HÖCHST: Patti Smith begeistert ihre alten und neuen Fans in der Jahrhunderthalle
Ein Konzerterlebnis wie man es sich wünscht!
Patti Smith begeisterte ihre Fans in der Jahrhunderthalle Höchst. Foto: Rudolf Uhrig
Von Rudolf Uhrig > Es ist Sonntagabend, die Sonne verabschiedet sich mit gleißendem Licht, die Jahrhunderthalle ist mit 4.000 Besuchern sehr gut gefüllt. Patti Smith wird an diesem Abend mit 2-jähriger pandemiebedingter Verspätung auftreten. Aus den Membranen der wuchtigen Lautprecher dringt „einhämmernd“ der mittlerweile zum „Immateriellen Kulturerbe“ gewordene Reggae. Gute Laune-Musik eben. Aber 20 Minuten lang, denn so lange lässt die 75-jährige New Yorkerin auf sich warten. Dann plötzlich geht es schnell: die Musik wird ausgeblendet, die „Very Lights“ fahren auf ihre Positionen, der Roadmanager gibt per Taschenlampen-Blicklicht das Zeichen. Bedächtigen Schrittes betritt sie die Bühne, ein kleiner Kabelkanal muss überwunden werden, dann schaut sie prüfend, fast schüchtern ins Rund der Jahrhunderthalle. Sie lächelt und winkt, das Publikum begrüßt die Ikone herzlich. Aus ihrem grau-weißen Haar blitzen gebundene Zöpfe hervor. Wie vieles bei Patti Smith, eines ihrer „Markenzeichen“.
Rechts von ihr greift Kenny Kaye in die Saiten seiner Gitarre. 75-Jährig ebenfalls – und Weggefährte seit den 70er Jahren, wo Smith noch Rezitationen in New Yorker-Clubs vortrug. Dahinter, mit lustigem Hut, am Schlagzeug Jay Dee Daugherty, Tony Shanahan an Gitarre und Keyboard und Jackson Smith, Pattis Sohn, an der Gitarre. Das Dylan-Cover „Wicked Messenger“ darf nicht fehlen, ebenso nicht „Dancing Barefoot“ und „Grateful“. „Footnotes to Howl“, Smith Hommage an Allen Ginsberg, die Rezitation eines wundervollen Gedichts ist ruhig, da ist sie: die Poetin. Und dann ist Smith wieder voll in ihrem Element, ihr Furor bricht durch.
Ihre Stimme ist immer noch fest und klar und am Ende eines grandiosen Konzerts kommt er, einer ihrer Superhits: „Because The Night“ einfach wunderbar. War da nicht noch einer, ein großer Hit: „Gloria“. „Jesus …“ halt es im Rund und das Publikum stimmt bereitwillig ein: „ … died for somebody’s sins but not mine.“ Sie hat Musikgeschichte geschrieben; 75 Jahre ist sie… kommt sie wieder?