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  • Sa., 04. Juli 2020, 07:27 Uhr
    Wormser Tafel: Wiederaufnahme des Regelbetriebes ab dem 7. Juli / Weiterhin personelle und finanzielle Unterstützung gesucht

    „Ein Hoch auf diese tollen jungen Leute“

    Vera-Marie Neuß mit dem symbolischen Rosenstrauß, mit dem sie über den NK ihren tief empfundenen Dank für die Arbeit der Wormser Tafel ausdrücken möchte…


    VON ROBERT LEHR | Vera-Marie Neuß verbindet so einiges mit der Wormser Tafel! Nicht nur, dass die agile Seniorin bei der von Caritas und Diakonie gemeinsam getragenen Einrichtung zufriedene Kundin ist – auch ihren Lebensgefährten hat sie vor fünf Jahren dort in der Wallstraße kennengelernt. Er gehörte damals zu den Ehrenamtlichen, denen die Tafel auch heute noch ihren reibungslosen Ablauf und Service verdankt. 

    Doch heute will die gebürtige Wormserin herzlichen Dank sagen. Die 69-Jährige ist sich sicher, damit auch die Freude der anderen Kundinnen und Kunden für den Heim-Service mit Lebensmitteln und z.B. Hygieneartikeln auszudrücken, mit dem die Tafel seit ihrer coronabedingten Schließung am 16. März einen Teil der Bedürftigen versorgte. Auch Vera-Marie Neuß gehört dazu.

    „Ich hatte ein abwechslungsreiches Leben mit Höhen und Tiefen“, gibt Vera-Marie Neuß zu, „meinen letzten Beruf in der Altenpflege musste ich gesundheitsbedingt aufgeben“. Jetzt sei sie wegen ihrer kleinen Rente zum Einkauf bei der Tafel berechtigt, wobei sie angesichts der Schließung schon Bedenken hatte, „über die Runden zu kommen“. 

    Daher sei die erste Tafel-Lieferung mit einer Kiste lebensnotwendiger Dinge wie Lebensmitteln und Hygieneartikeln „eine tolle Überraschung“ gewesen. Vor Rührung habe sie fast geweint. Dabei sei es nicht nur der Inhalt der Lieferung gewesen, sondern auch die freundliche und zuvorkommende Art der Freiwilligen gewesen, die sie in den 16 Wochen alle 14 Tage besucht und versorgt hätten. „Ein Hoch auf diese tollen jungen Leute“, lobt Vera-Marie Neuß. 

    Solches Lob hören Elisabeth Steinmeyer und Jürgen Sehrt natürlich gerne. Hinter der Koordinatorin der Wormser Tafel und deren Geschäftsführer liegen 16 arbeitsreiche Wochen. Galt es doch einen Lieferservice zu organisieren, der die Versorgung vieler Kunden sicherstellen konnte. 

    „Während wir im März zwei Wochen komplett geschlossen hatten, galt es, schnellstens eine Alternative zu organisieren“, so Elisabeth Steinmeyer. „Mit maßgeblicher Hilfe des katholischen Dekanates hatten wir schließlich zwei Teams aus freiwilligen Schülern und Studenten zusammengestellt, die jeweils im 14-tägigen Abstand die besonders hilfebedürftigen Kunden bedienten“, ergänzt Jürgen Sehrt. Dazu hätten alle Menschen über 60 Jahren, Allerziehende sowie Familien mit mehr als fünf Kindern gezählt.

    So sind also vom festen Team der Ehrenamtlichen, die zum Teil selbst der Ü-60-Generation angehören, Kisten mit dem Notwendigsten vorbereitet worden. Diese wurden auf dem Festplatz an die Fahrer für die verschiedenen Routen verteilt und  dann unter Wahrung der geltenden Hygiene- und Abstandsregeln an die Kunden geliefert. In diesem Zusammenhang dankt Jürgen Sehrt der Stadtverwaltung für die unbürokratische Zurverfügungstellung der Kisselswiese.

