Fr., 04.09.2026
Die Gratiszeitung für Worms und das Nibelungenland
  • Startseite
  • Sport
  • Termine
  • Stellenmarkt
  • Do., 20. April 2023, 10:25 Uhr
    Worms: Stadtrat verleiht Ilse Lang das Ehrenbürgerrecht

    Ein Lebenswerk der Hilfsbereitschaft

    Ilse Lang reiht sich mit dieser Würdigung in eine mehr als 150 Jahre zurückreichende Liste von Ehrenbürgern der Stadt Worms ein. Foto: Rudolf Uhrig


    Von Rudolf Uhrig > Michael Kundel, der Vorstandsvorsitzende und CEO von RENOLIT SE beugte sich tief herunter, um die kleine Dame zu umarmen und um ihr zu gratulieren. Dass die Umarmung von Herzen kommt und auch der kurze freundschaftliche Gedankenaustausch der beiden, darf als gesichert gelten. Denn der Vater von Ilse Lang, Jakob Müller, gründete die Renolit-Werke vor nunmehr 77 Jahren. Umarmungen, Blumen und Glückwünsche gab es am Mittwochabend im Mozartsaal des Kultur- und Tageszentrums noch viele für Ilse Lang, denn der Stadtrat hatte zu einer Sondersitzung eingeladen, deren einziger Tagesordnungspunkt die Verleihung des Ehrenbürgerrechts an Ilse Lang war. Die Zustimmung galt im Vorfeld als sicher und so waren auch viele Ehrengäste und Bürger zugegen.

    Den Schlussakkord des feierlichen Abends setzte die Big Band des Gauß-Gymnasiums unter der Leitung von Martin Holl, unter anderem mit dem Wunschlied der Geehrten „My Way“ von Frank Sinatra. Und so heißt es treffend in den Liedzeilen von Ol‘ Blue Eyes: „Ich habe gelebt, ein Leben, das voll ist, ich bereiste jede einzelne Autobahn und mehr, viel mehr als das, ich tat es auf meine Art!“ Und genau das waren die ausschlaggebenden Gründe für den Wormser Stadtrat, der nunmehr 84-jährigen Mäzenin diese hohe Auszeichnung zu Teil werden zu lassen: für ihren Weg Gutes zu tun und vielen, vielen Menschen zu helfen. Darauf ging Oberbürgermeister Adolf Kessel in seiner Ansprache ein. 1938 in Kirn geboren kam die Familie in das vom Krieg gezeichnete und in Trümmern liegende Worms. Hier gründete sie ihre Familie. Aber im Jahre 2000 erlitt die Mutter von drei Kindern einen schweren Schicksalsschlag. Ihre damals 30-jährige Tochter Alexandra starb. Dies nahm Ilse Lang zum Anlass, die „Alexandra-Lang-Stiftung für Patientenrechte“ zu gründen, die Menschen hilft, die ebensolche schmerzlichen Erfahrungen durch ärztliche Behandlungsfehler erleben. Daraus erwuchs ein Lebenswerk der Hilfsbereitschaft und des Mäzenentums. Über die lange, lange Liste der Projekte und Leistungen gingen Oberbürgermeister Adolf Kessel sowie später Dr. Klaus Karlin, der für die Fraktionen des Stadtrates sprach, ein.

    „Diszipliniert, Bescheidenheit und großes Herz“

    So ist Ilse Lang im Kuratorium der Nibelungenfestspiele aktiv, sie unterstützt die Lucie-Kölsch-Musikschule, die Big Band des Gauß-Gymnasiums, die Sportclubs Bürgerweide, Grün-Weiß, die Wormatia, Trappenberg, die SG Eintracht Herrnsheim, den TV Leiselheim, die Jugendkunstakademie. Ihr Engagement geht aber weit darüber hinaus, denn mit der Andreasstift-Sanierung war ihr ein weiteres Projekt ans Herz gewachsen. 13 Jahre lang begleitete sie dieses, insofern beinhaltet auch das Inlet der Verleihungsurkunden-Mappe eine Zeichnung des Innenhofes des Andreasstifts, das der Wormser Künstler Klaus Krier schuf. Die Gründung der „Alexandra-Lang-Initiative Schüler und Arbeitswelt“ ist das tiefgreifendste Werk von Ilse Lang. Es ermöglicht Kindern gleiche Bildungschancen und somit gute Lebensbedingungen zu erreichen. ”Sichtbare Zeichen sind in Worms und Kirn die Alisa-Zentren. Es sind Orte des Wohlfühlens, wo Vielseitigkeit, Zusammengehörigkeit, Toleranz, Höflichkeit und Empathie vermittelt werden“, so Kessel. Insofern gipfelten auch die Beschreibungen ihrer Tugenden durch den Oberbürgermeister in: „Diszipliniert, Bescheidenheit und großes Herz“! Attribute, die Karlin auch verstärkte: „Wir gehen mit der Vergabe des Ehrenrings, den Ilse Lang 2017 erhielt, sehr sparsam um, noch viel sparsamer und bedachter mit der Verleihung der Ehrenbürgerrechte. So wurden in Worms seit Kriegsende nur drei vergeben, Ilse Lang, als erste Frau, ist die Vierte. Die letzte Verleihung fand vor 28 Jahren statt. Sie leben und arbeiten nach dem Motto: `Doch das geht… und das machen wir jetzt hier und heute öffentlich und offiziell!`“

    „Ilse Lang und die Freiheit“

    Die Ansprache von Prof. Dr. Karl-Rudolf Korte stand unter der Überschrift: „Ilse Lang und die Freiheit“. „Ilse Lang würde eine Mauer bauen, aber auch einreisen können. Diese Metapher passt sehr gut ins Bild, denn sie hat Grenzerfahrungen gemacht“. Korte umschrieb Lang in seiner „Grammatik der Freiheit“ als „Partipations-Lotsin“, als „Möglichkeitsmacherin“, eben um die Stadt für Menschen schöner zu machen, um ihnen im öffentlichen Raum Aufenthaltsmöglichkeiten zu geben, eine urbane Zivilität zu erreichen. Als eine „nachholende Feministen“ um auch das Rollenbild „Küche und Kinder“ zu verkehren und eine Selbstbefreiung der Frau gegen das Männer dominierende Patriarchat zu erreichen. Und als „energiegeladene Wutbürgerin“, als Rebellin, die sich erhebt, immer auf dem Sprung, und nicht nur weil sie in jungen Jahren Motorrad fuhr und als Fallschirmspringern vom Himmel schwebte.

    [ngg src="galleries" ids="2670" display="basic_thumbnail" thumbnail_crop="0"]

    Beitrag aus der Rubrik

    » Worms und Ortsteile
    Anzeige Reifen Mast KN10123Anzeige Platten NOLLAnzeige Online StellenmarktAnzeige VHS
    Anzeige das WormserAnzeige Klinikum Worms - Tag der offenen TürAnzeige Cecil Cycle KN18256
    Anzeige TicketshopAnzeige Tip SüdhessenAnzeige Amtsblatt