Mi., 02.09.2026
Die Gratiszeitung für Worms und das Nibelungenland
  • Startseite
  • Sport
  • Termine
  • Stellenmarkt
  • Do., 02. Oktober 2014, 18:19 Uhr
    Antrag beim Bundeskartellamt zur Übernahme des Hochstiftes durch das Wormser Klinikum

    Entweder Verkauf oder wohl das „Aus“

    Die Zukunft des Hochstifts bleibt ungewiss. Foto: Gernot Kirch


    Von Gernot Kirch Das Wormser Klinikum und das Agaplesion Hochstift haben am Mittwoch einen Antrag beim Bundeskartellamt auf Übernahme gestellt. Demnach soll das „große“ Klinikum das „kleine“ Hochstift übernehmen. Für das angeschlagene Hochstift scheint dies der einzige Ausweg auf Rettung zu sein, ansonsten droht das „Aus“. Schon seit einigen Monaten verdüsterten sich die Wolken über dem Hochstift, und es zeichnete sich ein Verkauf ab. (Lesen Sie dazu auch den NK-Artikel vom 20. September auf Seite 4 – auch online möglich). Wobei die jetzt ins Spiel gebrachte Variante einer Übernahme durch das große Klinikum überrascht, denn bereits im Frühjahr 2012 gab es einen ähnlichen Ansatz. Damals sollten jedoch das Hochstift und das Klinikum fusionieren. Doch als alle schon dachten, der Fusion stünde nichts mehr im Wege, machte das Bundeskartellamt dem Ganzen einen Strich durch die Rechnung und sagte „Nein.“ Die Begründung des Kartellamtes war, dass mit der Fusion der beiden Häuser eine marktbeherrschende Stellung in der Region entstünde. Die Entscheidung vom Sommer 2012 rief bei allen Beteiligten Kopfschütteln hervor, weil es doch in Mannheim, Heidelberg, Ludwigshafen und Mainz große Häuser gibt, doch an dem Votum gab es nichts zu rütteln. Somit war die Fusion der beiden Häuser vom Tisch – endgültig wie es schien.

    Neuer Anlauf

    Unbemerkt von der Öffentlichkeit fanden nun erneut Gespräche zwischen der Agaplesion gAG bzw. dem dahinter stehenden Konzern und dem evangelischen Hessischen Diakonie Verein (HDV) statt. Diesmal ist das Ziel jedoch keine Fusion, sondern eine Übernahme, also der Kauf des Hochstiftes durch das Klinikum. Damit wurde eine etwas andere Variante ins Spiel gebracht. Andererseits ist es jedoch kein ganz neuer Ansatz, sondern es bleibt beim beabsichtigen Zusammengehen der zwei Häuser, die dann eine marktbeherrschende Stellung hätten. Stellt sich die Frage, warum ein zweiter, wenn auch etwas anders gelagerter Anlauf, unternommen wird? Zunächst ist es wohl so, dass die Zahlen sich noch mehr zu ungunsten des Hochstiftes verlagert haben. Wurden bei der Fusionsabsicht im Jahr 2012 die wirtschaftlichen Zahlen aus dem Geschäftjahr 2011 präsentiert, sind es nun die von 2013 und 2014. Und die sehen wohl, was das Hochstift angeht, nicht sehr rosig aus, ja, sollen sich nach Einschätzung eines Kenners, der nicht genannt werden möchte, im Vergleich zu 2013 verschlechtert haben. Was wiederum bedeutet, das Hochstift ist alleine nur mehr schwer – oder gar nicht – überlebensfähig. Es sollen im Vorfeld des Übernahmeantrages auch vorsichtige Gespräche zwischen dem Agaplesion-Konzern und dem Bundeskartellamt gegeben haben. Dies sind jedoch nur Spekulationen.

    Bis zu sechs Wochen

    Zu den Erfolgsaussichten der geplanten Übernahme möchte sich kaum jemand von offizieller Seite äußern. Zu sensibel ist das Thema. Und niemand möchte mit dem Kartellamt anecken oder das Verfahren durch unbedachte Äußerungen gefährden. Ob das Kartellamt diesmal zustimmt, ist völlig offen. Bis zu einer Entscheidung der Behörde wird es wohl vier bis sechs Wochen dauern. Sollte die Zustimmung erfolgen, könnte die Übernahme wohl sehr zeitnah erfolgen. Wobei sich dann die Frage stellt, wie würde ein Zusammengehen aussehen? Es wäre kein Zusammengehen zweier gleich starker Häuser, sondern das Klinikum mit seinen 555 Betten, 1.500 Angestellten sowie 27.000 stationären und 36.000 ambulanten Patienten wäre der eindeutig stärkere Partner. Das Hochstift verfügt gerade einmal über 141 Betten mit 350 Beschäftigten.

    Letzte Hoffnung

    Doch ist der jetzt eingeschlagene Weg wohl die letzte Rettungsmöglichkeit für das Hochstift, denn ein anderer Investor scheint nicht in Sicht zu sein, und seit rund zwei Jahren fanden auch keine nennenswerten Investitioen mehr im Hochstift statt. Auch wurden beim Land in den letzten Jahren keine Förderanträge mehr gestellt, was Voraussetzung für eine Modernisierung wäre. Erschwerend kam hinzu, dass im Hochstift vor einigen Monaten alle Patienten aus Brandschutzgründen aus dem „Haus C“ in das „Haus B“ verlegt werden mussten. Somit ist der Platz für Patienten noch mehr geschrumpft. Platzt also die Übernahme, steht das Hochstift wohl vor dem Aus.

    Was bleibt?

    Bei einer Übernahme wäe das Hochstift der absolute Juniorpartner, bei dem wohl die Geriatrie (Altersmedzin) zunächst verbleiben würde. Bei vielen anderen Bereichen, wie etwa Chirugie und Innere Medizin, stellt sich die Frage, inwieweit man Doppelstrukturen im Klinikum und im Hochstift aufrecht erhalten würde? Bei ehrlicher Betrachtung und dem herrschenden Kostendruck wohl eher nicht. Vieles deutet daher auf eine Konzentration auf der Herrnsheimer Höhe hin. Eine Übernahme des Hochstiftes durch das Klinikums würde also langfristig nicht unbedingt den Erhalt des Standortes Innenstadt bedeuten.

    Arbeitsplätze ein Thema

    Wobei eine Schließung von vielen Menschen bedauert würde, da das Hochstift einen sehr guten Ruf hat und viele gerade die familiäre und persönliche Atmosphäre schätzen. Ein ganz wesentlicher Aspekt der Übernahme wäre jedoch, dass die Arbeitsplätze der Mitarbeiter des Hochstiftes erhalten bleiben. Doch vieles ist jetzt Spekulation. Wie genau die Zukunft aussieht, lässt sich erst nach der Entscheidung des Kartellamtes sagen.

    Beitrag aus der Rubrik

    » Aus dem Nibelungenland
    » Worms und Ortsteile
    Anzeige Reifen Mast KN10123Anzeige Platten NOLLAnzeige Online StellenmarktAnzeige VHS
    Anzeige AmtsblattAnzeige TicketshopAnzeige das Wormser
    Anzeige Tip SüdhessenAnzeige Cecil Cycle KN18256Anzeige Klinikum Worms - Tag der offenen Tür