    Herzlicher Dank an Spender
    So seien im besagten Zeitraum Lebensmittel für insgesamt 2.500 Personen ausgeliefert worden, so Steinmeyer. Dabei hätten die Betriebskosten der Tafel zuzüglich derer für die Einkäufe der Lebensmittel sich auf insgesamt 33.500 Euro belaufen, so Sehrt. In der Krise seien nämlich die
    Spenden der Supermärkte zurückgegangen, so dass man bestimmte Kontingente habe selbst kaufen müssen. 

    Dies sei finanziell besonders belastend gewesen, da die üblichen 2 Euro pro Tafel-Einkauf nicht erhoben wurden. Doch ein Spendenaufruf, der auch im NK veröffentlicht wurde, habe sehr große Resonanz gezeigt und die Situation deutlich entlastet. Daher geht der ausgesprochene Dank der beiden Tafel-Verantwortlichen an die zahlreichen Spender. 

    Auf die Zeit der Lieferungen blicken Steinmeyer und Sehrt trotz aller Herausforderungen zufrieden zurück. „Meine Kinder waren toll“ sagt Elisabeth Steinmeyer liebevoll über die jungen Helferinnen und Helfer – nicht nur, weil auch ihr Sohn unter ihnen war. „Die Freude, mit der alle bei der Arbeit gewesen seien, drückt sich ja auch im Dank von Frau Neuß aus“, unterstreicht die Koordinatorin. Für viele der jungen Menschen, die auf diesem Wege erstmals mit den problematischen Seiten des Lebens konfrontiert worden seien, habe die Arbeit aber „schöne und wichtige soziale Erlebnisse vermittelt“.   

    Mit diesen guten Erfahrungen im Rücken geht es jetzt aber für die Tafel-Verantwortlichen und ihr Team daran, zum Regelbetrieb zurückzukehren. 

    Regelbetrieb ab 7. Juli
    Der startet am Dienstag, dem 7. Juli, von 11 bis 14 Uhr. Um den Andrang zu entzerren, müssen die Kundinnen und Kunden an jeweils zwei bestimmten Tagen einkaufen. Auf ihrem Berechtigungsschein für den Einkauf findet sich ein „A“ für diejenigen, die dienstags von 11 bis 14 Uhr oder ein „B“ für die Gruppe, die freitags von 11 bis 14 Uhr die Tafel aufsuchen darf. Insgesamt werden derzeit ca. 2.000 Menschen in rd. 800 Haushalten von der Tafel versorgt.

    „Selbstverständlich gelten auch hier dann die aktuellen Abstands- und Hygieneregeln“, betont Sehrt, weswegen er mit langen Schlangen am Einlass rechnet. Eine weitere Herausforderung werde die Menge der Lebensmittel sein, die gespendet würden. „Bleiben die Supermärkte weiterhin so zurückhaltend, wird es problematisch“, gibt Steinmeyer zu. Die Tafeln hätten sich ja zwei Zielen verschrieben, so die Koordinatorin. „Wir wollen armen Menschen helfen und gleichzeitig Lebensmittel vor dem Müll retten!“. Daher wäre ein Einkauf regulärer Lebensmittel „sowohl finanziell nicht möglich als wie auch gegen unsere Grundsätze!“.

    Auch wenn jetzt der „normale“ Tafelbetrieb am Dienstag wieder startet, bleibt die größte Sorge die finanzielle und personelle Ausstattung. Zwar kämen pro Einkauf wieder 2 Euro in die Kasse, allerdings beliefen sich die monatlichen Betriebskosten alleine auf 6.000 Euro, erinnert Jürgen Sehrt. Von daher würde er sich über eine weiterhin großzügige Spendensituation freuen, „da unsere Armutsinitiative weiterhin darauf dringend angewiesen ist“.

    Spendenkonto Wormser Tafel e.V., Sparkasse Worms-Alzey-Ried, IBAN DE39 5535 0010 0021 2589 19, BIC MALADE51WOR Elisabeth Steinmeyer ist auch dankbar, wenn sich neue Ehrenamtliche finden, die sie unterstützen. Kontakt ist möglich unter Telefon 06241/9339911 oder E-Mail wormser-tafel@gmx.de

    … und über den sich Elisabeth Steinmeyer und Jürgen Sehrt im Namen ihrer Helferinnen und Helfer ganz herzlich freuen. Fotos: Robert Lehr

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