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  • Di., 01. September 2020, 13:34 Uhr
    ÖKUMENISCHE HOSPIZHILFE WORMS e.V.: Nibelungenstadt erhält ein stationäres Hospiz

    Eng verbunden mit dem Leben vieler Menschen in Worms

    Die Ökumenische Hospizhilfe Worms e.V. - Trägerin der hier fest verankerten ambulanten Hospizhilfe – hat das Haus A des ehemaligen Hochstiftes gekauft und lässt es umbauen. Bis zu zwölf schwerstkranke und sterbende Menschen wird es beherbergen. Geborgen, in Würde und begleitet von ihren Angehörigen und Fachkräften können sie hier ihre letzte Lebenszeit verbringen. Am Freitag, dem 28. August, informierten sich Fachleute aus Politik, Kirche, Wirtschaft und Medizin über den Planungsstand; am Sonntag, dem 29. August, kamen zahlreiche Wormser zum Tag der offenen Tür. 
In einem der zukünftigen zwölf Gästezimmer im 4. Stock präsentierten die Koordinatorinnen Heike Eschenfelder und Sabine Lincks beim Tag der offenen Tür die Ökumenische Hospizhilfe Worms e.V.

    Begleitung bis zum Tod
    Seit fast 25 Jahren bildet der vom evangelischem und katholischen Dekanat, dem Diakonischen Werk Rheinhessen und dem Caritasverband Worms getragene Verein ehrenamtliche Hospizbegleiter aus. Sie begleiten Schwerstkranke und Sterbende – bisher bei ihnen zu Hause, im Krankenhaus, Seniorenheim oder auch in Hospizen der Region, die allerdings alle relativ weit von Worms entfernt liegen. Immer wieder, so Heike Eschenfelder, sei es vorgekommen, dass die Begleitung eines Menschen nicht bis zu seinem Tod fortgesetzt werden konnte, weil hier in Worms kein stationäres Hospiz sei. „Es ist gut, dass das nun anders wird. Der Abbruch einer Begleitung kann für alle Beteiligten schmerzhaft sein.“
Im Nachbarraum stellten Claudia Staudinger und Pfarrerin Veronika Veerhoff ihre seelsorgerische Arbeit vor; ein paar Räume weiter konnten die Besucher alles über Betreuung, Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung sowie über die Angebote des Caritasverbandes für Senioren erfahren.

    Im 3. Stock waren sie in die Wanderausstellung „Wegbegleiter im Sterben“ der Ökumenischen Hans-Voshage-Hospizstiftung eingeladen und ganz oben, im 5. Stock, erläuterten Klaus Engelberty, Leiter des Diakonischen Werkes Rheinhessen, und Georg Diederich, Direktor des Caritasverbandes Worms, die aushängenden Pläne für den Umbau.
    Viel Zustimmung für die würdevolle Nutzung 


    Ein von der ärztlichen Beraterin der Ökumenischen Hospizhilfe Dr. Ulrike Löffler und ihrem Vorgänger Dr. Walter Ferbert eingerichteter Raum war der Palliativmedizin gewidmet, bei der es nicht um Heilung, sondern um die Linderung von Schmerzen und damit die Erhöhung der Lebensqualität geht. Dr. Ferbert, Mitinitiator der Ökumenischen Hospizhilfe Worms und über 20 Jahre lang ärztlicher Direktor und Chefarzt der Chirurgie am Hochstift, war bewegt darüber, dass das Hochstift als Heimat des künftigen Hospizes an diesem Tag so viel Zustimmung fand.

    Viele Besucher sprachen über ihre enge Verbindung zu diesem Ort und waren froh über dessen würdevolle weitere Nutzung. Diesen Aspekt betonte auch Klaus Engelberty in seiner Ansprache beim Informationstag am 28. August: „Ausbildung, Geburt, Krankenhausaufenthalte oder -besuche – das Hochstift sei aufs engste mit dem Leben vieler Wormser verknüpft. Deshalb sei es gut, es einer so wichtigen Bestimmung zuzuführen“.

    Da die Krankenversicherungen 95 Prozent der zuschussfähigen Kosten stationärer Hospize tragen, werde dies auf lange Sicht aber nur mit Hilfe von ehrenamtlicher Arbeit und Spenden möglich sein. Deshalb lautete sein Appell : „Werden Sie Botschafter des Hospizes! Werben Sie dafür und unterstützen sie es ideell und finanziell!“ Mit dem in Eppelsheim geplanten Hospiz wünsche er sich, nach einer leider unglücklichen öffentlichen Diskussion, eine gute Zusammenarbeit. „Es geht schließlich um die Menschen, für die wir arbeiten.“

    Sterben gehört in unsere Mitte


    „Bevor ich sterbe, möchte ich...“ hatten Heike Eschenfelder und Sabine Lincks auf eine Tafel geschrieben. Jeder war eingeladen, diesen Satz für sich zu vervollständigen. Er verweist auf einen Kerngedanken der Hospizbewegung: Sterben gehört zum Leben. Es ist gut, Endlichkeit und Tod in unsere persönlichen Handlungen und Entscheidungen einzubeziehen. Und auch als Gesellschaft sollten wir schwerkranke und sterbende Menschen, Trauer und Abschied in unsere Mitte holen. Georg Diederich: „Genau dafür steht die Wahl dieses Ortes. Und ganz praktisch gesehen ist die zentrale Lage ein großer Vorteil für Angehörige und haupt- wie ehrenamtliche Mitarbeitende.“ Dr. Ulrich Oelschläger, Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), sagt es in seinem Grußwort : „Worms bekommt eine Herberge für die Durchreisenden zur Ewigkeit, eine Stärkung auf dem Weg, der noch ganz Teil des Lebens ist, mit... einem weiten Blick auf Worms und den Dom.“

    
Planung und Bauzeit
    Im 3. und 4. Stock von Haus A des ehemaligen Hochstiftes werden sich Einzelzimmer für bis zu zwölf Hospizgäste und Appartements für Angehörige befinden. Alle Gastzimmer sind barrierefrei und verfügen über ein eigenes Bad und einen eigenen Balkon mit genug Platz für das Bett. Auf beiden Stockwerken gibt es zusätzlich je ein Pflegebad. Im 5. Stock werden sich verschiedene Begegnungsräume, Büros, ein Technikraum und ein gemeinschaftlicher Raum der Stille mit Bibliothek befinden. Eine großzügige Dachterrasse mit Dachgarten erlaubt einen weiten Blick auf und über Worms und darüber hinaus. Für den 1. und 2. Stock ist die Nutzung durch Praxen von Ärzten und Physiotherapeuten vorgesehen. 
Für den Umbau sind rund drei Millionen Euro veranschlagt, für die die Ökumenische Hospizhilfe e.V. die Anschubfinanzierung gibt. Noch in diesem Jahr, so Architekt Jörg Deibert, werde die Entkernung des Gebäudes beginnen. Man rechne mit einer Bauzeit von etwa einem Jahr. 
Da für den Bau eines Hospizes keine öffentlichen Fördermittel zur Verfügung stehen und die Kosten für den Aufenthalt der Gäste im Hospiz nur zu einem Teil über die Pflege- oder Krankenversicherung gedeckt sind, ist das Wormser Hospiz auf Spenden angewiesen.
    Spendenkonto:
IBAN: DE42 5535 0010 0022 1190 61
BIC: MALADE51WOR
    Wer sich für eine Ausbildung zum ehrenamtlichen Hospizbegleiter interessiert, findet weitere Informationen unter www.hospizhilfe-worms.de.

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