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  • Mi., 07. Juni 2017, 21:26 Uhr
    Die ersten Alltagsdolmetscher sind in Worms einsatzbereit / Wertvolle Unterstützung

    Einander verstehen – sprachlich, kulturell, menschlich

    Teilnehmende, ReferentInnen, Veranstalter und Kooperationspartner des Projektes.


    Ende Mai erhielten sie beim Caritasverband Worms ihre Zertifikate. Hinter den 14 Menschen aus 10 Nationen liegt eine anspruchsvolle Ausbildung, vor ihnen eine Aufgabe mit großer Verantwortung. In Beratungsstellen, Bildungswesen und Behörden ermöglichen sie von nun an, dass alle Beteiligten einander gut verstehen – sprachlich, kulturell und menschlich.

    Mitarbeitende von Wormser Beratungsstellen, Ämtern oder dem Jobcenter erleben es immer wieder: Trotz ihrer Bemühungen können sie die Anliegen von Klientinnen und Klienten aus anderen Ländern nicht oder nur schleppend voranbringen. Häufig liegt das an Sprachbarrieren. Aber auch, wenn Bekannte oder Familienmitglieder übersetzen, hilft das nur begrenzt. „Selbst Muttersprachler verstehen da ja viele Begriffe oft nicht“, sagt Alina Giesen von der Fachstelle für Migration und Integration des Wormser Caritasverbandes. „Hinter 'Schweigepflichtsentbindung' zum Beispiel steckt ein Konzept, das es in vielen Ländern so gar nicht gibt. Das kann man nicht mit einem Wort übersetzen. Man muss es erklären.“

    Wie geht es Menschen bei ihrer Ankunft hier, wenn sie von Polizei oder Behörden in ihrer Heimat Willkür, Missbrauch von Informationen oder sogar Gewalt erfahren haben? Peter Faller von der Allgemeinen Lebensberatung des Caritasverbandes war als Fachreferent bei der Ausbildung dabei: „Manchmal kommen Menschen nicht wieder in unsere Beratung, obwohl sie es wollten. Inzwischen weiß ich von den Alltagsdolmetschern, dass womöglich Fragen sie geängstigt haben, die für uns harmlos klingen.“

    Nicht nur für die Ankommenden selber, auch für ihre Ansprechpartner in Verwaltung und Verbänden können sprachliche und kulturelle Barrieren den Alltag sehr mühsam machen. Oft sind die Beteiligten frustriert oder gar verärgert, ohne wirklich zu verstehen, was schiefgelaufen ist. Wie viele Möglichkeiten werden so vielleicht nicht genutzt, wie viele Chancen für einen guten Start verpasst?

    Georg Bruckmeir, als Fachbereichsleiter bei der Wormser Caritas auch für die Arbeit der Fachstellen für Migration und Integration verantwortlich, sah dringenden Handlungsbedarf und fand Kooperationspartner in der Integrationsbeauftragten der Stadt Worms, Sabine Müller, und dem Bundesprogramm Demokratie leben! und dessen Koordinatorin Claudia Koch. Mit der Ausbildung zu ehrenamtlichen Alltagsdolmetschern und zukünftigen Sprachmittlern betraten alle Neuland.

    „Wir alle wissen, wie es ist, fremd zu sein.“

    Caritas-Projektleiterin Alina Giesen brachte14 in Worms lebende Menschen aus 10 verschiedenen Nationen mit guten oder sehr guten Deutschkenntnissen zusammen. Sie alle kennen die Erfahrung, nicht nur die Sprache, sondern auch Umgangsformen, Gesten und Regeln entschlüsseln zu müssen. Sie mussten sich in Strukturen zurechtfinden, die ihnen so neu waren, dass sie kaum die richtigen Fragen stellen konnten. „Wir alle wissen, wie es ist, fremd zu sein“, sagt eine junge Syrerin.

    Alina Giesen war klar, welcher Reichtum in der Gruppe zusammenkam: Erfahrungen, Qualifikationen, Sprachkenntnissen, das Verständnis verschiedener kultureller Welten. Aber selbst das, wusste sie, würde als Rüstzeug nicht reichen, um die verantwortungsvolle Aufgabe zu erfüllen, die auf die zukünftigen Alltagsdolmetscher zukam. Alle gemeinsam ließen sich auf eine anspruchsvolle und oft auch anstrengende Qualifizierung ein. Fachsprache, Dolmetschen, Sozial- und Bildungswesen und Asyl- und Sozialrecht gehörten ebenso dazu wie die unbedingte Neutralität der Aufgabe, interkulturelles Training und das Üben von Beratungssituationen. Beteiligt waren Fachreferenten des Caritasverbandes und der Sozial- und Ausländerbehörden, der Dialogbeauftragte der Polizei, Sprachtrainer und Wissenschaftler der Uni Mainz. Nach 90 Stunden Qualifizierung gehen die Teilnehmenden nun in die Praxis. Dabei werden sie fachlich gecoacht und nehmen praxisbegleitend an weiteren 45 Fortbildungsstunden zum professionellen Dolmetschen, zu Institutionen und Terminologie teil.

    Praktische Erfahrungen konnte man bereits in der Schwangerschaftsberatung des Caritasverbandes sammeln. Peter Faller: „Gerade, wenn es um Kinder und Familie geht, ist eine solche Unterstützung unendlich wertvoll.“ Denn neben Fachsprache oder Kenntnissen des Sozialrechts geht es hier auch darum, mit Gefühlen umzugehen, gleichzeitig empathisch zu sein und absolut neutral zu bleiben. Sabine Müller ist froh, den Mitarbeitenden der Stadtverwaltung diese wertvolle Unterstützung anbieten zu können. Dass diese und viele weitere Alltagsdolmetscher hier dringend gebraucht werden – davon ist sie überzeugt.

    Info

    Die AlltagsdolmetscherInnen des Caritasverbands Worms e.V. sind für kultursensibles Dolmetschen im Sozial- und Bildungswesen ausgebildet und erklären bei Bedarf kulturelle Unterschiede und Missverständnisse. Sie üben ihre Tätigkeit ehrenamtlich aus und erhalten während ihrer Ausbildung eine Aufwandsentschädigung von 12,50 € pro Stunde, in der Regel von den anfragenden Einrichtungen. Sie handeln neutral, unterliegen der Schweigepflicht und halten sich an Datenschutzbestimmungen. Ab sofort können sie in Worms Einsätze wahrnehmen, zur Zeit für folgende Sprachen:

    Arabisch
, Dari, Farsi (Persisch), Kurdisch
, Pashto, Russisch
, Somali
, Türkisch

    Sie erhalten weiterhin Fortbildung, um im nächsten Schritt als professionelle Sprachmittler selbstständig auf Honorarbasis zu arbeiten. Ihre Buchung ist bei der Fachstelle für Migration und Integration des Caritasverbandes Worms e.V. möglich. Weitere Informationen, ein Buchungsformular und den Flyer des Projekts finden Sie unter http://www.caritas-worms.de/angeboteundhilfen/migrationundintegration/

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