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  • Fr., 01. Juli 2022, 14:06 Uhr
    VOLKSBANK ALZEY-WORMS: Vertreterversammlung stimmt über erfolgreiches Geschäftsjahr 2021 ab / Fusion mit der Raiffeisenkasse Erbes-Büdesheim beschlossen

    Ergebnis deutlich über den Erwartungen





    Der scheidende stellv. Aufsichtsratsvorsitzende Harald Silz (3. von rechts) mit den Kollegen der Geschäftsführung (vl.n.r.: Franz-Josef Thümes, Sabine Hermsdorf, Michael Stache, Günter Brück, Tobias Schmitz)


    Michael Stache, Aufsichtsratsvorsitzender der Volksbank Alzey-Worms, brachte in seiner Begrüßung auf den Punkt was viele dachten: „Ich empfinde große Freude über die Tatsache, dass wir unsere Vertreterversammlung hier im Wormser Mozartsaal wieder in Präsenz durchführen können.“ In den vergangenen beiden Jahren musste die wichtigste Veranstaltung der Volksbank pandemiebedingt nämlich durch ein schriftlich/digitales Umlaufverfahren ersetzt worden. „Es ist gut, dass wir diese Möglichkeiten haben“, so Stache weiter, „aber die persönliche Begegnung und der direkteAustausch sind durch nichts zu ersetzen.“

    Genau dies war ihm auch wichtig in Sachen Weiterentwicklung und Digitalisierung in der Bank. Man gestalte die Geschäftsstellen zu sogenannten „Filialen der Zukunft“ um und biete umfangreiche Onlinebanking-Möglichkeiten, denn man möchte den unterschiedlichen Kundenwünschen gerecht werden. „Aber wir verlieren nicht den persönlichen Kontakt aus den
    Augen“, betonte der Aufsichtsratsvorsitzende. „Wir brauchen den direkten Kontakt, weil wir nur so unsere Kunden wirklich kennenlernen können.“ Und das sei es schließlich, was die Volksbank auszeichne. Man kenne sich und habe Vertrauen zueinander.

    Immer mehr Regeln

    Auch Vorstandssprecher Günter Brück war die Freude über das Wiedersehen mit den Vertretern anzusehen, der im ersten Teil des Vorstandsberichtes über das nicht einfache, aber dennoch sehr erfolgreiche Geschäftsjahr 2021 und die vielen herausfordernden Themen sprach, mit denen sich die Bank konfrontiert sah und auch weiterhin sieht. Hierbei spielen unter anderem Dauerbrenner wie die schon angesprochene fortschreitende Digitalisierung und die Regulatorik eine große Rolle. So führen neue Anforderungen der BaFin beispielsweise im Bereich Geldwäsche zu immenser zeitlicher Beanspruchung der Mitarbeiter und zu sehr hohen Kosten. Gravierender seien jedoch die neuen Eigenkapitalanforderungen, die ab Februar nächsten Jahres greifen. Um die Widerstandsfähigkeit des deutschen Bankensystems zu stärken, hat die BaFin zwei Maßnahmen beschlossen, durch die über 30 Mio. Euro Eigenkapital vorgehalten werden müssen. Dadurch werde der Bank 330 Mio. Euro potenzielles Investitionsvolumen genommen – sprich: Dieses Geld kann nicht als Kredite in die Region gegeben werden.

    Negativzinsen und Verwahrentgelt waren ebenfalls für die Volksbank ein Thema im letzten Jahr, wenn man damit auch sehr restriktiv umging und lediglich mit einigen wenigen Privatanlegern und mit Firmenkunden ab einem Guthaben von 500.000 Euro entsprechende Vereinbarungen getroffen hat. Nur 2,5 % der gesamten Einlagen waren davon betroffen. „Wir hoffen“, so
    Brück, „dass das unsere Kunden nicht so schnell vergessen werden.“ Die Zinswende habe sich jedoch bereits im letzten Jahr angedeutet. Günter Brück verdeutlichte dies an der Entwicklung des 10-Jahres-SWAP-Satzes als Grundlage für die Zinskalkulation im Kreditgeschäft, der in der zweiten Jahreshälfte 2021 von -0,25 % auf +0,3 % gestiegen ist. Das Ergebnis der Bank
    wurde dadurch jedoch nur geringfügig beeinflusst.

