Macron und Le Pen in der Stichwahl um die französische Präsidentschaft /Studentin Sophie Boulay fuhr zur Stimmabgabe nach Paris
„Ergebnis erwartet, aber ein bisschen enttäuscht“
Sophie Boulay studiert seit einem Jahr an der Wormser Hochschule und stand dem NK für ein Gespräch über den Ausgang der französischen Präsidentschaftswahl zur Verfügung. Foto: Gernot Kirch
Von Gernot Kirch Die französische Präsidentschaftswahl am Sonntag brachte ein enges Kopf-an Kopf-Rennen zwischen vier Kandidaten. Am Ende zogen der proeuropäische, ehemalige Wirtschaftsminister Emmanuel Macron (23,8 Prozent) und Marine Le Pen (21,5 Prozent) vom Front National in die Stichwahl am 7. Mai ein. Knapp dahinter lagen Francois Fillon (19,9 Prozent) von der konservativen Partei, gefolgt von dem Linkspolitiker Jean-Luc Mélenchon (19,6 Prozent). Mit 6,3 Prozent landete Benoit Hamon von der Sozialistischen Partei weit abgeschlagen.
Zur Wahl nach Paris
Sophie Boulay studiert seit September 2016 an der Wormser Hochschule und ist für die Stimmabgabe extra mit dem TGV nach Paris gefahren. Am Montagmorgen kehrte die 25-jährige Studentin in die Nibelungenstadt zurück und stand dem NK für ein Gespräch zur Verfügung. Die erste Runde der französischen Präsidentschaftswahl sei mit den Gewinnern Macron und Le Pen letztlich so ausgegangen, wie es die Prognosen vorhersagten, analysierte sie das Resultat. Für die Stichwahl am 7. Mai sieht sie, wie auch viele Wahlforscher, den linksliberalen und europafreundlichen Emmanuel Macron als klaren Favorit, zumal auch die beiden Verlierer Fillon und Hamon ihre Wähler aufriefen, in der Stichwahl für Macron zu votieren.
Turbulenter Wahlkampf
Für bemerkenswert hält es Sophie Boulay, dass erstmals seit Jahrzehnten kein Kandidat der beiden traditionell großen Parteien, der Sozialisten und der Konservativen, in der Stichwahl ist. Die gesamte Wahlkampfphase des letzten Jahres hält die Französin für sehr turbulent. So sei im September 2016 noch Alain Juppé einer der großen Favoriten gewesen, der nicht mehr kandierte. Lange galt auch der konservative Francois Fillon als der sichere Sieger, bis er über den Skandale mit der Scheinbeschäftigung seiner Frau stürzte. Emmanuel Macron gab wiederum erst im Herbst 2016 bekannt, dass er für die Präsidentschaft kandiere. Viele Wähler hätten jetzt Macron gewählt, um Le Pen zu verhindern, denn Macron wurden die besten Chancen eingeräumt, in die Stichwahl einzuziehen.
Le Pen verhindern
Sie selbst habe lange mit dem Sozialist Benoit Hamon sympathisiert. Letztlich wählte sie aber Jean-Luc Mélenchon, da dieser größere Chancen hatte, es in die Stichwahl zu schaffen. Besonders wichtig war ihr der Kurs von Mélenchon hinsichtlich des Umweltschutzes, so wollte dieser etwa die Atomkraftwerke abschalten. Auch plädierte der Linkspolitiker dafür, dass die Europäische Zentralbank nicht unabhängig bleibe, sondern unter eine parlamentarische Kontrolle gestellt werde. Sie sei ein wenig enttäuscht, dass es Mélenchon nicht in die Stichwahl schaffte.
In der Stichwahl werde sie für Macron votieren, da es jetzt darum gehe, die rechtsextreme Marine Le Pen zu verhindern. Sollte Le Pen am 7. Mai zur Präsidenten gewählt werden, wäre dies eine Katastrophe für Frankreich. Le Pen sei eine Gefahr für die Demokratie und die französische Wirtschaft. Le Pen spalte jetzt schon die Gesellschaft und mache Politik, indem sie Angst verbreite. Le Pen schiebe alle Schuld an den Problemen immer nur den Migranten zu. Dies sei falsch. Interessant sei, dass Marine Le Pen in Paris etwa nur rund fünf Prozent der Stimmen erhielt, also einer Region, in der viele Migranten zusammen mit Franzosen lebten. Auf dem flachen Land hingegen, wo nur wenige Zuwanderer lebten, die Bürger also nur wenig Kontakt Ausländern hätten, erhielt Le Pen hingegen bis zu 27 Prozent der Stimmen.
Stichwahl und Parlamentswahlen
Sophie Boulay wies daraufhin, dass mit der Stichwahl am 7. Mai 2017 in Frankreich noch nicht alles entschieden sei, denn im Juni 2017 würden die Parlamentswahlen stattfinden. Diese seien umso wichtiger, da Macron seine Bewegung „En Marche!“ erst im vergangen Jahr gegründet habe und noch über keine Abgeordneten verfüge. Sollte Macron also am 7. Mai zum Präsident gewählt werden, stellt ich die Frage mit welcher Mehrheit im Parlament regiert er?
Rasche Erfolge notwendig
Sollte Macron am 7. Mai gewinnen, sei es für den ehemaligen Banker von ganz zentraler Bedeutung, wirkliche Erfolge, etwa in der Senkung der Arbeitslosigkeit, zu erzielen, denn ansonsten würden sich in fünf Jahren viele Wähler enttäuscht von ihm abwenden. Dann drohe die Gefahr eines weiteren Zuwachses für Radikale.
Ergänzend wies Sophie Boulay daraufhin, dass Macron unter dem jetzigen Präsident Hollande Wirtschaftsminister war, die Ideen von Macron aber nicht zündeten.