Sie sind hier: Home » Worms und Ortsteile » Einsatz der EVAK-Einheit in Ahrweiler beendet
16.08 Uhr | 29. Juli 2021
NOTUNTERKUNFT: ASB Worms leistet vielfältige Hilfe im Hochwassergebiet / Hilfsorganisation zieht nach 3.500 Arbeitsstunden Bilanz

Einsatz der EVAK-Einheit in Ahrweiler beendet

Medizinisches Fachpersonal des ASB verteilt Hilfsgüter und betreibt Wundversorgungen mit dem Katastrophenschutzfahrzeug.

Nach der Alarmierung der EVAK-Einheit des ASB KV Worms/Alzey am 16. Juli 2021 durch die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) des Landes Rheinland-Pfalz konnte der Einsatz nach neun Tagen am vergangenen Samstag erfolgreich beendet werden. Die Grundschule in Heimersheim, ein Stadtteil des Landkreises Bad Neuenahr-Ahrweiler, wurde durch verschiedene Kreisverbände des ASB Rheinland-Pfalz unter der Federführung des ASB Worms in eine Notunterkunft für Betroffene und Helfer umstrukturiert. Der ASB hat mit der Notunterkunft eine Anlaufstelle für Betroffene und Helfer eingerichtet, in der Schlafplätze, zwei Duschcontainer, Toiletten, eine 24h Verpflegung mit warmem Essen und Getränken für die privaten Helfer sowie die Einsatzkräfte aller Hilfsorganisationen und der Bundeswehr zur Verfügung standen.

Dauerhafte medizinische Basisversorgung

Ein weiterer Einsatzschwerpunkt war die Einrichtung einer dauerhaften medizinischen Basisversorgung vor Ort. In Zusammenarbeit mit dem ortsansässigen Hausarzt hat der ASB Worms eine tägliche ärztliche Sprechstunde in der Notunterkunft eingerichtet. Ein Internist und ein Chirurg haben täglich jeweils einen eigenen Behandlungsplatz betreut, wo medizinische Materialien und Medikamente zur Versorgung der Menschen durch den ASB Worms zur Verfügung standen. Die erfahrenen Wormser Samariter aus dem Bereich der Auslandshilfe wie Ernst Hirschmugl, Armeen Koljans und Steffen Hemer haben außerdem an der Wiederherstellung kritischer Infrastruktur gearbeitet. In enger Zusammenarbeit mit dem niedergelassenen Hausarzt und des ortsansässigen Apothekers wurde daran gearbeitet, deren Räumlichkeiten so schnell wie möglich wieder nutzbar zu machen, da auch sie von dem Hochwasser schwer getroffen wurden.

Impfaktion für Tetanus- und Diphtherie-Impfungen ins Leben gerufen

Weiterhin wurde durch die Wormser Samariter eine Impfaktion für Tetanus- und Diphtherie-Impfungen ins Leben gerufen. Die Menschen vor Ort ziehen sich bei den Aufräumarbeiten häufig kleinere, unscheinbar erscheinende Wunden zu. Durch die Vielzahl an Keimen und dem nach wie vor verunreinigten Leitungswasser können diese Wunden allerdings zu schweren Infektionen führen, weshalb die Auffrischung bzw. Errichtung eines wirksamen Impfschutzes gegen Tetanus und Diphterie eine wichtige Präventionsmaßnahme darstellt. Da das Klärwerk, welches die Umgebung normalerweise mit frischem Trinkwasser versorgt, ebenfalls überspült wurde, hat der ASB mit einem Katastrophenschutzfahrzeug mit Lautsprechern mehrmals täglich die Menschen auf diesen Umstand hingewiesen, um weitere medizinische Notfälle zu vermeiden.

