„Corona brachte zahlreiche empfindliche Einschränkungen, aber wir blieben trotzdem nicht passiv“, erklärt Silvia Schall, Sprecherin des „Bündnisses gegen Naziaufmärsche Worms“: „Trotz der behördlichen Auflagen zum Abstandsgebot und zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes, genauso wie zur Begrenzung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer bei Veranstaltungen versuchten wir, die uns freiwillig selbst auferlegte Pflicht zum Engagement so gut wie möglich zu erfüllen.“
Ein erster Schwerpunkt lag selbstverständlich auch 2021 bei der Abwehr von Naziaufmärschen in Worms; beispielsweise am 20. Februar, als die Partei „Die Rechte“ plante, auf dem Ludwigsplatz aufzumarschieren. Innerhalb kurzer Zeit war der Aufruf „Wehret den Anfängen – Nazis und Faschismus entgegentreten“ über Rundmail und Presse verbreitet. Spontan fanden sich mehr als 200 Demonstrierende vor dem Wormser Hauptbahnhof ein, „begrüßten“ die von auswärts angereisten Nazis mit lautstarken Pfiffen und Protesten und verhinderten deren Marsch durch die Stadt.
Ähnlich positiv verlief die Gegendemonstration am 17. April auf dem Neumarkt, als NPD und „Die Rechte“ versuchten, Martin Luther für ihre menschenverachtenden Ziele zu vereinnahmen. Auch diese von Heiner Boegler für das „Bündnis gegen Naziaufmärsche“ angemeldete Kundgebung unter dem Motto „Worms ist nicht braun, sondern bunt – kulturelle Vielfalt und Toleranz sind unsere Stärke“ wurde nicht nur von unterschiedlichen politischen Gruppen und Organisationen, sondern ebenso von anderen demokratisch gesinnten Bürgern unterstützt.
Seit Jahren entwickelt sich neben solchen Aktivitäten auch ein weiterer Schwerpunkt des „Bündnisses gegen Naziaufmärsche“, welcher der gesellschaftlichen Verpflichtung gegenüber Menschen im antifaschistischen Widerstand wie Philipp Wahl folgt: Informations- und Diskussionsangebote „gegen das Vergessen“. Fiel eine für den 30. Januar 2021 geplante Veranstaltung zum Jahrestag der Machtübertragung an die Nazis 1933 der steigenden Corona-Inzidenz zum Opfer, so konnte Peter Wahl, Mitglied im wissenschaftlichen Beirat von Attac, am Vorabend des 1. Mai seinen Vortrag „Neuer Kalter Krieg“ in einer Videokonferenz darbieten.
Bereits am 9. April, dem jüdischen Holocaust-Gedenktag, hatte das „Bündnis gegen Naziaufmärsche“ sich an einer Kundgebung des überregional organisierten „Marsches des Lebens“ beteiligt. Hierzu brachte Heiner Boegler einen Beitrag zum geplanten „Gedenk- und Lernort Güterbahnhof Worms“ ein. Nicht online, sondern in Präsenz fand die Lesung zum Buch „Die Konspirateure. Der zivile Widerstand hinter dem 20. Juli 1944“ mit den Autoren Marie-Christine Werner und Ludger Fittkau am 20. Juli im Lincoln Theater statt. Mit ausreichendem Abstand und Hygienekonzept war der Veranstaltungssaal gut besetzt, und die Referenten fanden ein interessiertes Publikum.
Zu dieser Reihe des Mahnens und Gedenkens gehört die vom Deutschen Gewerkschaftsbund und dem „Bündnis gegen Naziaufmärsche“ gemeinsam ausgerichtete alljährliche Veranstaltung zum Antikriegstag am 1. September.
In diesem Jahr hielt Peter Wahl die Hauptrede, und junge Leute vom Theater im Museumshof trugen „Momente des Erinnerns“ vor. Nicht nur aufgrund der Anzahl der Teilnehmer, sondern gleichfalls durch die Redner wurde die Gedenkveranstaltung zur Reichspogromnacht 1938 am 9. November vor der Wormser Synagoge zu einem vollen Erfolg. Es sprachen Dr. Achim Müller, Pfarrer der Evangelischen Magnus- und Matthäusgemeinde, Oberbürgermeister Adolf Kessel und Heiner Boegler zu den Anwesenden. Die Veranstaltung fand würdigen Abschluss durch das von Kantor Juri Zemski vorgetragene jüdische Klagelied.
In der Dezember-Sitzung des Bündnisses wurde das ablaufende Jahr trotz zahlreicher Widrigkeiten durch aktive Beiträge zur antifaschistischen Gegenwehr und zur Erinnerungsarbeit unter Beteiligung zahlreicher Bürger positiv bilanziert. „Wir bleiben am Ball“, so Silvia Schall, „denn die nazistische, rassistische und antisemitische Gefahr bleibt bestehen. Weiter sind hierzu politische Diskussionen, öffentliche Proteste und persönliche Gespräche dringend notwendig. Für unser Bündnis ist es eine tägliche Herausforderung, dass Worms nicht braun ist, sondern erlebbar bunt bleibt.“
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