
Von Florian Helfert › Fast neun Millionen Euro müsste die Stadt Worms grob veranschlagt in ihre Ortsverwaltungen investieren, um deren Sanierungsstau zu beenden.
„Je genauer man hinschaut, desto teurer wird es“, prognostizierte Patrik Eichhorn als Leiter des Wormser Immobilienmanagementes. So reihte er am Donnerstagnachmittag im Bau- und Mobilitätsausschuss der Stadt Worms u.a. Brandschutz, Barrierefreiheit, Denkmalschutz, Energie- und Gebäudetechnik sowie Schadstoffbelastungen auf. Bei einer qualifizierten Betrachtung anstelle von Flächenannahmen und Zustandseinschätzungen blühen also deutlich höhere Kosten.
Anlass für die aktuelle Mitteilungsvorlage war eine Anfrage der Grünen im November des vergangenen Jahres. Durch sie nahm sich die Stadt die Ortsverwaltungen im Hinblick auf deren Auslastung, anstehende und bereits geleistete Maßnahmen und Sanierungsstau noch einmal vor.
Kosten überschlagen
Doch schon im Jahr 2017 wurden Objektdatenblätter erstellt und die Gebäude über eine abstrakte Bewertung „bepreist“. Die Ortsverwaltung in Pfiffligheim ist aber nicht enthalten, da sie vor 2010 an die städtische Tochtergesellschaft Wohnungsbau GmbH verkauft wurde. Der Sanierungsstau der zwölf im direkten Eigentum der Stadt Worms verbliebenen, überwiegend denkmalgeschützten Ortsverwaltungen wurde seinerzeit überschlagen und nun stark vereinfacht über den Baupreisindex hochgerechnet.
Priorität auf Kitas und Schulen
„Ortsverwaltungen können in den nächsten Jahren kein Investitionsschwerpunkt sein“, kündigte Stadtentwicklungsdezernent Timo Horst an, „solange die Priorität auf Kitas und Schulen liegen muss“. Zuvor hatte auch Patrik Eichhorn darauf hingewiesen, dass eine Sanierung der Ortsverwaltungen in den kommenden Jahren weder personell noch finanziell darstellbar sei.
Darüber hinaus legte Horst dar, dass es vereinzelt bereits Ideen für Synergien gebe: In Abenheim etwa könne die Ortsverwaltung in die neue Schule; für Hochheim könnte eventuell das BIZ nach dessen Sanierung eine Option darstellen. Auch Kooperationen mit Kirchengemeinden und Vereinen seien denkbar.
Gruppen und Vereine brauchen Räume
Am Ende entscheidet der Stadtrat über die Zukunft der Ortsverwaltungen. Auf deren Räume greifen häufig auch Gruppen und Vereine zurück, wobei hierdurch erzielte Mieteinnahmen mit insgesamt rund 14.000 Euro kaum ins Gewicht fallen.
„Wenn wir nichts tun, kollabiert das System“, bilanzierte Grünen-Fraktionsvorsitzender Richard Grünewald vor dem Hintergrund, dass aufgrund brandschutztechnischer Stellungnahmen bereits vereinzelt Raumnutzungen untersagt wurden. Für die SPD erläuterte deren Fraktionsvorsitzender Dirk Beyer, am Anfang eines komplexen Dialoges in jedem einzelnen Ortsteil zu stehen. Und Dr. Klaus Karlin, Fraktionsvorsitzender der CDU, forderte die örtlichen Akteure vor auf, in einem Prozess „von unten nach oben“ Gespräche zu führen.
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