
Von Florian Helfert › Am 2. September fand im Historischen Rathaus der Stadt Osthofen eine kleine Feier mit großer Geschichte statt: Der SPD-Ortsverein Osthofen übergab Familie Hagemann die historische Parteifahne aus der Kaiserzeit mit der gestickten Aufschrift „Sozialdemokratische Partei Osthofen 1912“. Ferner übergab der Vorsitzende des SPD-Ortsvereins, Cihan Ölmez, ein älteres Protokollbuch und ein Mitgliederverzeichnis in die Obhut von Lilo und Klaus Hagemann. Gemeinsam dienen sie nach eigenen Angaben „quasi als Archivare der SPD Osthofen“.
„Dass uns derlei Geschichts- und Symbolträchtiges anvertraut wird, ist schon sehr emotional“, bekannte Klaus Hagemann. Immerhin sei vor allem die über 100 Jahre alte Fahne ein identitätsstiftendes Wahrzeichen der sozialdemokratischen Bewegung in Osthofen, welche mit Pauline Schöfer noch zu Zeiten der Weimarer Republik die erste Frau im Gemeinderat überhaupt gestellt habe. Zusammen mit den Unterlagen dokumentiere die Fahne also die Geschichte des Ortsvereines und das Engagement vieler Generationen. Noch heute werde sie voller Stolz bei Parteiversammlungen gezeigt.
Das aufwendig bestickte Banner ist fast so alt wie der im Jahr 1909 offiziell gegründete SPD-Ortsverein. So ist in der Osthofener Zeitung von 1912 nachzulesen, dass die Sozialdemokraten damals Anträge an den Gemeinderat stellten, einen fortschrittlichen Bürgermeisterkandidaten unterstützten und ein großes Fest feierten, um die heute historische Fahne einzuweihen.
Die mit dem Ende der Weimarer Republik folgende Zeit der nationalsozialistischen Diktaktur überlebte das Traditionsbanner dann nur dank mutiger Menschen wie der Familie Hofsäss, welche es ungeachtet von Drangsale oder unter anderem auch der Schrecken der Zuchthäuser und Konzentrationslager erfolgreich versteckten. Gerüchteweise in einem Hühnerstall. Während die SPD nach dem Verbot der Parteien durch die Nazis seit März 1933 nicht mehr im Rat vertreten sein konnte, kehrte sie 1946 in den Rat zurück, um wieder Verantwortung zu übernehmen und in den folgenden Jahren bis zum heutigen Tag die Mehrheit der Bürgermeister in Osthofen zu stellen.
Im Beisein von Thomas Goller, einem Nachfolger von Klaus Hagemann im Amt des Bürgermeisters, sowie SPD-Vorstandsmitgliedern betonte Cihan Ölmez: „Mit dieser Übergabe möchten wir unsere Geschichte lebendig halten und die enge Verbundenheit der Familie Hagemann mit der SPD würdigen.“ Es ist eine Ehrung, welche wohl im Gegensatz zu so manch anderer sicherlich regelmäßig hervorgeholt und kaum Staub ansetzen wird.
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