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  • Di., 25. April 2017, 16:06 Uhr
    Die Foto- und Textausstellung über das bewegte Leben zwischen Wolga und Rhein ist bis zum 17. Mai im Wormser Rathaus zu sehen

    Einblicke in das Schicksal der Russlanddeutschen

    Oberbürgermeister Michael Kissel (2. von libnks) und Projektleiter Jakob Fischer (Mitte) im Dialog über die Ausstellung.


    In Einst von Zarin Katharina II „eingeladen“, gerieten in Russland lebende Deutsche später immer wieder zwischen die Mahlsteine der Geschichte. Die Ausstellung „Deutsche aus Russland. Geschichte und Gegenwart“ der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland, zu sehen bis Mittwoch, 17. Mai, im Wormser Rathaus (2. Obergeschoss), zeigt im ersten Teil die über zweihundertjährige Geschichte, die seit der Auswanderung von mehr als 200.000 Deutschen nach Russland – unter ihnen viele rheinhessische Familien im russischen Wolgagebiet - vergangen sind. Der zweite Teil befasst sich mit der Ausreise der Deutschen aus Russland in das Land ihrer Vorfahren, die insbesondere nach 1988 in Gang gekommen ist.

    Russisch-deutscher Kulturverein

    Oberbürgermeister Michael Kissel zeigte sich bei der Ausstellungseröffnung sehr angetan von der gelungenen Darstellung dieser beiden Themenblöcke und lobte die hohe Integrationsbereitschaft der so genannten „Russlanddeutschen“. Exemplarisch dafür steht für ihn der deutsch-russische Kulturverein Kubis, der eine ausgezeichnete Adresse in Worms sei, so der Stadtchef. „Die Mitglieder bringen seit vielen Jahren den kulturellen Reichtum aus ihrer bisherigen Heimat ein“, lobte der OB. Die Rückkehrer in die deutsche Heimat hätten bewiesen, wie Integration funktionieren kann. „Wir erleben sie als fleißige Mitglieder unserer Gesellschaft, die sich einbringen und stets partnerschaftlich mit uns zusammenarbeiten“, betonte der Stadtchef.

    Zarin Katharina lockte an die Wolga

    Valentina Dederer, Vorsitzende der Landesgruppe Rheinland-Pfalz der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland in Kaiserslautern, und Projektleiter Jakob Fischer, Deutscher aus Kasachstan, führten in die Ausstellung ein. Die große Einwanderungswelle der Deutschen ins zaristische Russland des 18. Jahrhunderts war von Zarin Katharina II., bekannt als Katharina die Große, ab 1763 vorangetrieben worden, damit das in weiten Teilen noch kaum urbar gemachte größte Flächenland der Erde in blühende Landschaften verwandelt würde. Mehr als 100.000 Deutsche folgten damals dem Ruf der deutschstämmigen Zarin. Sie sorgten, wo immer sie sich niederlassen durften, für eine anhaltende wirtschaftliche Blüte.

    Spannungen zwischen Russland und Deutschland

    Doch politische Auseinandersetzungen zwischen dem Deutschen Reich und Russland schwächten wiederholt den Status der Russen in Deutschland: Mit dem Überfall von Hitler auf die Sowjetunion im Juni 1941 war das Schicksal der Russlanddeutschen endgültig besiegelt. Mehr als eine Million Russlanddeutsche wurden zur Zwangsarbeit östlich des Ural deportiert. 1948 traf sie zudem der Bannstrahl Stalins „auf ewige Zeiten“. Sie wurden regelrecht versklavt. Ausgestoßene waren sie nun, erhielten nicht einmal einen Personalausweis und durften ihre Muttersprache nicht sprechen.

    Rückkehr nach Deutschland

    Der Durchbruch in den deutsch-sowjetischen Beziehungen war schließlich mit dem von Bundeskanzler Helmut Kohl und Präsident Michail Gorbatschow 1990 abgeschlossenen „Abkommen über gute Nachbarschaft und Zusammenarbeit zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der UdSSR“ gelungen, wie Jakob Fischer erläuterte. In der Blütezeit der Rückkehr, den neunziger Jahren, wanderten jährlich mehr als 210.000 Menschen zurück in ihre alte Heimat, um einen Neuanfang in der „fremden Heimat“ zu wagen – und das häufig mit beachtlichem Erfolg, wie die Ausstellung zeigt. Besonders im Sport konnten sich viele Russlanddeutsche einen Namen machen.

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