Die „Giessenbrücke“ wird während des Backfischfestes bereits um 24 Uhr schließen / Carroll’s Pub weiterhin länger offen
Eine Backfischfest-Tradition endet
Katharina und Karl-Ludwig Becker, die Pächter der „Giessenbrücke“, werden am diesjährigen Backfischfest ihr Lokal täglich bereits um 24 Uhr schließen.
Von Gernot Kirch Das Wormser Backfischfest wird 2017 um eine Tradition ärmer sein, denn das Lokal „Giessenbrücke“ in der Rheinstraße wird dieses Jahr täglich nur von 15 bis 24 Uhr geöffnet sein, dann ist Schluss. Jahrzehntelang war es für die Nachtschwärmer auf dem neuntägigen Backfischfest eine beliebte Tradition, dass man, nachdem das Weinzelt den Ausschank einstellte, noch zum Schwarzwaldmädel zog. Und wurden auch dort die Rollläden runtergelassen und der Nachschub an Ureich-Flaschen verebbte, ging es weiter. War vor etlichen Jahren die primäre Anlaufstelle noch das Restauranteschiff „Fürst“ auf dem Rhein, verlagerte sich dies, nachdem der „Fürst“ den nächtlichen Ausschank einstellte, hin zum „Starenescht“ (Macky) auf der kleinen Fischerweide. Als das „Starenescht“ schließlich auch den späten Verkauf beendete, war die klare Nummer 1 die „Giessenbrücke“. Ab etwa zwei Uhr nachts steppte dort der „Bär“ bis in den Morgen. Später kam noch das „Pub“ dazu. Zumindest den nächtlichen Spaß in der „Giessenbrücke“ gibt es 2017 nicht mehr, während „Carroll’s Pub“ nach wie vor bis in den Morgen geöffnet hat.
Als Ergänzung sei angemerkt, dass auf dem Festplatz der Ausschank von Getränken spätestens um 2 Uhr nachts endet.
Familie Becker gibt entnervt auf
Katharina und Karl-Ludwig Becker, die Pächter der „Giessenbrücke“, erklärten am Donnerstag gegenüber dem Nibelungen Kurier, dass sie aufgrund der vielen Auflagen von der Stadtverwaltung ihr Lokal während des am 26. August beginnenden Backfischfestes täglich nur noch von 15 bis 24 Uhr geöffnet haben, dann schließen sie. Die stetig steigenden Einschränkungen und Auflagen seien zu viel geworden. So hätten sie seit 2016 ab 1 Uhr nachts zwei Mann Security anstellen müssen, was nicht billig war. Geärgert habe sie im letzten Jahr besonders, als an einem Tag 16 Personen des Ordnungsamtes erschienen und die zwei Männer von Security nach Ausweisen und nach Rechnungen befragten. Und dies in einer unhöflichen Art. Karl-Ludwig Becker betonte, dass sein Restaurant normal immer nur von Donnerstag bis Samstag geöffnet habe. Er betreibt das Lokal nur nebenbei. Aber die neun Tage am Backfischfest habe er stets gerne geöffnet. Es habe ihm Spaß gemacht, und es sei natürlich auch finanziell gut gelaufen. Erstmals habe er im Jahr 2005 die „Giessenbrücke“ so lange geöffnet. Seitdem habe es nie Schlägereien oder sonstige Ausschreitungen gegeben. Die Gäste seien überwiegend Wormser gewesen, zu 90 Prozent kamen stets die gleichen Nachtschwärmer, die nach 2 Uhr noch feiern wollten. Dies gehöre einfach zum Backfischfest, so Karl-Ludwig Becker. Besonders die Fischerwääder seien quasi täglich bei ihm zu Gast gewesen. Jeden Morgen habe er die Straße sauber gemacht und leere Wein- und Bierflaschen, die vom Festplatz stammten, entsorgt. Zudem hätten viele Festbesucher seine Toiletten genutzt. Doch dies alles gebe es 2017 nicht mehr, äußerten sich Katharina und Karl-Ludwig Becker verbittert, aber auch ein wenig wehmütig.
Er habe auch nur noch Wein und Bier in Plastikbechern an die Gäste ausgegeben, die ihre Getränke mit vor die Tür nahmen. Ein Problem, so Karl-Ludwig Becker, seien für die Stadt die teilweise bis zu 200 Menschen vor dem Lokal gewesen. Wir sollten darauf achten, dass keiner vor dem Eingang im Freien steht, aber wie sollen wir dies tun? In diesem Jahr dürfe die Musik nur noch Zimmerlautstärke haben und branntweinhaltige Getränke, wie etwa Cola-Asbach, hätten sie gar nicht mehr an Gäste ausschenken dürfen, die ihre Getränke mit vor die Tür nehmen wollten. „Aber wie will ich kontrollieren, wer das Getränk mit nach draußen nimmt“, so Katharina Becker verärgert. Sie seien über die Auflagen der Stadt verbittert und hätten daher beschlossen, dieses Jahr am Backfischfest täglich um 24 Uhr zu schließen. Auch geschmückt werde die Außenfassade nicht mehr.
Carroll’s Pub hat offen
Donald Carroll vom „Pub“ erklärte, dass er sein Lokal am Backfischfest wie gewohnt bis in die Morgenstunden aufmachen werde. Er habe mehrere Security-Kräfte engagiert, zudem gebe es keinen Verkauf auf der Straße. Wer sein Getränk vom Innenbereich mit vor die Tür nehme, muss es in Plastikbecher umfüllen. Im Lokal selbst habe er einen festen Tresen, dazu kämen noch zwei mobile Theken. Auch habe er im hinteren Bereich einen Biergarten mit eigenem Ausschank und etwa 30 Sitzplätzen. Bei ihm beginne das Backfischfest, ähnlich wie mit der Piano-Weinprobe im Wonnegauer Weinkeller, bereits am Freitag, dem 25. August, mit einem Konzert des Musikers J.P. Kennedy. Er freue sich auf das Backfischfest.
Tradition, aber mit Auflagen
Der Wormser Bürgermeister Hans-Joachim Kosubek bezeichnete den Besuch von Lokalen wie der „Giessenbrücke“ nach dem Ende des Ausschanks auf dem Festplatz (2 Uhr nachts) als eine Tradition des Backfischfestes. Diese wolle man erhalten und Nachtschwärmern die Chance geben, noch etwas länger zu feiern. Doch könne dies nur unter Auflagen geschehen. Die Stadt sei Betrieben wie der „Giessenbrücke“ oder dem „Pub“ entgegengekommen. Die Auflagen für das Jahr 2017 seien ähnlich wie die für 2016. Wichtig sei dabei, dass keine Gläser aus dem Innenräumen der Gaststätten mit nach draußen genommen werden dürfen. Große Bedeutung habe auch, dass der Autoverkehr von der Rheinbrücke kommend auf der Rheinstraße reibungslos funktioniere. Auch das Vorhandensein von Security in den Lokalen sei wichtig.
Die Giessenbrücke war für Nachtschwärmer am Backfischfest eine beliebte Anlaufstelle. Foto: Gernot Kirch