3.200 Euro Konzerterlös für die Arbeit mit jugendlichen Flüchtlingen
Einmal eine große Bibliothek sehen
Ein Scheck aus dem Benefiz-Weihnachtskonzert des Lions Club Worms, der traumatisierten, von der Caritas betreuten, jugendlichen Flüchtlingen helfen soll: strahlende Gesichter bei (von rechts) Margret Mayer (Caritasdirektorin Worms), Dr. Jens Werner (Leiter Caritas Kinder- und Jugendhilfezentrum), Dr. Gregory Hess (Lions Club Worms) und Christian Bonath (Knabenchorleiter „capella vocalis“, Reutlingen).
Das Benefizkonzert des Lions Club Worms und anderer Lions Clubs der Region am 12. Januar 2014 im Wormser Dom mit dem Reutlinger Knabenchor „capella vocalis“ war in jeder Hinsicht ein beeindruckender Erfolg. Nach Abzug aller Kosten blieben 3.200 Euro an Einnahmen übrig. Geld, das nun symbolisch als Scheck dem Wormser Caritas Kinder- und Jugendhilfezentrum, vertreten durch Caritasdirektorin Margret Mayer und den Einrichtungsleiter Dr. Jens Werner, überreicht wurde.
Dr. Gregory Hess vom Lions Club war begeistert über die Resonanz der Aktion. Nach dem Konzert hatten die kleinen Sänger selbst, die mit großem Elan zugunsten von Flüchtlingskindern ohne Eltern gesungen hatten, die großzügigen Spenden eingesammelt: „Da hat es kaum geklingelt, nur geraschelt“, sagte er.
Für die jährliche Weihnachtsaktion des Lions Clubs, die immer da helfen will, wo kaum staatliche Hilfe hinfließt, hatte Frau Dr. Eva Hess, die Frau des Lions-Präsidenten, den Kontakt zur Caritas geknüpft. Dank des Engagements des seit zwei Jahren in Reutlingen lebenden Wormser Dirigenten und Chorleiters Christian Bonath konnten die Kinder aus dem Schwabenland für diese Konzertreise gewonnen werden, für die sie bei Wormser Familien untergebracht wurden. Beachtlich auch, weil die Knaben an sich schon 60 Konzerte im Jahr bestreiten. „Die Stimmung war weihnachtlich-zauberhaft“, schwärmte Bonath, der auch zur Übergabe erschienen war, „selbst auf dem Heimweg im Bus haben die Kinder weiter gesungen.“ Frau Mayer von der Caritas fügte hinzu: „So etwas habe ich selten erlebt.“
Sie und Jens Werner informierten über die Arbeit mit traumatisierten syrischen oder afrikanischen Jugendlichen, die es per Boot ohne ihre Familien übers Mittelmeer geschafft hatten und über die zentrale rheinland-pfälzische Clearingstelle Trier der Wormser Einrichtung zugewiesen worden waren. Sie berichteten von Folter- und Hafterfahrungen und traumatischen Fluchterlebnissen, von der schwierigen Kommunikation mit 15-17-Jährigen, die außer ihrer eritreischen Muttersprache keine andere Sprache beherrschen, sowie von der Suche nach einem Ausbildungsplatz und den unterschiedlichen Aussichten auf eine Duldung oder Aufenthaltserlaubnis.
Die Spenden fließen laut Werner in „alles, was Erziehung ausmacht und wofür normalerweise kein Geld da ist“: Bücher, Fahrräder, Sport- und Spielgeräte. „Wer in einem afrikanischen Dorf groß geworden ist, muss erst an eine deutsche Stadt, Verkehrsregeln oder die Beziehung zu Nachbarn gewöhnt werden, vor allem aber Ängste ablegen und innerlich ankommen“, erklärte Werner, der sich sehr angetan vom Lern- und Ausbildungswillen der Jugendlichen zeigte.
Manch einer verspüre den sehnlichen Wunsch, eine große Bibliothek zu besuchen, mancher habe noch nie einen Zug gesehen. Die medizinische Versorgung stelle ein prekäres Problem dar, für das die Kooperation niedergelassener Ärzte nötig sei. Gegenwärtig sind die Jugendlichen im rheinhessischen Armsheim 40 Kilometer von Worms mit gleichaltrigen Nichtflüchtlingen in einer Wohngemeinschaft untergebracht und werden intensiv beschult: „Da klappen Integration und Spracherwerb erfahrungsgemäß am schnellsten“, weiß Werner. Einige haben bereits einen Ausbildungsplatz gefunden.