    Viele Kunden profitierten von einem äußerst guten Börsenjahr und investierten einen Teil ihres Vermögens in Wertpapiere. „Das ist aus unserer Sicht auch unter Berücksichtigung der aktuellen Entwicklung nach wie vor die richtige Strategie“, unterstrich Brück. „Eine langfristige Investition am Aktienmarkt bringt – das ist Fakt – die höchste Rendite.“

    Aktuelle Themen wie der brutale Überfall Russlands auf die Ukraine, die damit verbundene Gas-Problematik und nachhaltige Auswirkungen auf die Wirtschaft sprach Brück ebenfalls an und war sicher: „Wir werden die Folgen noch lange spüren.“

    Vorstand schrumpft auf Zielgröße

    Auch aus den Bankgremien hatte Günter Brück einiges zu berichten. So habe der Vorstand nach dem ruhestandsbedingten Ausscheiden von Arno Zimmermann Ende letzten Jahres die Zielgröße von vier Mitgliedern erreicht. Auch der Aufsichtsrat ist in den letzten Jahren auf die Zielgröße von 18 Mitgliedern abgeschmolzen – 12 davon sind von der Vertreterversammlung gewählt und 6 sind Mitarbeitervertreter. Außerdem wurde Anfang des Jahres vom Aufsichtsrat ein neuer und in Teilen verjüngter Beirat benannt.

    Mit einem Überblick über die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland, die natürlich die Entwicklung der Bank beeinflusste, leitete Günter Brück dann zu seinem Vorstandskollegen Tobias Schmitz über, der die zugehörigen Zahlen des Jahresabschlusses präsentierte Diese lagen deutlich über den Erwartungen der Geschäftsführung. Die Bilanzsumme hat sich zum Vorjahr um 7,9 % auf knapp 4,8 Mrd. Euro erhöht. Wachstumstreiber war vor allem das starke Kundenkreditgeschäft, welches um satte 9,3 % auf 3.476 Mio. Euro gestiegen ist. Zum Vergleich: durchschnittlich lag das Kreditwachstum der deutschen Genossenschaftsbanken bei 6,9 %. Das Wachstum vollzog sich neben den privaten Baufinanzierungen insbesondere im Firmenkundengeschäft. Hierbei betonte Schmitz auch, dass am Jahresende die Auswirkungen der Corona-Krise im Hinblick auf Ratenaussetzungen oder Zinsstundungen nur noch von untergeordneter Bedeutung waren. Für alle
    bekannten Risiken im Kundenkreditgeschäft sei ausreichend Vorsorge getroffen worden, außergewöhnliche Kreditrisiken aus der Pandemie hätten sich nicht ergeben.

    Gute Zahlen

    Auch auf der Einlagenseite gab es ein kräftiges Wachstum von insgesamt 267 Mio. Euro oder 7,9 % (Vergleich Genossenschaftsbanken: 5,4 %). Der Zuwachs erfolgte wie seit vielen Jahren aufgrund der Niedrigzins-Problematik ausschließlich bei den kurzfristigen Einlagen und war zusätzlich geprägt durch geringere Konsumausgaben während der Corona-Pandemie und damit
    verbundener sehr hoher Sparquote.

    Die Kundeneinlagen bei den Verbundpartnern, insbesondere bei Union Investment, erhöhten sich um deutliche 15,3 %, was zu einem Gesamtwachstum der Einlagen von 10,3 % führte. Für Tobias Schmitz eine „beeindruckende Entwicklung.“ Man sei als Wertpapierbank gefragter Partner für die Kunden, die Umsätze in diesem Bereich haben sich um 22 % erhöht, die Kundendepotanzahl gar um 76 %. Auch das Team der Immobilien GmbH, Tochter der Bank, hat mit 105 vermittelten Objekten und 37,7 Mio. Euro Objektumsatz ein beeindruckendes Ergebnis hingelegt.

    Sowohl Zins- als auch Provisionsüberschuss erhöhten sich deutlich – insgesamt um 9,5 %. Beim Zinsüberschuss schlägt die nachträgliche Dividendenzahlung der DZ BANK, die aufgrund des pandemiebedingten Dividendenverbotes im Jahr 2020 nichts ausschütten durfte, mit ca. 50 % zu Buche, das Provisionsergebnis profitierte vom guten Wertpapiergeschäft.

    Der Verwaltungsaufwand blieb trotz Investitionen in technische Ausstattung und Digitalisierung stabil. Das Betriebsergebnis lag mit 40,5 Mio. Euro um 30 % über dem des Jahres 2020 und über dem Wert vergleichbarer Banken. Das Eigenkapital konnte mit 23,6 Mio. Euro umfangreich gestärkt werden und mit 13,3 Mio. Euro Steueraufwand leistete man einen wichtigen Beitrag zum
    Gemeinwohl. Aus dem Jahresüberschuss – das beschloss die Vertreterversammlung am selben Abend – konnten die Rücklagen mit 6,0 Mio. Euro dotiert werden.

