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  • Fr., 06. März 2020, 11:35 Uhr
    RÜCKBLICK UND AUSBLICK: Klinikum Worms informiert über Bauprojekte, Chefarztwechsel und finanzielle Entwicklung

    „Ein Jahr des großen Umbruches“

    VON INA POHL | „Wir sehen uns gegenüber dem Coronavirus gut aufgestellt“, läutete Prof. Dr. Jochen Blum, stellvertretender Ärztlicher Direktor des Klinikum Worms, das Pressegespräch am Dienstag ein. Das Klinikum Worms hat seit dem vergangenen Wochenende eine separate Diagnostik- und Untersuchungseinheit zur Abklärung von Erkältungskrankheiten und Atemwegsinfektionen – insbesondere vor dem Hintergrund einer möglichen Infektion mit dem neuartigen Virus – eingerichtet. Diese befindet sich zwar derzeit noch in Zelten vor dem Mutter-Kind-Zentrum, soll aber so schnell wie möglich in Container umziehen. „Bis jetzt haben sich unsere Maßnahmen bewährt, wir arbeiten aber natürlich immer weiter daran. Wir stehen in engem Austausch mit dem Robert-Koch-Institut und dem zuständigen Gesundheitsamt, um auf mögliche Änderung des Virus reagieren zu können“, erklärte Prof. Dr. Blum.

    In diesem Zusammenhang entschuldigte er auch Klinikum-Geschäftsführer Bernhard Büttner, der Aufgrund der aktuellen Ereignisse nicht an dem Pressegespräch teilnehmen konnte. „Er arbeitet derzeit weiter daran, die Maßnahmen und Pläne zu verfeinern.“ Neben dem Thema Coronavirus gab es einen umfassenden Rückblick und Ausblick über Bauprojekte, Spezialisierungen und Chefarztwechsel.

    Rückblick und Ausblick

    „Eine Spezialisierung bei Kliniken ist immer wichtiger. Es geht darum Kompetenzzentren für verschiedene medizinische Bereiche zu schaffen. Da müssen wir in Worms natürlich auch schauen, dass wir uns entsprechend aufstellen“, erklärte Dr. Eva Ehmke, Pressesprecherin des Klinikum Worms, stellvertretend für Bernhard Büttner. In der Vergangenheit habe man schon viel geschafft, so wurde beispielsweise im vergangenen Jahr das Adipositaszentrum ins Leben gerufen oder das Darmzentrum erstzertifiziert. „Auch in diesem Jahr sind einige Zertifizierungen dazu gekommen. Zum Beispiel wurde jüngst auch unser Endoprothetikzentrum, also unser Zentrum für Gelenkersatz, anerkannt“, so Dr. Ehmke.

    Jahr des großen Umbruches
    In den Jahren 2020/21 stehen im Wormser Klinikum einige Wechsel im Chefarztbereich an. Bereits im letzten Jahr wurde Prof. Dr. Karlheinz Beckh, Leiter der Medizinischen Klinik II, in den Ruhestand verabschiedet. Sein Nachfolger, Prof. Dr. Tim Zimmermann, der nun die ersten Tage im Amt ist, sei sehr engagiert und bringe viele neue Dinge mit, so Dr. Ehmke. „Das ist das Jahr des großen Umbruches. Gleich drei Kollegen gehen zeitnah in den Ruhestand“, erklärte die Pressesprecherin. Prof. Dr. Frank Thömke, Leiter Fachbereich Neurologie, und Dr. Jürgen Adolph, Chefarzt der Radiologie, verlassen Ende 2020 das Wormser Klinikum. „Im April 2021 wird auch der Leiter der Kinderklinik, Prof. Dr. Heino Skopnik, in den wohlverdienten Ruhestand gehen. Wir suchen schon fleißig einen Nachfolger und sind sehr sicher, dass wir bald fündig werden“, erzählte Eva Ehmke.

    Neubau der Intensivstation
    Auch baulich will sich das Wormser Klinikum weiterentwickeln. So ist ein Neubau der Intensivstation geplant, das Ministerium habe bereits weitere Betten zugesprochen. „Momentan liegt der Antrag noch beim Ministerium, sobald sich Entwicklungen ergeben, werden wir natürlich darüber informieren.“ Auch im Bereich der Endoskopie möchte sich das Klinikum breiter aufstellen. „Prof. Dr. Zimmermann bringt in diesem Bereich eine hohe Expertise mit. Aktuell sind wir hier ebenfalls im Gespräch mit dem Ministerium“, informierte Eva Ehmke.
    Auch beim Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) gibt es Neuigkeiten: Mitte letzten Jahres wurde eine gynäkologische Fachpraxis in Worms erworben, die nun das MVZ erweitert. Man wolle damit die medizinische Versorgung langfristig sichern und das Leistungsangebot weiter ausbauen.
    Am 1. April soll außerdem eine Praxis für Innere Medizin in Alzey für das MVZ übernommen werden. „Des Weiteren haben wir unsere Radiologie neu gestaltet, damit wir für unsere Patienten eine angenehme Atmosphäre schaffen und ihnen einen Mehrwert bieten können“, erläuterte Dr. Ehmke.

