Die Einwohnerversammlung am Mittwochabend zur Flüchtlingssituation in Worms erfolgte nach dem Kreativkonzept des "World Cafés" / 400 Flüchtlinge in diesem Jahr
Eine leise, aber interessante Veranstaltung
An den einzelnen Tischen wurde engagiert diskutiert. Foto: Gernot Kirch
Von Gernot Kirch Die Stadt Worms hatte am Mittwochabend um 19 Uhr zu einer Einwohnerversammlung zum Thema "Asyl und Flüchtlinge" ins WORMSER eingeladen. Bewusst hatten die Organisatoren auf ein neues Konzept gesetzt. Die Veranstaltung sollte nicht nach dem klassischen Schema ablaufen, dass auf eine Podium einige Experte sitzen, die die "Sache" erklären, sondern die Diskussion in Kleingruppen stand im Vordergrund. Die Umsetzung in Worms war an das Konzept des „World Cafés“ angelehnt, bei dem Bürger an verschiedenen Tischen in Gruppen à zehn Personen sitzen und jeweils von einem Moderator geleitet diskutieren.
Wer an der Diskussion im Mozartsaal teilnehmen wollte, musste sich vorher anmelden. Dies waren 62 Bürger. Diese wurden dann jeweils sieben verschiedenen Tischen zugelost, sodass heterogene Gruppen entstanden. Und so viele sei vorweggenommen, das Konzept wurde von den Teilnehmern durchweg positiv angenommen.
Zunächst ein Info-Block
Am Beginn der Veranstaltung stand ein Informations-Block durch Oberbürgermeister Michael Kissel, Sozialdezernent Waldemar Herder sowie den Moderator des Abends, Professor Dr. Klaus-Peter Hufer von der Uni Duisburg-Essen. Dabei nannte Waldemar Herder die Fakten zur Flüchtlingsproblematik für Worms. So müsse Deutschland im Jahr 2015 mit 400.000 Flüchtlingen rechnen, Rheinland-Pfalz bekomme davon rund fünf Prozent zugewiesen und Worms von diesen wiederum zwei Prozent. Dies bedeutet, die Nibelungenstadt muss mit rund 400 Flüchtlingen für das Jahr 2015 planen. Im Jahr 2014 seien es 200 Flüchtlinge gewesen und in 2013 nur 186 Personen. Prinzipiell wolle man alle Flüchtlinge dezentral unterbringen, dies ginge aber aus Kapazitätsgründen nicht, da man nicht genügend Wohnungen finde. Daher würden die alleinstehende Männer in Sammelunterkünften wie am Motorpool (60 Flüchtlinge) und bald auf dem Salamandergelände (110 Flüchtlinge) untergebracht.
Engagierte Tischgespräche
Nach der Begrüßung, dem Losverfahren und den allgemeinen Infos gingen an den Tischen, so gegen 20.10 Uhr, die Diskussion los und sie sollten gemäß der Zeitvorgabe bis etwa gegen 21 Uhr dauern. Wobei an den Tischen keine unstrukturierten Gespräche stattfanden, sondern diese unter folgendem Frageansatz standen: "Welche Voraussetzungen müssen gegeben sein, dass die Stadt Worms Schutzsuchenden in ausreichender und menschenwürdiger Form (vorübergehend) Bleibe bieten kann." Die Gruppen diskutierten nun heftig und erarbeiteten wiederum Fragen, die später an das Podium gestellt wurden. Ab 21 Uhr begann schließlich die Diskussionsrunden mit dem Podium. Hier fasste Prof Dr. Klaus-Peter Hufer die an den einzelnen Tischen erarbeiteten Fragen zusammen und stellte diese an die Experten.
Problematische Arbeitsaufnahme
Ein wichtiger Aspekt war natürlich die Unterkunftssituation, ein anderer die Möglichkeiten zur leichteren Arbeitsaufnahme. Hier erläuterte Waldemar Herder, dass Flüchtlinge frühestens nach drei Monaten sogenannte "niedrig rangige" Arbeiten aufnehmen könnten, also Tätigkeiten, für die der Arbeitgeber nachweislich keine deutschen Beschäftigen findet. In der Regel dürften Flüchtlinge erst nach 15 Monate eine Beschäftigung aufnehmen. An diesen Gesetzen könne die Stadt nichts ändern. OB Kissel fügte hier an, dass er eine hohe Anerkennung vor Flüchtlingen in der Klosterstraße habe, die schon morgens um 4 Uhr aufstehen würden, um mit dem Zug nach Mainz oder Frankfurt zu fahren, um dort in Hotels als Servicekraft zu arbeiten.
Ein weiterer Knackpunkt der Podiumsdiskussion war die Sprachkompetenz. Hier müsse viel, viel mehr gemacht werden, so die einhellige Meinung, zumal etwa bei syrischen Flüchtlingen klar sei, dass die meisten für immer bleiben würden. Sonstige Themen waren die Kita-Betreuung für Kinder und Freizeitmöglichkeiten, um der lähmenden Monotonie des Tages zu entgehen. Aber auch mehr Informationen für die Anwohner waren gefordert, um diesen die Ängste vor den Flüchtlingen zu nehmen. Hier wurde vorgeschlagen, dass Flüchtlinge von ihren grausamen Erlebnisse, etwa aus Syrien, berichten sollten. So könne mehr Verständnis für deren Situation geweckt werden.
Positives Fazit
Die Veranstaltung kam bei den Teilnehmern und Organisatoren gut an. Sie brachte sicher keine ganz neuen Erkenntnisse und es fehlten zu einer packenden Diskussionsrunde auch kontrovers Meinungsäußerungen, denn nahezu alle Anwesenden standen der Flüchtlingsproblematik positiv gegenüber, aber gerade die ruhige, konstruktive Arbeit an den Tischen war positiv. Antje Wechsler, eine der Teilnehmerinnen, sprach gegenüber dem NK von einer interessanten Einwohnerversammlung, sie hätte sich aber mehr Diskussionszeit an den Tischen gewünscht. Auch hätten sie auf die Antworten der Experten ihrerseits wiederum gerne geantwortet. Aber dies sah das Konzept nicht vor. Sabine Berdgas war überrascht, dass insgesamt so wenig Leute da waren. Die Diskussion in den Arbeitsgruppen fand sie her sehr gut, insgesamt hätte man an dem Abend aber mehr Zeit benötigt und länger diskutieren sollen. Ute Blass bemängelte, dass keine Flüchtlinge anwesend waren. Man solle nicht über, sondern mit den Flüchtlingen reden. Generell forderte sie mehr Begegnungen zwischen Asylbewerbern und Mehrheitgesellschaft.
Abschließend verkündete der Vorsitzende des Schaustellerverbandes Worms-Wonnegau, Rene Bauer, dass er Flüchtlinge auf den Pfingstmarkt udn das Backfischfest einladen wolle, sodass diese einen Teil der rheinhessische Kultur kennenlernen könnten.