„Spiel, Satz und Sieg im Nibelungenland" – Tennis: Herren 55 des TC Rot-Weiß Worms ist der Ehrenzähler beim Debüt in der Regionalliga Südwest gegen den übermächtigen Tennisklub Grün-Weiss Mannheim nicht vergönnt
„Einmal erste Liga spielen“
Philippe Boyadjian wehrte sich im auf hohem technischem Niveau geführten Spiel gegen Dr. Rüdiger Vogel nach Kräften. Am Ende war die Nummer zwei der Herren 55 des TC Rot-Weiß Worms aber bei der 1:6, 2:6-Niederlage gegen den favorisierten Dr. Rüdiger Vogel aus Mannheim chancenlos. Foto: Marcus Diehl.
Spiel, Satz und Sieg im Nibelungenland
Mit dem erwachenden Frühling blühen auch die Anhänger des Tennis-Sports so richtig auf. Die Medenspiele, so heißen die Mannschafts-Saisonspiele des Sommers im Tennis der Jugend und Erwachsenen in Deutschland, starten in nahezu allen Spielklassen Ende April oder Anfang Mai. Der NK lässt die gelben, grünen oder weißen Filzkugeln in seiner Serie „Spiel, Satz und Sieg im Nibelungenland“ über die Tennisnetze der Region fliegen. Werfen wir dazu einen Blick in die Regionalliga Südwest der Herren 55, wo der TC Rot-Weiß Worms in der höchsten deutschen Spielklasse als Aufsteiger sein Debüt auf den Tennisplätzen am Hochheimer Pfrimmpark gegen den renommierten Bundesliga-Tennisklub Grün-Weiss Mannheim gab.
VON JÜRGEN JAAP | „Einmal erste Liga spielen.“ Welcher Tennisspieler würde das nicht allzu gerne von sich selbst behaupten? Auch Theo Reiß gehört dieser Spezies von Sportlern an. „Eigentlich ist das nicht unbedingt unsere Spielklasse“, sagt der Kapitän der Herren 55 der Wormser „Rot-Weißen“. Letzte Saison auf Rang drei in der Südwest-Liga gelandet, rutschten die Nibelungenstädter doch noch in die höchste Spielklasse Deutschlands, weil dort ein Platz frei wurde. „Wir machen das aus Spaß an der Freud’ mal mit und schauen, was so geht“, wusste Karl-Heinz Priester, der Spitzenspieler des TC Rot-Weiß Worms, schon vor dem ersten Ballwechsel der Sommerrunde 2019 nur zu genau, was ihn und seine Teamkollegen erwartet – nämlich: „Ein unfassbar gutes Niveau auf jeder Position.“ Und wenn man sich schon ins gefährliche Haifischbecken begibt, dann kann man es ja auch gleich einmal mit einem ganz großen Brocken aufnehmen.
Grün-Weiss Mannheim wird Favoritenrolle gerecht
Der Mannheimer Tennisklub im Stadtteil Feudenheim, bei dem einst Boris Becker den Tennisschläger in der Bundesliga schwang, gab seine Visitenkarte an der Pfrimm ab. Und wie. Die Männer, die gut dreißig Jahre nach dem Tennis-Boom um Bumm-Bumm-Becker in Worms „vorspielten“, hatten nichts aus ihren sportlich besten Zeiten verlernt. Angeführt auf Position eins von Achim Gass, dem aktuellen deutschen Ranglistenersten der Herren 55, trumpften die Grün-Weißen mächtig auf. Philippe Boyadjian und Matthias Kluth hatten ihren jeweiligen Gegnern kaum etwas zu entgegnen. Beide unterlagen Dr. Rüdiger Vogel und Gerhard Nett deutlich in zwei Sätzen. „Zu flach, zu kurz, Gegner zu gut“, brachte Matthias Kluth sein eigenes Match auf den Punkt.
Spektakel der Spitzenspieler
Punkte hingegen gab’s zunächst einige für Theo Reiß. Der Teamchef der Gastgeber lag gegen Horst Hexamer 3:2 vorne, ehe der einen Winner nach dem anderen auspackte. Die Folge: Hexamer schnappte sich alle weiteren zehn Spiele zum Sieg. Von einem Sieg gegen die deutsche Nummer eins war Karl-Heinz Priester gar nicht so weit entfernt. Das Spitzenspiel hielt alles, was man sich von den zwei Top-Athleten beider Klubs erwarten konnte. Lange Slice-Duelle auf der Rückhand, atemberaubende Gewinnschläge, die der Wormser speziell mit seinem gefürchteten Vorhand-Topspin erzielte. 4:3 führte der frühere Zweitliga-Fußballer des VfR Wormatia Worms, ehe Achim Gass offensiver agierte. Immer wieder tauchte er am Netz auf, um mit perfekt getimten Volleys zu vollstrecken. Das brachte ihm den ersten Satz ein. Eine Entscheidung war das freilich nicht. Denn trotz einer Zerrung am Rücken, die ihn später zur Aufgabe im Doppel zwang, hielt Karl-Heinz Priester den zweiten Durchgang bis zum 5:5 offen, ehe der deutsche Topspieler Achim Gass das hochklassige und spektakuläre Match für sich entschied.
Die Vorentscheidung im Medenspiel war gefallen, denn Gernot Erkert („Er hat mich Mitte des ersten Satzes eingelullt“) brachte einen 4:0-Vorsprung im Duell mit Dr. Andreas Multerer ebenso wenig über die Runden, wie der stark aufspielende Fritz Urbanek gegen Dr. Andreas Sommer nach dem 6:2 gewonnenen ersten Satz noch im Champions-Tiebreak die Segel streichen musste. Dicht dran am Ehrenpunkt war das Wormser Doppel Gernot Erkert und Matthias Kluth. Doch auch hier hieß es: Endstation Champions-Tiebreak. Und weil auch Philippe Boyadjian und Theo Reiß im Dreier-Doppel über das Sammeln von Erfahrungen nicht hinaus kamen, blieb als Fazit von Theo Reiß zum ersten Match seiner Truppe in der Regionalliga Südwest: „In dieser Liga bekommt man nichts geschenkt.“ In jedem Fall nicht von den Jüngern des Bumm-Bumm-Boris aus Mannheim-Feudenheim.
Tennis Herren 55 Regionalliga Südwest
TC Rot-Weiß Worms – TK Grün-Weiss Mannheim 0:9 (2:18)
Einzel:
1: Karl-Heinz Priester vs. Achim Gass 4:6 | 5:7
2: Philippe Boyadjian vs. Dr. Rüdiger Vogel 1:6 | 2:6
3: Gernot Erkert vs. Dr. Andreas Multerer 4:6 | 1:6
4: Matthias Kluth vs. Gerhard Nett 1:6 | 1:6
5: Fritz Urbanek vs. Dr. Andreas Sommer 6:2 | 3:6 | 7:10
6: Theo Reiß vs. Horst Hexamer 3:6 | 0:6
Doppel:
1: Priester / Urbanek vs. Gass / Sommer 0:6 | 0:6 (kampflos)
2: Erkert / Kluth vs. Thomas Seiler / Nett 1:6 | 7:6 | 7:10
3: Boyadjian / Reiß vs. Vogel / Hexamer 2:6 | 2:6