Psychosoziale Notfallversorgung der Menschen immer wichtiger

Die Fahrten durch das betroffene Gebiet wurden nicht nur zur Aufklärung der Bevölkerung genutzt. Medizinisches Fachpersonal des ASB Worms besetzte diese Fahrzeuge und nahm kleinere Wundversorgungen vor und versorgte die Menschen mit Trinkwasser, Nahrungsmitteln, Hygieneartikeln sowie Medikamenten und Verbandmaterialien. Das Angebot richtete sich insbesondere an Menschen mit Mobilitätseinschränkungen oder ältere Menschen, da der Weg bergauf in die Notunterkunft sich für sie – neben der tagelangen Aufräumarbeiten – als zusätzliche Strapaze gestaltet hätte. Zu einer im Einsatzverlauf immer wichtiger werdenden Aufgabe gehörte auch die psychosoziale Notfallversorgung der Menschen vor Ort. Der ASB Worms entsendete ebenfalls Kriseninterventions-Mitarbeiter in das betroffene Gebiet und koordinierte die Anforderung von Kolleg*innen der Kriseninterventionseinheiten weiterer Verbände des ASB aus dem gesamten Bundesgebiet. Zusätzlich zu ihrem Einsatz in der Notunterkunft in Heimersheim war der ASB Worms mit dem Einsatzleitwagen ELW2 und insgesamt fünf Einsatzkräften im Einsatz, um zeitweise die Unterabschnittsleitung Unterkunft zu übernehmen. Die Aufgabe der Einsatzkräfte war es, die Kommunikation mit allen Notunterkünften zu koordinieren und zu erfassen, welche Betroffenen dort eintreffen und wohin sie zur längerfristigen Beherbergung verbracht werden können.

Novum in der Katastrophenschutzarbeit

Als Novum in der Katastrophenschutzarbeit kann die Verknüpfung von Katastrophenschutzstrukturen mit Erfahrungswerten aus der Auslandshilfe gesehen werden. „Die Erfahrung aus ehemaligen Krisengebieten wie dem Irak, Sri Lanka oder Haiti hat gezeigt, wie wichtig es ist, den Betroffenen Hilfe zur Selbsthilfe zu geben und kritische Infrastrukturen schnellstmöglich wieder aufzubauen“ erklärt Ernst Hirschmugl, Leiter der Auslandshilfe und der Katastrophenschutzeinheiten des ASB Worms sowie Mitglied der Auslandsschnelleinsatzgruppe FAST des ASB-Bundesverbandes. So konnte der ASB eine zeitnahe Wiederinbetriebnahme lokaler kritischer Infrastruktur, wie einer Hausarztpraxis, einer Apotheke sowie eines Supermarktes anstoßen.

Zirka 3.500 Arbeitsstunden

Nach ca. 3.500 Arbeitsstunden, die die 60 Einsatzkräfte des ASB Worms geleistet haben, wurde die Einsatzstelle am vergangenen Samstag an den ASB Pirmasens übergeben. Gleichzeitig sieht der ASB Worms sein Engagement in den Hochwassergebieten noch nicht für beendet. Die im Einsatz entstandenen Kontakte werden weiterhin gepflegt, um auch bei weiteren Bedarfen schnell und unbürokratisch helfen zu können. Am Abend nach dem Einsatzende fand auch die Sendung „Deutschland hilft. Die Sat.1 Spendengala“ live in Köln statt. Mehrere Wormser Samariter*innen waren gemeinsam mit Franz Müntefering, Präsident des Arbeiter-Samariter-Bundes, und weiteren Samariter*innen aus Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen als Gäste geladen. Auch während des Einsatzes in der Notunterkunft in Heimersheim war die internationale Presse mit Kamera-Teams vor Ort: „Kamerateams von Sat.1, der ZDF Drehscheibe, der Deutschen Welle und von Channel 4, einem Nachrichtensender aus Großbritannien, waren vor Ort um die Zustände nach der Flutkatastrophe und unsere Arbeit vor Ort zu zeigen“, sagt Michiko Feldmeyer, Leiterin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des ASB Worms.

Beitrag teilen Facebook Twitter
Geschrieben in Worms und Ortsteile

Kommentare sind geschlossen