Caritas-Kurs für Grundschulkinder in der Spiel- und Lernstube im Nordend gefördert vom Rotary Club Worms-Nibelungen machte nicht nur Sinn, sondern auch Spaß
Ein verliebter Dino und soziale Kompetenz
Trainer Johannes Greif, Caritasmitarbeiterin Daniela Weber und sieben der teilnehmenden acht Kinder beim Abschluss des Trainings mit ihren Urkunden.
Mit Grundschulkindern über Selbstwert, Gefühle, den Umgang mit Wut oder Angst reden? Sind das nicht abgehobene Erwartungen, die an den Interessen von 7-10-jährigen total vorbeigehen? Weit gefehlt! Ein Kurs des Caritasverbandes im Wormser Nordend, gefördert vom Rotary Club Worms-Nibelungen, zeigt: Soziale Kompetenz macht nicht nur Sinn, sondern auch Spaß. „Woran merkt ihr denn Angst im Körper?“, fragt Trainer Johannes Greif. Fast alle Kinder melden sich sofort. Aber die richtigen Worte finden sich nicht so einfach. „...er fühlt sich halt ängstlich an...“ sagt jemand. ...der Bauch grummelt...“ Die siebenjährige J. steht auf und geht mit hochgezogenen Schultern durch den Raum. „Wenn ich Angst habe, dann laufe ich so...“ Wieder fliegen die Arme hoch. „...gebeugt..“ „...der Kopf ist zwischen den Schultern.“ Greif schreibt die Antworten auf ein Flip Chart. „Und was macht euer Herz, wenn ihr Angst habt?“ fragt Caritasmitarbeiterin Mirja Obenauer. „Es klopft ganz schnell“, antwortet D. ihr Nachbar K. ist nicht einverstanden: „Meins klopft gar nicht.“
Um richtig oder falsch geht es nicht an diesem Novembernachmittag in der Spiel- und Lernstube des Caritasverbandes. Greif will die Kinder ermutigen, Signale ihres Körpers wahrzunehmen, die ihnen dabei helfen, ihre Gefühle zu erkennen und beim Namen zu nennen. Im Zentrum dieses dritten und letzten Trainingstermines steht die Angst. Was macht mir Angst? Und wie kann ich sie überwinden? Obwohl die acht Schülerinnen und Schüler schon einen langen Tag mit Schule und Hausaufgabenhilfe hinter sich haben, zeigen sie vollen Einsatz bei der Beantwortung der Fragen. Denn Angst kennen sie alle: Vor Dunkelheit, schlimmen Träumen, Killerclowns oder jemandem, der sie zu schlagen droht. Immer wieder werden in diesen anderthalb Stunden Beispiele für Angst auslösende Situationen auftauchen. Etwas schwieriger ist die zweite Frage. Aber auch da finden alle gemeinsam Antworten: Ich kann das Licht anmachen, Hilfe holen, mich ablenken oder mich ihr stellen. Nur eines, so Johannes Greif, ist keine gute Idee: „Gar nichts tun.“
Erst, wenn ich meine Gefühle wahrnehme und erkenne, bin ihnen nicht mehr ausgeliefert und kann ich mich für Handlungsmöglichkeiten entscheiden. So könnte ein Kernsatz dieses Trainings lauten. Es ist das erste dieser Art, das die Spiel- und Lernstube für so junge Schülerinnen und Schüler durchführt. Ein längeres Training mit 10-14-jährigen fand schon im Sommer dieses Jahres statt, ebenfalls gefördert vom Rotary Club Worms-Nibelungen. Mirja Obenauer: „Wir wussten ja erst mal gar nicht, wie das gehen wird mit Grundschulkindern. Aber jetzt sind wir sehr froh: Die Kinder sind total dabei und haben es zudem oft noch direkteren Zugang zu ihren Gefühlen als die älteren.“
Beide Kurse sind fester Bestandteil des Vertrages mit den Familien, deren Kinder hierher zur Hausaufgabenbetreuung kommen. Auf diese Weise sind sie eingebettet in die langjährige Zusammenarbeit, mit der der Caritasverband die Menschen hier unterstützt. Mirja Obenauer: „Und wir können uns auch im Alltag immer wieder auf die Inhalte des Trainings beziehen.“ Selbstwert, Wut und Angst standen im Mittelpunkt dieses Kurses. Grundthemen des Lebens, mit denen wir uns alle bis ins hohe Alter beschäftigen müssen und die wohl auch die große Politik mehr bestimmen, als wir es wahrhaben wollen. Mit sehr abwechslungsreichen und oft spielerischen Methoden näherten sich die Kinder diesen Inhalten: Mit Hilfe einer Zeichnung fragten sie sich: Was ist besonders an mir? Was mag ich? Was sind meine Hobbies, was esse oder wie kleide ich mich am liebsten? Eine Wutskala half dabei, herauszufinden, was einen wirklich wütend macht und was „nur“ ärgerlich oder genervt. Eine wichtige Erfahrung dabei: Die gleiche Situation, die mich in Rage bringt, lässt meine Nachbarin vielleicht völlig ruhig bleiben. Und beides ist in Ordnung.
Immer wieder ging es auch darum, den Körper sprechen zu lassen: Wie stehe oder bewege ich mich, wenn ich wütend bin? Wie verändert sich meine Stimme? „Die Körperübungen haben echt Spaß gemacht,“ finden alle. Und natürlich die Dinokarten: Liebevoll gestaltete Memory-Karten zeigen einen Dinosaurier in verschiedenen Gefühlslagen, die die Kinder erkennen sollen: Freudig, ängstlich, traurig, wütend oder beschämt. Und dann ist da noch die, auf der er wohlig grinsend auf dem Rücken liegt. „Entspannt,“ findet D. „...und verliebt.“