Fr., 09.10.2026
Die Gratiszeitung für Worms und das Nibelungenland
  • Startseite
  • Sport
  • Termine
  • Stellenmarkt
  • Fr., 31. Mai 2019, 10:30 Uhr
    Nibelungenschauspieler Alexander Simon und Lisa Hrdina im Interview mit dem NK

    Ein tragischer Held und ein Kind ohne Anfang

    Alexander Simon erzählte von seiner Vergangenheit mit dem Nibelungenstoff und seiner Vorfreude auf die Rolle des Siegfrieds. Foto: Ina Pohl


    Von Leonie Ahlert | Die Proben für Thomas Melles Stück „Überwältigung“ haben offiziell begonnen, die Vorbereitungen für die Nibelungen-Festspiele 2019 sind in vollem Gange und der Vorverkauf ist sehr erfolgreich, denn bereits 80 Prozent der Tickets sind verkauft. Doch nicht nur die gespannten Besucher haben Grund zur Vorfreude, auch die Darsteller und Veranstalter können es kaum noch erwarten. Der Nibelungen Kurier traf sich diese Woche mit den Schauspielern Alexander Simon, Siegfried, und Lisa Hrdina, Ortlieb, zum Gespräch über die bevorstehende Aufführung, den Nibelungenstoff und der Kulisse Worms.

    Alexander Simon kommt ursprünglich aus der Nähe. 1968 an der Bergstraße geboren, verschlug es ihn schon zu einigen renommierten Theatern Deutschlands. Jetzt ist er in Worms um in die Rolle des Helden Siegfrieds zu schlüpfen. Ausgesucht habe er sich die Rolle nicht, verrät er dem Nibelungen Kurier in einem Interview. „Als mir die Rolle angeboten wurde war ich zunächst ziemlich irritiert“, schmunzelt Simon, „ich bin nicht mehr 28 und hatte da erst eine andere Vorstellung, aber als Lilja Rupprecht mir mehr davon erzählt hatte und vor allem als ich diesen tollen Text gelesen habe, dachte ich sofort: ja! Das macht Spaß!“ Thomas Melle habe da wirklich etwas sehr besonderes geschaffen, sagt er, der Text sei teilweise shakespearehaft und total passend für den Ort und die Gegebenheiten.

    Mit den Nibelungen bekannt

    Mit der Thematik der Nibelungen ist er bereits bekannt. Vor einigen Jahren hat er die Figur des Wotans in Wagners „Ring der Nibelungen“ am Thalia Theater in Hamburg gespielt und auch an einer Inszenierung von Hebbels „Die Nibelungen“ war er beteiligt. Den Siegfried möchte er auf seine ganz persönliche Weise interpretieren. „Was ich sehr mag ist das Spiel mit Projektionsflächen“, erzählt Alexander Simon. „Alle projizieren alles hinein in die Einzelperson des Siegfrieds. Siegfried steht für den Heilsbringer am Anfang und jeder projiziert seine Hoffnungen auf ihn, das kann er natürlich nicht überleben. So hohe Erwartungen kann kein Mensch überleben.“

    Open Air habe er während der Schauspielschule einmal gespielt, das sei jedoch schon lange her. Auf einer so besonderen Bühne, wie in Worms habe er jedoch noch nie gestanden. Von jeglichen Einflüssen der Nibelungenstadt ist er noch gänzlich frei. „Auch wenn Worms tatsächlich recht nah an meiner Heimat an der Bergstraße liegt, war ich in meiner Jugend nie hier“, sagt er. „Ich bin gespannt, welche Eindrücke sich hier sammeln werden.“ Auf die Frage nach seiner Lieblingsfigur aus der Nibelungensage zwinkert er lächelnd in die Runde: „Der Siegfried natürlich.“

    Ein radikaler Schnitt

    Lisa Hrdinas Wunsch erneut mit Lilja Rupprecht zu arbeiten kam nach einer Inszenierung am Deutschen Theater in ihrer Heimatstadt Berlin auf. Als sie den Stoff zu „Überwältigung“ las, war sie sofort begeistert. Sie interpretiert die Rolle des Sohnes von Kriemhild und Etzel: den fünfjährigen Ortlieb. „Was mich besonders an diesem Charakter fasziniert hat ist seine Entwicklung. Er macht einen radikalen Schnitt: die Alten müssen weg und jetzt kommen wir Jungen“, erzählt sie dem Nibelungen Kurier. „Ich finde Gewalt ist kein probates Mittel, aber ich finde es geil, dass Ortlieb so extrem ist.“ Die Figur ist in Melles Werk moderner denn je, auch für die heutige Generation.

    Das erste Mal in Worms, das zweite Mal bei Regisseurin Lilja Rupprecht: Lisa Hrdina bricht mit ihrer Interpretation des Ortliebs die Genderrollen und bringt neuen Wind in die alte Nibelungensage. Foto: Ina Pohl


    Es sei nicht schwer gewesen, sich über die Genderrollen hinweg zu setzten, sie empfinde das alles eher als Befreiung von Frauenrollen allgemein. „Der ganze Genderscheiß ist durch solche Besetzungen ganz weit weg von mir und ich muss mir da keine Gedanken drüber machen, da ist alles möglich“, lächelt sie. „Ich bin ein kleiner Junge, das kann ich ja realistisch gar nicht spielen und das macht das Ganze so richtig interessant.“

    Finale Darstellung wird sich noch ergeben

    Wie sie den Ortlieb letztlich spielen wird, weiß sie noch nicht. „Durch den Text ist schon etwas vorgegeben und ich habe da auch schon ein Gefühl zu, aber durch die gemeinsamen Proben und die Arbeit mit den anderen Schauspielern wird sich die finale Darstellung noch ergeben.“ Die Arbeit sei immer persönlich, egal was man spielt, aber auf die Aufführung in Worms freue sie sich besonders. In der Nibelungenstadt selbst ist auch sie noch nie zuvor gewesen. „Gestern bin ich von Pfiffligheim bis zum Rhein gelaufen und war total begeistert, wie schön man da sitzen kann“, schwärmt sie, „da hat man schon richtig Vorfreude auf den Sommer und auch die Zeit außerhalb der Aufführungen.“

    Wird Siegfried in Thomas Melles „Überwältigung“ zurück ins Leben finden? Und bekommt Ortlieb seinen neuen Anfang? Das können die Zuschauer auf der Bühne vor dem Dom vom 12. bis zum 28. Juli sehen. Eins ist sicher: Man darf gespannt bleiben.

    Beitrag aus der Rubrik

    » Worms und Ortsteile
    Anzeige Reifen Mast KN10123Anzeige Platten NOLLAnzeige Online StellenmarktAnzeige VHS
    Anzeige TicketshopAnzeige Cecil Cycle KN18256Anzeige das Wormser
    Anzeige Tip SüdhessenAnzeige AmtsblattAnzeige 3 Füller 1