
Vom Holocaust ausgelöscht
„Fast ein Jahrtausend lang prägten die jüdischen Bürger die Entwicklung der Stadt“, verdeutlichte Oberbürgermeister Michael Kissel beim Empfang der jüdischen Gäste aus Israel im Rathaus. Wie in vielen anderen Städten Deutschlands wurde die jüdische Gemeinde in Worms während des Nationalsozialismus von Holocaust und Deportation ausgelöscht. Zu den unzähligen Opfern gehört auch die Familie Mayer aus der Kämmererstraße. Arthur Mayer wurde im Zusammenhang mit der Reichsprogromnacht im Jahre 1938 verhaftet und mit insgesamt 87 jüdischen Männern aus Worms und Umgebung vorübergehend ins KZ Buchenwald verbracht. Vermutlich war Mayer der letzte Vorsteher der jüdischen Gemeinde Worms. Ende September 1942 wurde er mit dem letzten Transport von Worms nach Polen deportiert und kehrte nie wieder zurück. 1945 wurde er offiziell für tot erklärt.
Arthur Mayer hatte gemeinsam mit Lionel Brodreich sowohl die Firma Adolf Blün, Manufakturwaren und Bettfedern sowie die Firma Brodreich und Mayer, Manufaktur- und Modewaren, gehört.

Sowohl für die Hinterbliebenen als auch für die Kulturgeschichte der Stadt ist das vom Verein Warmaisa organisierte Stolperstein-Projekt ein wichtiges Zeichen, „um die Erinnerung an frühere jüdische Mitbürger zu pflegen und zu bewahren“, wie OB Kissel betonte.
Vor der Hausnummer 16 in der Kämmererstraße mahnte der Oberbürgermeister: „Dass Menschen wegen ihrer Kultur oder Religion ausgegrenzt und diffamiert werden, darf nie wieder passieren. Wir brauchen Menschen aus anderen Ländern, um zukunftsfähig zu bleiben. Die Aktion Stolpersteine stellt einen wertvollen Beitrag auf diesem Weg dar.“ Die kleinen Messingtafeln seien sowohl ein Stück Erinnerungskultur, als auch eine Mahnung an die Jugend, sich nicht von rechtem Gedankengut verführen zu lassen.
Dem Vergessen entgegenwirken
Nur wenige Meter daneben wurden Erinnerungssteine für die Familie Herz verlegt. Die Patenschaft dafür hat der Hebräisch-Kurs des Rudi-Stephan-Gymnasiums übernommen. Die Schüler berichteten den zahlreichen Anwesenden vom Leben und Sterben der drei Familienmitglieder. Auch Schüler des Gauß-Gymnasiums haben eine Patenschaft für Steine, die das Schicksal einer weiteren Familie Mayer vergegenwärtigen, übernommen, und vor Ort deren Biographie verlesen.
Zu den nun insgesamt 152 in Worms verlegten Stolpersteinen sollen noch rund 200 hinzukommen, um dem Vergessen kommender Generationen entgegenzuwirken.
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