Dr. Elke Eicher kritisiert in einem offenen Brief den Wormser Oberbürgermeister, Kollegen sowie die Kassenärztliche Vereinigung
Erneute Diskussion um augenärztlichen Notfalldienst
Der augenärztliche Notfalldienst sorgt weiter für heftige Diskussionen in Worms. Foto: Peter Grewer/dapd
Von Gernot Kirch Im Jahr 2007 wurde in Worms der augenärztliche Notfalldienst eingestellt, an dem sich alle Augenärzte beteiligten. Zunächst übernahm ab diesem Jahr Dr. Elke Eicher alleine den Notfalldienst, stellte diesen aber im Jahr 2011 ein, da sie dies nicht mehr alleine stemmen konnte. Wer nun an Werktagen nach Schließung der Praxen oder am Wochenende aufgrund einer Verletzung oder einer akuten Erkrankung dringend einen Augenarzt benötigt, muss nach Mainz in die Uniklinik gebracht werden. Selbst mit dem Auto fahren, ist bei einer Augenverletzung ja kaum möglich. Je nach Fahrstrecke sind dies 50 oder 60 Kilometer.
Wiedereinführung gefordert
Mit der der Einstellung des Notfalldienstes entflammte in der Nibelungenstadt eine heftige Debatte über die Notwendigkeit bzw. die Wiedereinführung der augenärztlichen Nacht- und Wochenendversorgung. Will man es vereinfacht formulieren, stehen auf der einen Seite, die die erneute Installierung des Dienstes forderten, die Wormser Augenärztin Dr. Elke Eicher sowie der ehemalige Vorsitzende des Seniorenbeirates, Heiner Bögler. Beide sammelte auch rund 3.700 Unterschriften von Bürgern die das Anliegen unterstützten. Das Hauptargument der beiden Akteure ist die Schwierigkeit für viele Menschen nach Mainz zu kommen. So würden viele am Auge erkrankte Männer oder Frauen das Wochenende mit Schmerzen in Worms verbringen, um dann am Montagmorgen in eine der Praxen zu gehen. Bisher konnten sich die Befürworter der Wiedereinführung jedoch nicht durchsetzen.
Kein ausreichender Bedarf
Die Wiedereinführung des augenärztliche Notfallversorgung in Worms wird in erster Linie von der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) in Mainz sowie von den meisten Wormser Augenärzte abgelehnt. Das Hauptargument ist hier, dass für den Dienst keine ausreichende Notwendigkeit existiere, da die Fallzahlen sehr gering seien und Mainz durchaus zügig zu erreichen sei. Für die Installierung eines Notfalldienstes ist letztlich die KV verantwortlich, der Politik bleibt nur eine argumentierende Rolle. Und die KV lehnt bisher die Einrichtung ab.
Offener Brief
In der Debatte um die Notfallversorgung war es im vergangenen Jahr sehr ruhig. Und dies wohl auch deswegen, weil es keine Handhabung gibt, wenn die KV nicht will. Selbst die Lokalpolitik hatte sich mit Sachverhalt abgefunden und akzeptiert die Argumentationsline der KV.
Ein Besuch von Oberbürgermeister Michael Kissel in einem neuen Augenarzt-Zentrum sorgte nun für ein erneutes Aufbrechen der Diskussionen. Dr. Elke Eicher schrieb einen offenen, in drastischen Worten formulierten Brief an den Wormser Stadtchef. Dr. Elke Eicher wirft OB Kissel darin wörtlich vor: „Ist es sinnvoll eine Praxisbegehung mit demjenigen zu machen, der die Notfallversorgung der Menschen mit den Argumenten ablehnt, die die weiteren sechs Augenärzte in Worms teilen, ihre Lebensqualität sei gestört und die Patienten hätten Lappalien?“ Im weiteren Verlauf des Briefes fordert Dr. Elke Eicher vehement die Wiedereinführung des Notfalldienstes und spricht diesbezüglich in Worms von afrikanischen bzw. botswanischen Verhältnissen. Der Oberbürgermeister, so Dr. Elke Eicher, schenke unsachlichen und fachlich falschen Argumenten Glaube. Sinnvoll sei hingegen eine wohnortnahe, medizinische Versorgung. An ihre Berufskollegen gerichtet schrieb Dr. Elke Eicher fragend: „Ist ein Augenarzt dazu da, Patienten leiden zu lassen?“