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  • Di., 20. Oktober 2015, 16:43 Uhr
    Luther-Schrift in UNESCO-Weltdokumentenerbe aufgenommen

    „Ein Ereignis von außerordentlicher Bedeutung“

    Von links: Bildungsdezernent Waldemar Herder, Dr. Busso Diekamp und OB Michael Kissel präsentieren das wertvolle Schriftstück „An die Ratsherren aller Städte deutsches Lands“ aus dem Jahre 1524.

    Es ist nur ein einfacher, brauner Umschlag, der das kostbare Schriftstück schützt, doch der Wert offenbart sich in den weißen Stoffhandschuhen, die nötig sind, um das Werk in Händen halten zu dürfen: Martin Luthers Flugschrift „An die Ratsherren aller Städte deutsches Lands“, gedruckt in Wittenberg 1524. Seit wenigen Tagen steht das Druckwerk auf der Liste des Weltdokumentenerbes der UNESCO. Nur 23 Werke aus Deutschland werden in der Liste geführt, aus Rheinland-Pfalz ist die Luther-Schrift nun das zweite Schriftstück. „Darauf sind wir sehr stolz“, betonte Dr. Busso Diekamp, Leiter der Stadtbibliothek, die die wertvolle Luther-Bibliothek beherbergt. Die Flugschrift stehe quasi als pars pro toto für die gesamte Luther-Bibliothek, ist sich Dr. Diekamp sicher. Der nun von der UNESCO „geadelte“ Frühdruck von Lucas Cranach und Christian Döring mit einem Renaissance-Titelholzschnitt, auf dem unter dem Titel zwei Putten die Lutherrose in einem Medaillon halten, gehört zum Bestand der Luther-Bibliothek, die Maximilian Heyl aus Anlass des 400. Geburtstages des Reformators 1883 seiner Heimatstadt Worms schenkte.


    „Ein Ereignis von außerordentlicher Bedeutung“ nennt Oberbürgermeister Michael Kissel die Entscheidung der UNESCO, nun neben den Handschriften des Nibelungenlieds ein weiteres Werk, das in Verbindung mit Worms steht, im Weltdokumentenerbe zu führen.


    Die Luther-Schrift sei auf ausdrücklichen Wunsch der UNESCO aufgenommen worden, da Luther darin eine humanistische Bildung für Jungen und Mädchen aller Stände fordere - vor allem mit dem Ziel, ihnen die eigene Bibellektüre zu ermöglichen, erläuterte Dr. Diekamp den besonderen Inhalt des Werks. Zu diesem Zweck sollten die Ratsherren aller deutschen Städte Schulen und Bibliotheken einrichten – was in Worms 1527 mit der Gründung der städtischen Lateinschule – heute Rudi-Stephan-Gymnasium – geschah.


    Eingereicht hatte den Vorschlag bei der UNESCO das Leibniz-Institut für Europäische Geschichte in Mainz.


    „Wir gehen mit unserem wissenschaftlichen Erbe besonders engagiert um. Dem Stadtarchiv und auch der wissenschaftlichen Stadtbibliothek kommt hierbei eine hohe Bedeutung zu“, unterstrich OB Kissel. Und die Bedeutung einzelner Werke werde durch die unter-Schutz-Stellung durch die UNESCO nochmals hervorgehoben.


    Ein solch wichtiges Werk solle natürlich auch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, versprach Bildungsdezernent Waldemar Herder, der sich dies gut im Zusammenhang mit der Lutherdekade vorstellen kann. „Die Form der öffentlichen Präsentation müssen wir allerdings noch besprechen“, so Waldemar Herder. Bis dahin schlummert das voll digitalisierte Schriftstück bei den anderen Schätzen der Stadtbibliothek.


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