
Den Weg zur Kirche erhellten nur ein paar flackernde Grablichter, aus den umliegenden Feldern drang Nebel herauf. So wurden der Friedhof und die Bergkirche in Osthofen am 16. November beinahe selbst Teil der Inszenierung, denn seit jeher ranken sich so düstere wie fragwürdige Legenden um jenes Requiem, an dem Mozart bis zuletzt schrieb. Und doch gilt dieses unvollendete Werk als die reifste und kühnste seiner Messen, die im Genre Maßstäbe setzte. Mozarts Schüler Franz Xaver Süßmayr vollendete das Werk schließlich nach Skizzen seines Meisters.
Die Blicke der Besucherinnen und Besucher richteten sich auf die neun Sängerinnen und fünf Sänger des Chores Belcanto Osthofen sowie die Pianistin Mane Davtyan. Man hätte wohl eine Stecknadel fallen hören können, bevor Davtyan das Werk mit der kurzen Einleitung begann. Der Klang des E-Pianos erwies sich als wohldosiert: präsent und erstaunlich warm. Dann setzte der Chor ein und tat es mit Kraft und Geschlossenheit. Die Soprane führten die Linien mit hellem Zug, gelegentlich an der oberen Grenze, aber stets mit Entschiedenheit, der Alt klang stabil und warm, die Männerstimmen präzise und präsent. Und schon das Kyrie zeigte, dass der Chor auch die schnellen, eng geführten Abschnitte souverän meistern konnte.
Ein Gewinn des Abends waren die Solopositionen: Karin Gietl überzeugte mit einem schnörkellos geführten Sopran, zu dem Altus Oliver May mit warmem Ton sanft kontrastierte. David Krahl sang mit Eleganz und einer Selbstverständlichkeit im Ausdruck, und Lorenz Miehlich ruhig-runder Bass verlieh dem Ensemble Fundament und Farbe. Ihr Zusammenklang im Ingemisco war einer der klanglich schönsten Momente des Abends.
Davtyans fein austariertes Klavierspiel schuf eine kammermusikalische Transparenz, die die Architektur des Werkes deutlicher hervortreten ließ. Harmoniewechsel wurden unmittelbar hörbar, und der Chor rückte in den Mittelpunkt. Dekanatskantor Giuliano Mameli war es gelungen, in kurzer Probenzeit erstaunlich viel Präzision, Textdeutlichkeit und dynamische Differenzierung aus dem Ensemble herauszuarbeiten.
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