1. Judo Club Worms: 41. Nibelungen-Turnier lockt Judoka aus ganz Deutschland in Scharen nach Worms / 475 Meldungen von 58 Vereinen
Ein faszinierendes Fest für jeden Judoka
Im Kampf um den besten Griff hatte Till Scheller (rechts) meist das bessere Händchen. Der 16-jährige Träger des Schwarzen Gürtels, 1. Dan siegte souverän mit zwei Schulterwürfen (Seoi-Nake) bei der U18 und kam auf einen sehr beachtlichen Rang zwei der Männer. Foto: Marcus Diehl1. Judo-Club Worms:
Von Jürgen Jaap › Der Parkplatz ist voll bis auf den letzten Platz. Die Tribünen sind voll. Die Sporthallen des Bildungszentrum Worms sind rappelvoll. Hinter den vier Kampfmatten, den Tatami, ist alles in Fünferreihen voll. „Wir wurden an den letzten Tagen vor dem 41. Nibelungen-Turnier 2023 regelrecht überrannt“, lässt Bernd Jäger, der Abteilungsleiter Judo des 1. Judo-Club Worms, wissen. 475 Judoka aus 58 Vereinen vom tiefen Süden bis in den hohen Norden Deutschlands wollen zwei Tage lang nur eines: Rauf auf eine der vier Matten, kämpfen, Griffe setzen, die vielen Techniken des Judo beim Wurf über die Schulter oder das Knie zeigen, einen Ippon als höchste Wertung im Judo präsentieren, Siege in ihrer jeweiligen Alters- und Gewichtsklasse erringen
„Judoka sind heiß auf Turniere“ Es ist laut im BIZ, ohrenbetäubend laut. Anfeuerungen allenthalben. Aktion über Aktion. Durch vier Mikros werden die Kämpfer von den Kampfgerichten auf die Kampfmatten gerufen. Wer nicht gerade selbst kämpft, geht bei einem der Vereinskollegen oder Freundinnen engagiert und meist sehr lautstark mit. „Nach Corona sind die Judoka wieder so etwas von heiß auf Turniere“, begründet Patrick Alberti den riesigen Andrang. Der Judo-Trainer des 1. Judo-Club Worms und selbst sehr erfahrene Judoka hat aber nur wenig Zeit für Erklärungen. Erst muss er das Wiegen der Kämpfer überwachen, dann sind die Startlisten und Ergebnisse an den Wänden der Halle zur Information aufzuhängen. Der nächste Kampf ist anzusagen.
Lea Bender lässt über die Schulter springen Ach ja, als Trainer hat Patrick Alberti so manchen der 23 Kämpfer des 1. Judo-Worms auf einem Stuhl am Tatami sitzend zu betreuen. Lea Bender zum Beispiel, eine 16-jährge Wormserin aus der eigenen Judo-Talentschmiede. Mittels Hüftfeger „Harai-goshi“ und ihrer Spezialität „Seoi-Nake“, einem Schulterwurf, holt sich Lea den ersten Erfolg. Es geht für die junge Wormserin, die bereits in der Bundesliga mit dem Rheinland-Team aktiv ist, um nichts anderes als den Sieg bei der U18. Doch Katharina Keltjens vom 1. JC Bürstadt erweist sich als harte Gegnerin. „Der Kampf war lange ausgeglichen, ging hin und her, am Ende aber hat eine Haltetechnik entschieden“, erläutert Lea durchaus etwas enttäuscht wirkend das unglückliche Ende des Kampfes aus ihrer Sicht.
Judo-Talent Till Scheller räumt ab „Till, Till, mach’s nochmal Till“, heißt es aus etlichen Kehlen ein paar Meter weiter auf Matte eins. Der mit 16 Jahren schon ziemlich hoch aufgeschossene Till Scheller vom 1. JC Worms zeigt Judo vom Feinsten bei der U18 bis 90 Kilogramm. Zwei schöne Griffe nebst Seio-Nake beenden den Kampf gegen Hannes Hagenberger vom Heidelberger JC lange vor dem Gong, der das Ende eines Judo-Kampfes sonst so anzeigt. Zweimal Waza-Ari, oder je einen halben Punkt, heißt das dann im Judo-Jargon. „Schön, vor eigenem Publikum zu gewinnen“, lässt der Schüler am Sport-Internat Kaiserslautern wissen. Doch der Erfolg in der Heimatstadt dürfte eher nur eine Zwischenstation für das Judo-Supertalent Till Scheller sein, denn: „Ich möchte schon bei der DM der U21 und auch bei internationalen Turnieren in den nächsten Jahren auf die Podeste.“
Auch Flüchtlinge aus der Ukraine auf der Matte Auf die Matte indes drängten Kämpfer über Kämpfer. Keine Sekunde Stillstand – zwei fantastische Judo-Festtage lang. „So viele Judoka in der Halle hatten wir noch nie“, staunte Bernd Jäger schon ein wenig. Überall prägten die Judogi, die weißen Judoanzüge aus Jacke, Hose und Gürtel das Bild. Und besonders anrührend wurde es, als etwa Egor Koptel, ein junger Flüchtling aus dem Kriegsgebiet der Ukraine auf die Matte gerufen wurde. „Er ist talentiert, muss aber noch etwas an der Technik feilen“, kommentierte Bernd Jäger die Kämpfe von Egor, der sich letztlich einem Haltegriff mit dem Bein nicht mehr erwehren konnte. Egal. Das 41. Nibelungen-Turnier des 1. Judo-Club Worms blieb nicht nur Egor in positiver Erinnerung, der es mit einem einzigen englischen Wort umschrieb: „Fascinating!“
Ergebnisse der Wormser Judoka beim 41. Nibelungen-Turnier (eine Auswahl): Klasse/Rang/Name/Verein