Mi., 12. September 2018, 21:00 Uhr
Haupt- und Finanzauschuss folgt Wunsch des Betreibers / Mögliche Schäden am Pflaster sind zu versichern
Eisbahn soll auf Lutheranlage
VON FLORIAN HELFERT Vier Gegenstimmen, schallte es korrigierend zum gerade mehrheitlich beschlossenen Standort der Eisbahn auf der Lutheranlage aus dem Wormser Ratssaal. „Plus meine Gegenstimme“, erklärte Oberbürgermeister Michael Kissel angesichts fünf gezählter Gegenstimmen. Gemeinsam mit der Fraktion der Grünen sowie des FWG-Bürgerforums lehnte das Stadtoberhaupt die Lutheranlage als umstrittenen Standort ab.
„Der Lutherplatz ist ein schönes und sensibles Ensemble“, erklärte Richard Grünewald als Fraktionssprecher der Grünen. Vor drei Jahren aufwendig und barrierefrei saniert, sorge sich der Baubereich nun zu Recht um sein Schmuckstück. „Die Anlage ist nie als Veranstaltungsplatz gebaut worden und ich bin auch nicht überzeugt“, so Grünewald, „dass die Verhandlungen mit der Betreiberfirma unter der Devise ‚Finger weg vom Lutherplatz‘ geführt worden sind“. Als Skeptiker unterstrich der Freie Wähler Karl Müller, dass die Lutheranlage mit dem größten Reformationsdenkmal der Welt zu jeder Jahreszeit von Touristen besucht werde und auch für ihn als Standort denkbar ungeeignet sei.
Bankbürgschaft und Versicherung erforderlich
In Anbetracht möglicher Schäden durch den Auf- und Abbau der Eisbahn verwies CDU-Fraktionsvorsitzender Dr. Klaus Karlin sowohl auf die zu erbringende Bankbürgschaft als auch einer angepassten Betriebshaftpflichtversicherung in Höhe von drei Millionen Euro – falls am Pflaster wirklich ein Schaden entstehen sollte.
„Wir sagen ja zur Eisbahn“, trat auch FDP-Fraktiobssprecgher Dr. Jürgen Neureuther für die Eisbahn ein, „denn wir wollen sie als ergänzendes Angebot zur Winter City“. Eine Kerbe, in die auch Bürgermeister Hans-Joachim Kosubek schlug: „Wir möchten doch die Innenstadt, den Weihnachtsmarkt und den Einzelhandel stärken!“ Die vorgeschlagene Alternative am Ludwigsplatz werde aus seiner fachlichen Sicht letztlich nicht realisiert werden können. Auch hätten bereits in der Vergangenheit verschiedene Betreiber unisono weitere Alternativen wie beispielsweise den Schlossplatz abgelehnt.
Alternativer Standort vom Betreiber abgelehnt
„Wir machen keinen Hehl daraus“, so SPD-Fraktionsvorsitzender Timo Horst, „dass es eine schwere Entscheidung ist“. Den von der Stadt alternativ vorgeschlagenen Standort entlang des Ludwigsplatzes lehnt der Betreiber nach Angaben des Sozialdemokraten strikt ab. „Der Baubereich hat eine Alternative vorgeschlagen, die Risiken für die Lutheranlagen dezidiert untersucht und bei einem Termin beim Lutherdenkmal die Größe der Eisbahn veranschaulicht“, dankte Horst explizit Baudezernent Uwe Franz.
Aufgrund der bestehenden Risiken für die Bepflasterung der Lutheranlage sowie für ihren Unterbau ist die mit dem Aufbau befasste Firma laut Sitzungsunterlagen unterrichtet worden, die Arbeiten mit äußerster Vorsicht und möglichst händisch zu verrichten.
Weitere Entscheidungen
Darüber hinaus empfahl der Haupt- und Finanzausschuss dem Stadtrat für dessen nächste Sitzung einstimmig, dem geänderten Betreibermodell für das Parkhaus am Dom zuzustimmen. Ebenfalls einstimmig begrüßte der Ausschuss die Gründung der Rheinhessen Standort Marketing GmbH (RHSM) mit Sitz in Mainz sowie ihrer Beteiligung an der FrankfurtRheinMain GmbH International Marketing of the Region.
Zudem stimmte das Gremium der Auftragsvergabe für Arbeiten an der Kerschensteiner Grundschule beziehungsweise der Ernst-Ludwig-Schule zu. Ferner nahm man den schriftlich vorliegenden Zwischenbericht des Fahrgastbeirates zur Kenntnis.
Trotz einer Gegenstimme befürworteten die Mitglieder des Ausschusses die Vergabe zum vierjährigen „Maßnahmenpaket Jugendarbeit“ an den Stadtjugendring Worms e.V. (SJR) mehrheitlich. Bei zwei Enthaltungen unterstützte das Gros außerdem den vorgelegten Erschließungsvertrag zwischen Stadt und Wilma Wohnen Süd RM GmbH, um das im Masterplan Wohnen enthaltene Bauland „Hochheim Ost“ als Allgemeines Wohngebiet erschließen zu lassen.