    Interne Prozessoptimierung
    Auch intern gab es im Wormser Klinikum verschiedene Prozessoptimierungen, damit einzelne Verfahren effizienter gestaltet werden können. Ein großes Projekt dabei war die Krankenhauslogistik. Wichtig für das Klinikum sei auch das Thema Digitalisierung, so Ehmke. Bereits im letzten Jahr habe man ein großes Digitalisierungsprojekt gestartet um hier verschiedene Prozesse zu optimieren: „Wir haben schon viele Bereiche, die digital eingespeist werden, aber noch nicht alle. Das sind teilweise sehr komplexe Abläufe. Natürlich muss man dabei auch die neuen Richtlinien der Datenschutz-Grundverordnung beachten.“
    Das Thema digitale Patientenakte werde das Krankenhaus die nächsten Jahre intensiv beschäftigen, so Dr. Ehmke weiter. Auch im Social Media Bereich hat sich seit diesem Jahr etwas getan: „Wir leben in einem Zeitalter des Fachkräftemangels, die Frage ist natürlich wie man diesem entgegenwirkt. Wir wollen mit Social Media weitere Menschen erreichen“, so die Sprecherin. Es sei generell wichtig, die Lücke des Fachkräftemangels zu schließen und als Arbeitgeber attraktiv zu sein.

    Großbaustelle Mutter-Kind-Zentrum
    Ein weiteres großes und für das Klinikum ärgerliches Thema ist die aktuelle Kaltwasserproblematik im Neubau des Mutter-Kind-Zentrums. „Leider gibt es noch keine neuen Erkenntnisse, wir warten weiterhin auf ein schriftliches Gutachten und haben ein zweites beauftragt. Zum aktuellen Zeitpunkt gehen wir davon aus, dass ein gerichtliches Beweisverfahren unumgänglich ist“, erläuterte Dr. Ehmke. Für alle Beteiligten sei es ärgerlich, dass die geplanten Umzüge aus der Frauen- und Kinderklinik in das Mutter-Kind-Zentrum nicht stattfinden können. „Wir haben mit diesem Platzangebot geplant, dass wirft uns wirklich zurück.“

    Zukünftige finanzielle Entwicklung
    „Aufgrund der gesetzlichen Vorgaben haben auch wir rückläufige Erlöse, das betrifft aber alle Krankenhäuser in Rheinland-Pfalz. Wir gehen von einer geringen Gewinnerwartung für das laufende Jahr aus“, erklärte Dr. Ehmke. Dennoch freue man sich, dass das Wormser Klinikum auch im Jahr 2019 schwarze Zahlen geschrieben habe.
    „Wir haben den Vorteil, dass wir als großes Haus mit unseren Spezialisierungen und Kompetenzzentren breit aufgestellt sind. Wir können den Patienten ein hohes medizinisches Niveau bieten“, führte sie aus. Dennoch sei es eine große Herausforderung, bei den gegebenen Rahmenbedingungen wirtschaftlich zu agieren. „Herrn Büttner war es an dieser Stelle sehr wichtig, sich bei allen Mitarbeitern, Spendern und der Wormser Bevölkerung für die tolle Unterstützung zu bedanken“.

    „Medizin ist immer im Fluss“
    „Das Wormser Klinikum gehört zu den 50 größten Kliniken in Deutschland. Wir sind Worms zu einer guten Gesamtversorgung verpflichtet und bestrebt , uns weiter zu entwickeln. Medizin ist immer im Fluss“, begann Prof. Dr. Jochen Blum den medizinischen Teil des Pressegespräches.
    Das Klinikum sei bemüht neue Bereiche zu entwickeln und bereits bestehende weiter zu vertiefen. In diesem Zusammenhang griff er noch einmal das Thema Endoprothetikzentrum auf.
    „Die Endoprothetik gibt es schon sehr lange, hat aber in den letzten 40 Jahren eine enorme Entwicklung erfahren.

    Mehr Sicherheit bieten
    Das Endoprothesenzentrum stellt eigentlich einen Algorithmus von Verfahrensteilen dar, um mehr Sicherheit zu bieten und auch möglichst zügig Menschen wieder gehfähig zu machen, wenn es um die Hüfte oder das Knie geht“, führte Prof. Dr. Blum aus.
    „Ein anderes Thema sind die Schulterprothesen. Diesen Bereich haben wir in den letzten Jahren erheblich weiterentwickelt“, informierte Prof. Dr. Blum. Das Wormser Klinikum behandele auch eine relativ hohe Zahl an „Nicht-Wormsern“ auf diesem Gebiet.
    Auch wenn die Zertifizierung solch eines Zentrums sehr aufwändig sei, sehe das Wormser Klinikum einen großen Mehrwert für seine Patienten darin. Gerade im Bereich der Schulterprothetik läuft ein Sonderprojekt zusammen mit dem Wormser Gesundheitsnetz (WoGe), wobei mit den Wormser Allgemeinmedizinern die Vor- und Nachbereitung abgestimmt wird.
    Außerdem erklärte Prof. Dr. Blum, dass das Klinikum kurz vor der Vollendung eines AltersTraumaZentrums stehe, dass die Behandlung alter Menschen gemeinsam mit der Geriatrie optimieren soll. Durch den Chefarztwechsel mit Prof. Dr. Zimmermann könne man auch den Bereich des Magen-, Darm- und Lebertraktes deutlich ausbauen.

    „Eigene Fachkräfte reichen nicht aus“
    Zum Abschluss des Pressegespräches informierte Hiltrud Tillmann, stellvertretende Pflegedirektorin, über den Bereich der Pflege: „2020 wurde die Ausbildung für Fachpflegekräfte neu geregelt. Theoretisch können Alten-, Kranken- und Kinderpfleger ihre Ausbildung zusammen beginnen. Der Ausbildungsansatz hat sich verändert.“
    Auch das Wormser Klinikum habe derzeit das Problem, geeignete Bewerber zu finden.
    „Wir müssen das Interesse an Pflegeberufen wecken, daher bieten wir auch Schnuppertage und Praktika an“, so Tillmann.
    Auch sie kam noch einmal auf den Fachkräftemangel zu sprechen: „Derzeit suchen wir auch im Ausland Pflegepersonal, da unsere eigenen Fachkräfte nicht ausreichen.

     

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