WEIHNACHTSMARKT: Kirchengemeinde zeigt alternatives Krippenspiel auf neutralem Boden / Ordnungsbehörde als Beobachter
Ein Eklat blieb aus
Die klassische Krippendarstellung. Kulturelle Tradition oder religiöse Symbolik mit tiefer Bedeutung? In Worms erhitzten sich die Gemüter in diesem Jahr an der Bewertung eines alternativen Krippenspiels der evangelischen Luthergemeinde, das nach Auffassung der Verwaltung eine politische Botschaft beinhaltet. Foto: Steffen Heumann
VON STEFFEN HEUMANN Auch wenn der Wormser Weihnachtsmarkt am heutigen Montagabend Geschichte sein wird, wird er um ein Kapitel reicher. Die Diskussion um das umstrittene Krippenspiel der Luthergemeinde hallt nach. Das wurde am Samstagnachmittag trotz Androhung eines Bußgeldes erneut aufgeführt – allerdings nicht auf dem Areal des Weihnachtsmarktes, sondern unmittelbar daneben, aber unter Beobachtung der Ordnungsbehörde. Die Verwaltung hatte zuvor klar Stellung bezogen: „Keine politischen Botschaften auf dem Weihnachtsmarkt!“ „Die Stadt hat da keine Alternative“, erklärte Angelika Zezyk, Bereichsleitern Öffentliche Sicherheit und Ordnung im SWR-Interview. Vorausgegangen war die Bewerbung für eine Veranstaltung von rechten Parteien durch einen Standbetreiber der Wechselbude auf dem Weihnachtsmarkt.
Die Crux am Krippenspiel: Sie enthält nach Meinung der Stadt ebenfalls eine politische Botschaft. Die Kirche hält dagegen, dass es sich beim alternativen Krippenspiel, wie bereits in den Jahren zuvor ohne Beanstandung geschehen, um eine klare Botschaft gegen Antisemitismuns und Menschenfeindlichkeit handelt. Unterlegt sei dies durch Zitate aus der Bibel oder von Persönlichkeiten, wie Fritz Delp, Pfarrer der evangelischen Luthergemeinde gegenüber den Medien kund tat. Aus Sicht der Verwaltung hätte die erste Aufführung des Krippenspiels allerdings einer Genehmigung bedurft, die gab es nicht. Der Standpunkt der Kirchengemeinde: Das Recht der freien Religionsausübung hat Vorrang vor dem Versammlungsrecht und bedarf keiner gesonderten Erlaubnis. Ein Eklat blieb am Samstag aus. Die Ordnungsbehörde hielt sich im Hintergrund, auch weil die Akteure des Krippenspiels das Weihnachtsmarktareal bei ihrer Aufführung nicht tangierten. Vom Tisch ist die Sache nicht. Hier steht weiterhin „Botschaft“ gegen „Botschaft“.