NABU Worms-Wonnegau: NABU kauft Grundstücke / Wiesenrenaturierung in Heppenheim für Insektenschutz
„Ein vielversprechender Anfang“
Der NABU möchte durch das Projekt dazu beitragen, neuen Lebensraum für Insekten, Spinnen, Vögel, Kleinsäuger und weitere Tiergruppen zu schaffen“, erläutert Udo Christiansen, Botaniker beim NABU. Foto: Rainer Michalski/NABU
Der im Südwesten gelegene Wormser Vorort Heppenheim im Eisbachtal hieß bis zu seiner Eingemeindung 1969 „Heppenheim an der Wiese“. Geht man heute durch die recht schmale Eisbachaue zwischen Ortslage im Norden und einer steilen Geländekante im Süden, stellt man fest, dass es kaum noch Grünland gibt. Ein Großteil der früher über Gräben bewässerten Wiesen wurde zu Ackerland umgewandelt, die ehemals vorhandenen Bewässerungsgräben wurden bis auf kleine Reste zugeschüttet. Aufgrund seiner kleinteiligen Parzellierung bietet das Gebiet jedoch noch eine Vergleichsweise hohe Vielfalt, neben den vielen kleinen Ackerschlägen gibt es Heckenzüge, Streuobstwiesen, kleine Gärten und natürlich den Eisbach mit seinem Auenwaldstreifen.
Um den Grünlandanteil zu erhöhen, will der NABU Worms-Wonnegau in der Gemarkung des Wormser Vorortes naturnah bewirtschaftete Wiesen schaffen. Und das Projekt kommt voran: Vier Grundstücke hat der Naturschutzverband kürzlich erworben, weitere sollen folgen. Ziel ist die Etablierung artenreicher Wiesen in der ehemals grünlandreichen Aue des Eisbachs. Gefördert wird das Projekt durch die Stiftung Natur und Umwelt.
Hohe biologische Vielfalt erwartet
„Die vier Grundstücke mit einer Gesamtgröße von knapp 6000 m² sind ein vielversprechender Anfang“, so Conen-Alfter, die das Projekt zusammen mit Jürgen Schröhoff vom NABU leitet, „im Frühjahr wurde auf den Flächen Saatgut ausgebracht, um den Insekten schon in diesem Jahr eine reiche Futterquelle anzubieten“. Nach einer Ausmagerung des nährstoffreichen Bodens durch eine letzte Getreide-Einsaat ohne Dünger und Pestizide sollen mit Heumulch aus lokaler Herkunft neue, artenreiche Wiesen gestaltet werden. Dabei werden nicht nur Pflanzensamen übertragen, sondern auch viele Insekten mit deren Eiern und Larven, die der neuen Wiese sofort eine ortstypische Vielfalt an verschiedenen Lebewesen verleihen. Diese Methode wird seit einigen Jahren angewandt, um den Vorgaben des Bundesnaturschutzgesetzes gerecht zu werden, da keine gebietsfremden Arten in der offenen Landschaft in Umlauf gebracht werden dürfen, wie dies bei bisherigem Saatgut häufig der Fall war. Vorteil der räumlichen Lage der Flächen ist die unterschiedliche Wasserversorgung. In der unmittelbaren Nähe des Eisbachs ist es eher wechselfeucht, weiter nördlich eher trocken im Gewann „Dörrwiese“, sodass verschiedene Ausprägungen der Glatthaferwiese angelegt werden können. Umso höher wird die zu erwartende biologische Vielfalt sein. „Artenreiche Wiesen gehören nachweislich zu den Biodiversitäts-Hotspots.
Doch bei diesen vier Flächen soll es nicht bleiben: Der NABU sucht in der unmittelbaren Nähe weitere Grundstücke, die er erwerben und naturnah entwickeln kann. So würde das Ziel einer großen Wiesenlandschaft näher rücken. Das wäre ein Gewinn für die Natur und speziell auch für Insekten, denn nur dauerhaftes Grünland ist echter Insektenschutz. „Temporäre Blühflächen bieten zwar Nahrung, doch wenn sie dann immer wieder umgebrochen oder nach ein paar Jahren wieder als Acker genutzt werden, sind die Behausungen der Insekten zerstört und sie müssen, sofern sie den Umbruch überhaupt überleben, woanders wieder von vorne anfangen“, erläutert Matthias Bösl, Vorsitzender des NABU Worms-Wonnegau. Das ist der Grund, weshalb der NABU nur dauerhaftes Grünland anlegt und sich über weitere Grundstücksangebote freut.