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  • Mo., 01. Oktober 2018, 16:18 Uhr
    Ursprung der bekannten Prager Legende stammt aus Worms / Vortrag und Film am 28. November im Wormser

    Ein Golem kehrt zurück…

    Der Wormser Künstler Klaus Krier hält eine Golem-Grafik in den Händen, welche er eigens für den SchUM-Städte e.V. geschaffen hat.

    Die jüdischen mittelalterlichen Monumente in den einstigen SchUM-Gemeinden sind einzigartig, wie zum Beispiel die ersten überlieferten Frauensynagogen oder der älteste in situ erhaltenen jüdischen Friedhof in Worms. Sie sollen UNESCO-Weltkulturerbe werden. 2020 wird der Antrag des Landes Rheinland-Pfalz eingereicht und 2021 fällt die Entscheidung.


    Begleitet wird die Welterbebewerbung von dem Bemühen, das immaterielle Erbe und die Gelehrsamkeit der SchUM-Gemeinden bekannt zu machen: So ist zwar die Legende des Prager Golem weltberühmt, ihr Wormser Ursprung im 13. Jahrhundert ist hingegen kaum bekannt.


    Worms im 13. Jahrhundert


    Zur Blütezeit der SchUM-Städte lebte in Worms der große Gelehrte Eleazar ben Jehuda Kalonymos (um 1165 bis 1230). Eleazar war mit Dulcia verheiratet. Die Familie mit zwei Töchtern und einem Sohn wurde im November 1196 in Worms von Kreuzfahrern überfallen. Dulcia und ihre Töchter wurden ermordet, der Sohn verletzt.


    Einige Zeit später verfasste Eleazar ben Jehuda einen Kommentar zum antiken „Buch der Schöpfung“ und brachte die Idee von der Schaffung eines Golems in die Welt. Er nahm an, dass durch bestimmte Zahlen und Buchstabenkombinationen des hebräischen Alphabets unbelebte Materie zum Leben erweckt werden kann. „Am Anfang war der Golem eine Idee, in der sich Eleazar von Worms mit seinen Wünschen und Nöten spiegelt", so Dr. Susanne Urban, Geschäftsführerin des SchUM-Städte e.V während eines Pressegespräches am Montag im Foyer vor dem Ratssaal. 


    Von Worms nach Prag und in die weite Welt

    Aus der Idee wurde eine Legende, und von Worms aus wanderte der Golem als Legende in die Welt, nach Prag und Polen, später, in veränderter Form, in die USA. „Die Idee eines Golems spiegelt auch die unglaubliche geistige Kreativität der Gelehrten aus SchUM wider" verwies Oberbürgermeister Michael Kissel auf die Gedankenexperimente der jüdischen Gelehrten in Mainz, Speyer und Worms.

    SchUM-Städte e.V. erstellt Unterrichtsmaterial

    Am Donnerstag, dem 29. November, wird es im Kulturzentrum „Das Wormser“ einen Vortrag von Prof. Frank Stern (Filmwissenschaftler, Wien) und einen Film mit und über einen modernen Golem geben. Ferner hat der SchUM-Städte e.V. Unterrichtsmaterial zum Golem und seiner Rolle für und in Worms erarbeitet, welches ab Mittwoch, dem 28. November, online gestellt wird. „Für den Unterricht ist sie grandios einsetzbar, denn wir können rund um den Golem Fragen wie Gerechtigkeit oder Moral diskutieren“, glaubt Dr. Urban an die Aktualität des historischen Stoffes.

    Ermöglicht wird das Projekt rund um den Golem durch eine Spende der Stiftung „Gut.für die Region“ der Sparkasse Worms-Alzey-Ried.

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