SPD stellt Prüfantrag zur Suche nach einem geeignetem Gebäude / Projekt „Grüne Schiene“ gibt Mittel frei
Ein Jugendzentrum für Worms - eine 30-jährige Odyssee
Als neue Variante wird die sogenannte „Fruchthalle“ diskutiert, die sich im Besitz der städtischen Wohnungsbau GmbH befindet. Foto: Gernot Kirch
Von Gernot Kirch Seit über 30 Jahren geistert der Wunsch nach einem „Jugendzentrum“ durch die Wormser Presse und Öffentlichkeit. Passiert ist bis heute aber nichts, keines der Vorhaben konnte realisiert werden. Das Nachsehen hatten stets die Jugendlichen, dies sich vergeblich engagierten. Dem interessierten Beobachter drängt sich dabei der Eindruck auf, mit ganz großer Vehemenz wird das Anliegen im Rat auch nicht verfolgt. Denn während für andere Dinge, wie etwa das Nibelungenmuseum, Finanzmittel zur Verfügung standen, blieb das Jugendzentrum ein Wunschgebilde. Ein großes Thema war ein solches Zentrum übrigens im Oberbürgermeisterwahlkampf 2003. Doch auch damals verpufften alle Überlegungen ergebnislos.
Neuer Anlauf im Stadtrat
Am vergangenen Mittwoch wurde im Wormser Stadtrat ein neuer Anlauf zur Realisierung unternommen. Die SPD-Fraktion stellte einen Prüfantrag an die Verwaltung, um potentielle Räumlichkeiten unter die Lupe zu nehmen.
Der SPD-Fraktionsvorsitzende Timo Horst räumte ein, dass das Thema nicht neu sei, es jetzt aber durch das Programm „Grüne Schiene“ im Bahnhofsumfeld gute Voraussetzungen zur Finanzierung gebe. Der SPD-Landtagsabgeordnete Jens Guth ergänzte, dass die jetzt frei werdende Güterhalle aus finanziellen Gründen leider nicht zur Verfügung stehe, da sich in der Halle ein Strommast der Bahn befände. Allerdings biete sich mit der unweit gelegenen „Fruchthalle“, die sich im Besitz der städtischen Wohnungsbau GmbH befindet, eine andere Möglichkeit. Die Fruchthalle wird nicht mehr benutzt.
Oberbürgermeister Michael Kissel ergänzte hier, dass sich die Suche nach geeigneten Räumlichkeiten auf den Bereich des Gebietes „Grüne Schiene“ beschränken sollte. Wichtig sei auch, dass ein Jugendzentrum mit öffentlichen Verkehrsmittel erreichbar sein solle.
Wer oder was ist die Jugend?
Als Problem bei der Suche nach einem Jugendzentrum entpuppt sich immer wieder die Frage: „Welche Interessen hat die Jugend und wer ist eigentlich die Jugend?“ Die Sozialdemokraten schreiben dazu in ihrem Antrag: „Man kann in der heutigen Zeit nicht von der Jugend als einheitlicher Gruppe sprechen, sondern hier gibt es unterschiedliche Interessen und Vorlieben, was Musikgeschmack, sportliche Aktivitäten und Freizeitgestaltungen im Allgemeinen betrifft.“ Daher schlagen die Genossen vor, ein Jugendzentrum zu kreieren, welches einen multifunktionalen Charakter hat und in mehrere Räume unterteilt werden kann.
Alter Hut
Marion Hartmann (CDU) bezeichnete den Vorschlag der Genossen als „alten Hut“, denn er biete wenig Neues, gleichwohl sei er sinnvoll. Ihr Parteikollege Dr. Klaus Karlin rückte die Jugendarbeit in den vielen Vereinen in den Fokus, die ein hervorragende Arbeit leisteten.
Richard Grünewald (Grüne) betonte, dass das neue Jugendzentrum die Aktivitäten des jetzigen „Hauses der Jugend“ mit einbinden müsse, denn dieses Gebäude in der Würdtweinstraße 11 sei reparaturbedürftig und könne nicht mehr lange genutzt werden. Sein Parteikollege David Hilzendegen legte Wert darauf, dass das Jugendparlament in die Überlegungen mit einbezogen werde.
Nichts geliefert
Sebastian Knopf (Linke) stellte das ganze Prozedere der Prüfanträge in Frage und merkte an, dass der Stadtrat in den vergangenen Jahren sehr viele dieser Prüfaufträge an die Verwaltung gestellt habe. Ihn würde einmal die genau Anzahl interessieren und was aus ihnen geworden sei?
Karl Müller (FWG) sagte kurz und knapp, dass der Antrag der Genossen eine Hinhaltetaktik gegenüber der Jugend sei. Die SPD habe mit dem Thema schon unzählige Wahlkämpfe gefüllt, ohne zu liefern.