
Nachdem Jessica Keller (TG Worms) vor zwei Wochen beim Leininger Crosslauf in Grünstadt die 6,8 Kilometer im Neuschnee in einer starken Zeit gewann, war ihre aufsteigende Form abzusehen. Dieses Wochenende in Rodgau-Jügesheim erwischte die Wormser Mittelstreckenläuferin dann ihren Sahnetag: Unter Top-Laufbedingungen, einer schnellen, vermessenen 10 Kilometer-Strecke und starker Konkurrenz konnte Jessica ihr volles Potential abrufen. Direkt nach dem Start mit 410 Läufern fand sie sich in einer fünfköpfigen Männergruppe wieder, mit der sie die ersten fünf Kilometer in konstanten Kilometerzeiten von 3:30min/km absolvierte. Dann setzte sich ein Läufer ab und Jessica ergriff ihre Chance und blieb direkt an seinen Fersen. „Eigentlich war mir sein Lauftempo etwas zu schnell, aber ich wusste, dass wenn ich ihn losziehen lasse, ich die restlichen Kilometer alleine bestreiten muss. Also hieß es nun Zähne zusammenbeißen und durchziehen“, erzählt die 21-Jährige. Zu zweit sammelten sie dann peu à peu ein paar Läufer ein und überholten auch die dritte, dann die zweite Frau des Gesamtfeldes. „Bei Kilometer acht habe ich dann auf meine Uhr geschaut und gemerkt, dass ich auf jeden Fall mein Ziel von unter 36 Minuten erreichen würde, selbst wenn ich die Pace nicht mehr so hochhalten kann“, verriet Jessica. Doch stattdessen, gepushed von der guten Zwischenzeit, beschleunigte sie nochmals auf 3:20min/km (18km/h) und rannte in einer Zeit von 34:54 Minuten als zweite Frau ins Ziel. „Ich hätte niemals erwartet meine Bestleistung heute um über eine Minute zu verbessern!“, freute sich die Wirtschaftsmathematik-Studentin, die an dem Tag morgens noch ihr letzte Mathematikklausur für ihren Bachelor geschrieben hatte.