NIBELUNGEN-FESTSPIELE: Toningenieur Marius Feht und sein Team sind die diesjährigen Mario-Adorf-Preisträger
Ein gläserner Drache für die Unterwasserwelt
Toningenieur Marius Feth und sein Team erhielten den diesjährigen Mario-Adorf-Preis. Foto: Rudolf Uhrig
Von Rudolf Uhrig > „Man erlebt es selten im Theater, dass alles so perfekt passt und ineinandergreift wie in der diesjährigen Aufführung der Nibelungen-Festspiele: Der hervorragende Text von Ferdinand Schmalz, die zupackende Regie von Roger Vontobel – und wohl noch nie haben die Festspiele ein solch hochkarätiges und homogenes Ensemble gesehen wie in diesem Jahr.“ So würdige Hans-Werner Kilz, nicht nur der Laudator der Preisverleihung, sondern auch einer der Gründungsväter vor 25 Jahren, die diesjährigen Festspiele „hildensaga – ein Königinnendrama“.
Zum vierten Mal wurde der Gläserne Drache für besondere künstlerische Leistungen bei den Nibelungen-Festspielen, der von dem Wormser Unternehmer Harald Christ gestiftete Mario-Adorf-Preis in Höhe von 10.000 Euro, verliehen. Diesmal aber nicht an eine Künstlerin oder Künstler des Ensembles, sondern an den Toningenieur Marius Feth und sein Team mit Julian Kochendörfer, Antonio Gavita, Andreas Pirrmann und Moritz Bach. In der diesjährigen Uraufführung verwandelt sich der Platz vor dem Wormser Dom in eine riesige Wasserlandschaft. Ein Werk des dänischen Bühnenbildners Palle Steen Christensen. Die Schauspieler befanden sich fast die gesamte Aufführung über im Wasser. Teilweise tauchten sie minutenlang unter, um dann wie aus dem Nichts aufzutauchen. Wenn sie sprachen, wurde dies verstärkt durch eine Mikrofontechnik, die sie am Körper tragen. Der Einsatz dieser Ton-Technik in Verbindung mit Wasser war eine große Herausforderung, deren Lösung und perfekte Umsetzung Marius Feth wochenlang nicht los lies.
Kilz in seiner Laudation weiter: „Sie haben nicht lockergelassen, bis sie das Unmögliche möglich gemacht haben und die Schauspieler aus dem Wasser auftauchen und sofort sprechen und schreien und sogar singen können. Als sei es das Normalste der Welt. Deshalb ist das Sounddesign in diesem Jahr weitaus mehr als ein technischer Support für die Kunst. Es ist essentieller Teil einer herausragenden künstlerischen Leistung. Und es ist ein kleines Wunder. Ein Wunder, wie es wohl nicht zufällig bei den Nibelungen-Festspielen möglich gemacht wird, wo Menschen nicht nur auf, sondern auch hinter der Bühne seit vielen Jahren herausragende Arbeit leisten, dabei bis an alle Grenzen gehen und einfach immer weitermachen, bis alles perfekt passt.“
Margarethe Christ, die Mutter des Preisstifters, die ihren Sohn Harald vertrat und den gläsernen Drachen, eine Hommage an den Mainzer Glashersteller Schott, bei dem Mario Adorf während seiner Studienzeit in Mainz als Eisenflechter und Eisenbieger arbeitete, übergab, teilte aber auch gleichzeitig mit, dass ihr Sohn seine Mäzenenschaft bis 2025 verlängere.
Die Kulturministerin des Landes, Katharina Binz, nahm Bezug auf die große Bedeutung von Worms, zum einen als eine der SchUM-Stätte mit Speyer und Mainz als UNESCO-Welterbe, aber auch als Luther-Stadt und eben das große Vermächtnis der Nibelungen und Burgunder. Sie verband dabei die „Wertschätzung“ gleichfalls mit „Wertschöpfung“ im Bereich des kulturellen Erbes. Bevor im Zuge der Preisverleihung Mitarbeiter, die von der ersten Stunde an – vor 20 Jahren – dabei waren, geehrt wurden, hatte Oberbürgermeister Adolf Kessel die große Gästeschar im schönsten Theater-Foyer Deutschlands begrüßt.