    „Wir haben erneut ein sehr erfolgreiches Geschäftsjahr hinter uns gebracht“, resümierte Tobias Schmitz am Ende seines Berichtes. „Sowohl die Kundeneinlagen als auch -forderungen lagen über unseren Erwartungen und das Betriebsergebnis war überdurchschnittlich. Wir haben keine stillen Lasten, sind eigenkapitalstark und weisen bestens geordnete Verhältnisse aus.“ Letztes bestätigt auch der Genossenschaftsverband in seinem Prüfungsbericht, welcher der Bank ein lupenreines Zeugnis ausstellt. Das zusammengefasste Prüfungsergebnis wurde durch den stellv. Aufsichtsratsvorsitzenden Harald Silz verlesen.

    Die Dividendenhöhe wurde von der Versammlung mit 2 % plus 1 % Bonus aufgrund der guten geschäftlichen Entwicklung festgelegt.

    Vorstand neu gewählt

    In den Aufsichtsrat einstimmig wiedergewählt wurden Astrid Auer, Manfred Ludwig und Philipp Wittmann. Neu gewählt wurde – ebenfalls einstimmig – Stephan Cerny, Wirtschaftsprüfer und Steuerberater aus Alzey. Diese Neuwahl erfolgte aufgrund des altersbedingten Ausscheidens des langjährigen Aufsichtsratsmitgliedes Harald Silz aus Mainz nach über 36 Jahren in diesem Gremium. Er begann seine Karriere zunächst bei der Volksbank in Finthen, und setzte diese dann durch Fusionen bei der VR-Bank Mainz und zum Schluss bei der Volksbank Alzey-Worms fort.

    Während dieser Zeit war er viele Jahre Vorsitzender oder – wie auch zuletzt – stellvertretender Vorsitzender. Bei der Verabschiedung am Ende der Veranstaltung erhielt er aus den Händen des Verbandsvertreters Arkadiusz Hinca die Ehrennadel in Gold. In den Abschiedsworten von Michael Stache und Günter Brück schwangen denn auch Wehmut und große Dankbarkeit mit.

    Sowohl fachlich wie auch menschlich – darin waren sich beide einig – werde Harald Silz nur schwer zu ersetzen sein. Er habe bei kaum einer Sitzung gefehlt und sei immer mit klugem Rat zur Stelle gewesen. Er selbst ließ danach seine lange Zeit im Aufsichtsrat humorig Revue passieren und betonte die gute und konstruktive Zusammenarbeit sowohl mit den ehemaligen als auch mit den aktuellen Aufsichtsrats- und Vorstandskollegen.

    Fusion einstimmig beschlossen

    Großen Raum der diesjährigen Vertreterversammlung nahm am Ende auch die Abstimmung über die Verschmelzung der Bank mit der Raiffeisenkasse Erbes-Büdesheim ein. Vorstandssprecher Günter Brück hatte zuvor kurz Revue passieren lassen, wie es zu den Fusionsüberlegungen kam und wie die Gespräche hierzu verliefen. Die Raiffeisenkasse, so betonte er, sei eine gut geführte Bank mit solider Eigenkapitalausstattung. Jedoch könne eine solche Bank aufgrund der überbordenden Bürokratie und Regulatorik auf Dauer nicht überleben, daher seien die dortigen Kollegen auf den Vorstand der Bank zugekommen.

    In Erbes-Büdesheim sei eine tragende Säule auch das wichtige Warengeschäft. Dieses werde nach dem Zusammenschluss – so ist es im Fusionsvertrag festgeschrieben – bis mindestens Ende 2029 weitergeführt, was neben der Weiterbeschäftigungsgarantie für die Mitarbeiter die wichtigste Forderung aus Erbes-Büdesheim war. Man habe sich schnell und einvernehmlich über alles geeinigt, berichtete Günter Brück.

    Bedenken hatte es im Vorfeld dennoch von Seiten der Bauern- und Winzerverbände hinsichtlich des Fortbestandes des Warengeschäftes gegeben, jedoch hat die dortige Mitgliederversammlung letztlich mit 87 % zugestimmt.

    Dieses Ergebnis wurde von der Wormser Vertreterversammlung – erwartungsgemäß – deutlich übertroffen, der Beschluss zur Verschmelzung erfolgte einstimmig.



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