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  • So., 29. September 2013, 22:42 Uhr
    Erhellende Nachtbilder von Mathias Otto gibt es derzeit beim Kunstverein Worms noch bis zum 27. Oktober zu sehen

    Ein „moderner Romantiker“ und die Elektrifizierung

    Auch Helmut Weber zeigte sich sehr angetan von der Detailverliebtheit des Nürnberger Künstlers. Foto: Robert Lehr


    VON ROBERT LEHR „Um Dunkles so detailliert malen zu können, braucht man viel Licht“, so Mathias Otto am Rande der Ausstellungseröffnung seiner Werke am Sonntagnachmittag im Kunstverein Worms. Seine Aquarellbilder nächtlicher Motive sind noch bis zum 6. November zu sehen und luden schon bei der Vernissage zu allerlei Interpretationen ein.

    Dabei schienen die Bilder, die fast durchgängig „allnächtliches“ darstellen, mit ihrem dunklen Grundton schon optisch perfekt in das klinisch weiße Ambiente in der Renzstraße 5-7 nahe des Wormser Hauptbahnhofes zu passen.

    Seit rund 15 Jahren habe er sich diesem Sujet verschrieben, gibt er zu, und seitdem nur selten Tageslicht-Motive realisiert. Eines davon ist „Winter im Knoblauchsland“ und zeugt auch in der Wormser Schau von dem großen technischen Können des 1958 in Nürnberg geborenen Kommunikationsdesigners.

    Alte Tradition modern interpretiert
    Er sei ein „moderner Romantiker“, charakterisierte Dr. Dietmar Schuth den mehrfach preisgekrönten Künstler. Nächtliche Motive hätten schon immer eine besondere Rolle in der Malerei gespielt und daher folge Otto mit seinen fotorealistischen Arbeiten einer Tradition von Caravaggio bis hin zu Edward Hopper.

    Dabei sei es heute in erster Linie die Elektrifizierung, die der Nacht ihre pechschwarze Finsternis genommen und sowohl Malern wie Fotografen neue Anreize geschaffen habe, so der Kunsthistoriker. Die nehme Otto auf und bilde „Allnachtssituationen“ im fahlen Licht einer Neonreklame oder der Straßenbeleuchtung ab, wies der künstlerische Leiter des Kunstvereines auf die grundlegenden Stimmungen von Ottos Bildern hin.

    Die zeigen Straßenkreuzungen, Bushaltestellen, Kläranlagen, Hinterhöfe oder Kakteen im Fenster so realistisch, dass erst der genaue Blick zeigt, dass es sich bei den Werken nicht um Fotografien handelt. Seine Motive, so der Künstler, finde er u.a. vor der Haustüre, halte sie auf Fotografien fest und kombiniere diese dann zu seinen Bildern. Dabei strotzen die Bilder meist vor scheinbarer Trivialität, doch versteht es Otto wie bei dem Bild "M" in Anlehnung an den Film "M – Eine Stadt sucht einen Mörder"  durch den Ball auf der Straße die Assoziationen der Betrachter zu wecken.

    Was den zahlreichen Besuchern der Eröffnung auffiel, war zum einen die düster anmutende Atmosphäre der Bilder, aber auch die Detailverliebtheit des Künstlers. Die artikuliert sich bei der „Treppe zur Bushaltestelle“ in den Fußspuren im Schnee ebenso wie bei der „Barbierstraße“ mit dem Aufkleber auf dem Parkverbotsschild.

    Die Ausstellung ist noch bis zum bis 27. Oktober mittwochs von 18 bis 20 Uhr sowie samstags und sonntags von 15 bis 18 Uhr in den Räumen des Kunstvereines Worms e.V. in der Renzstraße 57 zu sehen. Nähere Informationen unter www.kunstverein-worms.de

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