Grundsätzlich haben die Verbände Verständnis für den Wunsch der Radfahrer nach allwetter-tauglichen, asphaltierten Radwegen. Klar ist auch, dass solche Wege zu einer stärkeren Akzeptanz und Nutzung des Fahrrads als umweltfreundliches Verkehrsmittel beitragen. Aber auch ein Radweg stellt stets einen Eingriff in Landschaft und Natur dar.
Das bedeutet, dass in jedem Einzelfall abgewogen werden muss zwischen Naturschutz einerseits und dem Nutzen für umweltfreundlicheren Verkehr andererseits. Dies war unter anderem auch immer wieder Thema in der Projektgruppe Fahrradwege, der ja auch zwei Vertreter der Verbände angehören. Die Arbeit in der Projektgruppe erwies sich bei den Befahrungen im Sommer 2020 als ein sehr effektives und gut geeignetes Mittel, die Diskussion auf eine breite Basis und sehr praxisbezogen zu führen - immer mit dem Ziel zu einem tragfähigen Kompromiss zu gelangen. Dies weckte die Hoffnung auf schnelle Fortschritte bei der Optimierung der Fahrradwege bei allen Beteiligten.
Auch und insbesondere bei der Befahrung des Radwegs zwischen Abenheim und Herrnsheim wurde in der Gruppe intensiv über das Pro und Contra der Asphaltierung diskutiert. Der gefundene Kompro- miss war, dass innerhalb der Ortslage Herrnsheim bis zur Straße Richtung Osthofen eine Lösung auf parallel verlaufenden Straßen / Wegen gefunden werden konnte und somit der alte Bahndamm unas- phaltiert erhalten und schwerpunktmäßig den Spaziergängern und Joggern dienen sollte.
Was die Strecke zwischen der L 439 Richtung Osthofen und Abenheim betrifft, wurde der Gruppe von Frau Büttner vom Umweltamt detailliert erläutert, weshalb es sich hier um ein besonders schützenswertes Biotop handelt und warum eine Asphaltierung einer Zerstörung dieses Biotops gleichkäme. Flora und Fauna dieses „geschützten Landschaftsbestandteils“ würden durch die Zerschneidung mit einer As- phaltdecke auf jeden Fall nachhaltig geschädigt, wobei auch geschützte Arten betroffen wären.
Keine Asphaltierung
Angesichts dieser Argumente stimmten damals alle Anwesenden (unter anderen auch Stephanie Lohr und Hans-Joachim Kosubek) zu, dass auf dieser Teilstrecke keine Asphaltierung vorgenommen werden sollte. Stattdessen wurde eine Optimierung der wassergebundenen Decke und ein Rückschnitt der Bäume bzw. Sträucher vorgeschlagen.
Durch ein Gefälle zu den Seiten des Bahndamms würde nämlich das Was- ser besser abfließen , durch weniger Schatten wäre eine schnellere Abtrocknung gewährleistet. Auf diese Weise wäre der Radweg auch mit wassergebundener Decke an den meisten Tagen des Jahres für Alltagsradler gut nutzbar. Auch die 1,4 Kilometer längere, bereits betonierte Variante durch die Felder wurde damals abgefahren und als durchaus akzeptabel empfunden.
Vorzug für Naturschutz
Daher waren alle der Meinung, dass die eher geringfügigen Einschränkungen für die Nutzer zugunsten der Erhaltung eines wichtigen Biotops durchaus zumutbar seien - das heißt, hier wurde dem Natur- und Artenschutz (aus Sicht der Verbände völlig zurecht) der Vorzug gegeben.
Für die beiden beteiligten Vertreter der Verbände, Günter Niederhöfer (ADFC) und Klaus Horn (BUND) ist es nun bedauerlich und unverständlich, dass dieser ihrer Meinung nach gute Kompromiss zwischen Belangen der Radfahrer einerseits und des Natur- und Artenschutzes andererseits so schnell wieder aufgegeben wurde.
Sie hatten gehofft, dass durch Informations- und Überzeugungsar- beit aus der Projektgruppe heraus in den verschiedenen Gremien wie z.B. den Ortsbeiräten und den entsprechenden Ausschüssen, man sich nun schnell auf ein entsprechendes Konzept würde einigen können, das dann auch zügig umgesetzt werden würde. Wäre man nämlich auf die in der Projektgruppe vorgeschlagene Lösung eingegangen, würde sich ja ein artenschutzrechtliches Gutachten er- übrigen und man hätte direkt mit den oben genannten Maßnahmen zur Verbesserung des bestehenden Radweges starten können, zumindest in dem Teilbereich zwischen Abenheim und der L 439.
Leider war dies nicht der Fall und man gewinnt den Eindruck, dass hier Natur- und Artenschutz nur noch eine geringe Bedeutung zugemessen wird, wobei doch auch die beiden Ortsbeiräte ein Interesse am Erhalt dieses Stücks intakter Natur haben müssten. Die Verbände würden sich jedenfalls wün- schen, dass man sich über den Wert dieses Landschaftsbestandteils noch einmal intensiv informieren lässt - z.B. von Frau Büttner oder Fachleuten der Verbände - bevor man leichtfertig eine Asphaltierung fordert.