr und der Lärm oft problematischer aus, als das aus Sicht der Vororte den Anschein hat. Hier leide die Lebensqualität stärker, weshalb der Innenstadtausschuss mehr in Entscheidungen einbezogen werden sollte.

    Marco Schreiber (CDU): Wir können nur dann erfolgreich sein, wenn die Unterstützung durch die Mehrheit der Bürger vorhanden ist. Den Mehrwert von Entscheidungen muss man den Menschen erklären, dann steigt auch deren Zustimmung. Eigentore, wie bei der Fahrradstraße, dürfen wir keine schießen.

    Beitrag aus der Rubrik

    » Worms und Ortsteile
    Anzeige Reifen Mast KN10123Anzeige Platten NOLLAnzeige Online StellenmarktAnzeige VHS
    Anzeige Tip SüdhessenAnzeige Klinikum Worms - Tag der offenen TürAnzeige das Wormser
    Anzeige TicketshopAnzeige AmtsblattAnzeige Cecil Cycle KN18256