Auswertung: Befragung zur Quartiersentwicklung in der Innenstadt
Engagierte Stadt
Von links: Ingeborg Ballaire, Interviewerin, und Nicole Heinzelbecker, Koordinatorin berichteten im AWO Remeyehof vom Fortschritt der Engagierten Stadt im Quartier Hauptbahnhof bis Nibelungenschule.
300 Haushalte wurden im Quartier am Park in der Kernstadt erfolgreich befragt, freut sich Christina Heimlich, die Projektleiterin der Engagierten Stadt. Ziel ist es, herauszufinden, was die Menschen in der Wormser Innenstadt beschäftigt, was sie als positiv und negativ empfinden und wobei sie bereit wären, sich zu engagieren. Gemeinsam mit einem professionellen Coach für Soziale Stadtentwicklung und Gemeinwesenarbeit entwickelte das Team Anfang des Jahres einen offenen Fragebogen, mit Hilfe dessen man ein Stimmungsbild einholen konnte.
Wichtig war bei der Zusammenstellung der Fragen, dass keine einfach auszuwertende Entscheidungsfragen – wie zum Beispiel „Gefällt Ihnen der Park in Ihrer Nähe?“ – sondern stattdessen offene Fragen – wie „Was gefällt Ihnen hier?“ – ausgewählt wurden. „Wir wollten damit erreichen, dass wir zum einen wirklich mit den Themen konfrontiert werden, die die Bewohner beschäftigen und nicht mit jenen, die wir ihnen vorgeben würden“, so Heimlich. Zum anderen sollten diese offenen Fragen mehr Freiraum für kleine und größere Geschichten aus dem Alltag lassen, aus denen schließlich häufig ein besseres Bild der Situation hervorgeht, als aus bloßen Ja- und Nein-Antworten.
Interviews von Tür zu Tür
Nachdem ein ehrenamtliches Team von etwa zehn Personen gefunden worden war, wurden in einem ersten Schritt diejenigen Menschen in diesem Quartier interviewt, die ein berufliches Interesse am Stadtteil haben. 35 Gemeindeleiter, Geschäftsinhaber, Schuldirektoren, Politiker usw. wurden dabei zu ihrer Meinung befragt und erfreulicherweise konnten sich auch viele von ihnen ein Engagement für das Viertel vorstellen. Der folgende zweite Schritt war das Interviewen der Bewohner und Bewohnerinnen. Ingeborg Ballaire, Bernhard Elz, Brigitte Terpe und Katharina Beykirch sowie Pastor Martin Wilms informierten im Vorfeld mit eingeworfenen Flyern und gingen als Interviewer-Teams von zwei Personen in den Straßen von Tür zu Tür und befragten die Wormserinnen und Wormser.
Parallel dazu bestand auch die Möglichkeit, sich eigeninitiativ zu melden, um einen Termin zu vereinbaren und somit ein besonders ausführliches Gespräch führen zu können. Diese Möglichkeit nutzte allerdings nur ein knappes Dutzend der Betroffenen. Von ungefähr 3.300 Menschen in diesem Quartier konnten fast 300 Haushalte und somit über 400 Einzelpersonen befragt werden. MdB Jan Metzler war begeistert von den Gesprächen in der Gaustraße und freut sich auf den weiteren Austausch. Mit Marcus Held sind Besuche im Oktober geplant. Auch wenn die Interviewer-Teams relativ häufig vor verschlossenen Türen standen, waren doch viele andere gerne bereit, Auskunft zu geben und konnten den Gedanken hinter der ganzen Aktion, nämlich ihr eigenes Wohngebiet lebenswerter zu machen, nachvollziehen.
Mangelnde Sauberkeit beklagt
Die Ergebnisse von beiden Interview-Runden, also von Professionellen wie auch Bewohnern, waren ähnlich. Neben der mangelnden Sauberkeit von Straßen und Anlagen und der schwierigen innerstädtischen Parkplatz-Situation, wurde vor allen Dingen die große Anonymität bemängelt. Glücklicherweise waren aber auch viele bereit, genau gegen diese Missstände anzugehen und könnten sich vorstellen, sich bei einem Nachbarschaftsfest oder in einem Bürgertreff zu engagieren.
Bewohnerversammlung im Oktober
Der kommende dritte Schritt wird sein, zu einer Bewohnerversammlung Ende Oktober persönlich alle Interviewten, aber auch über Flyer und Presse alle Wormser, einzuladen um gemeinsam nächste Schritte zu planen. An diesem Abend werden sowohl die Ergebnisse der Interviews vorgestellt werden, als auch zu den am häufigsten genannten Themen erste Arbeitsgruppen ggf. zu bilden, die sich aus Professionellen und Bewohnern zusammensetzen. Koordinatorin Nicole Heinzelbecker ist überzeugt, dass es nach diesem Bewohnertreffen vor allem darum gehen wird, die einzelnen Gruppen so zu begleiten, dass sie längerfristig selbstständig erfolgreich arbeiten und somit auch nach Ende des Projektes „Engagierte Stadt“ das Alte Wormser Quartier eine neue Lebensqualität nachhaltig entwickeln wird.