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  • Fr., 29. Mai 2026, 15:06 Uhr
    WIESBADEN: 700.000 Maifischlarven im Rhein ausgesetzt

    Erste Erfolge bei Wiederansiedlung

    Nach seinem Aussterben im 20. Jahrhundert wird nun versucht, den Maifisch wieder in unseren Gewässern anzusiedeln.
    Foto: HMLU

    Gemeinsam mit zwei Wiesbadener Schulklassen haben Hessens Landwirtschaftsminister Ingmar Jung, Nordrhein-Westfalens Landwirtschaftsministerin Silke Gorißen, Christine Schneider, Umweltministerin in Rheinland-Pfalz, und Ministerialdirektorin Isabel Kling aus Baden-Württemberg am Freitag 50.000 Maifischlarven im Rhein bei Wiesbaden-Biebrich ausgesetzt. Insgesamt werden rund um den offiziellen Termin zum Maifischbesatz sogar etwa 700.000 Larven in den Rhein entlassen. Der Maifischbesatz findet traditionell wechselnd in den Ländern statt und fördert die Wiederansiedlung des Maifischs im Rhein. „Hessen ist von Beginn an bei dem erfolgreichen Vorhaben dabei, den Maifisch wieder in unsere heimischen Gewässer zu bringen. Unser erneutes Zusammenkommen zeigt: Länderübergreifende Projekte funktionieren, wenn man sie möglichst unbürokratisch ausgestaltet. Mit dem Projekt machen wir auch Natur- und Umweltschutz für Schülerinnen und Schüler greifbar und vermitteln auf ganz praktische Weise, wie wichtig der Schutz unserer Gewässer und der Erhalt von Lebensräumen darin ist“, erklärt Hessens Staatsminister Jung.

    Generationenübergreifende Aufgabe

    „Der Maifisch ist ein Symbol für die Rückkehr der biologischen Vielfalt in unsere Kulturlandschaften: Es ist erfreulich, dass diese Art nun wieder regelmäßig den Rhein hinaufwandert und sich dort erfolgreich reproduziert. Diese positive Entwicklung verdanken wir der langjährigen Arbeit im europäischen Artenschutzprojekt entlang des Rheins, in das sich Nordrhein-Westfalen von Beginn an mit großem Einsatz einbringt. Die Wiederansiedlung solcher Wanderfische ist eine generationenübergreifende Aufgabe. Daher ist es mir auch eine besondere Freude, dass Schülerinnen und Schüler tatkräftig mithelfen, für eine neue Generation von Maifischen zu sorgen“, ergänzt die Staatsministerin für Landwirtschaft und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalens, Silke Gorißen.

    Erfolgreicher Jungfisch-Besatz 

    Christine Schneider, Umweltministerin in Rheinland-Pfalz, betont: „Der Erhalt der Artenvielfalt sichert den Erhalt unserer Lebensgrundlagen. Denn vielfältige Ökosysteme können sich besser anpassen. Der Maifisch zeigt, dass wir auf einem guten Weg sind, unsere Gewässer sauberer zu halten und vielfältige Lebensräume im und am Wasser zu schaffen. Denn pünktlich zum Welt-Wanderfischtag wurden in der Mosel einige erwachsene Maifische gesichtet. Sie sind von der Nordsee über den Rhein dorthin zum Ablaichen gewandert. Das ist eine echte Sensation - denn es zeigt, dass der Besatz mit Jungfischen Erfolg hat. Deshalb freue ich mich sehr, wenn wir hier länderübergreifend handeln, um unsere heimische Natur zu bewahren."

    „Baden-Württemberg unterstützt seit zehn Jahren das Maifischprojekt sowohl finanziell mit 20.000 Euro pro Jahr aus als auch mit tatkräftiger Unterstützung durch die Mitglieder des Landesfischereiverbands Baden-Württemberg und der Fischereiverwaltung des Landes“, sagte Ministerialdirektorin Isabel Kling.

    Projekt zur Wiederansiedlung seit 2007

    Ursprünglich war der Maifisch sehr weit in Westeuropa verbreitet und galt auch als Brotfisch der Fischerei. Aufgrund von Gewässerverschmutzung, der Errichtung von Wanderhindernissen, der Beseitigung bedeutender Laichgebiete und der Überfischung starb der Maifisch Mitte des 20. Jahrhunderts in unseren Gewässern aus. Das Projekt zur Wiederansiedlung der Wanderfischart im Rhein wurde 2007 ins Leben gerufen und bereits in mehreren Phasen durchgeführt. Das Land Hessen ist von Beginn an Projektpartner und hat die aktuelle Phase von 2022 bis 2026 mit insgesamt 125.000 Euro bezuschusst. Das Gesamtbudget für die derzeitige Phase liegt bei ca. 930.000 Euro.
    Im Rahmen des Maifischprojektes wurden und werden verschiedene Maßnahmen zur Wiederansiedlung des Maifischs im Rhein durchgeführt. Hierzu zählen neben dem Aussetzen von Maifischlarven unterschiedliche wissenschaftliche Begleituntersuchungen die zur Messung der Bestandsentwicklung durchgeführt werden, sowie die Öffentlichkeitsarbeit. 

    Larven stammen aus hessischer Partnerregion

    Die am Freitag ausgesetzten Maifischlarven stammen aus der französischen Region Nouvelle-Aquitaine, einer Partnerregion des Landes Hessen. Nach dem Aussetzen der Maifischlarven im Rhein wandern diese im Laufe des Jahres zurück ins Meer. Im Alter von drei bis fünf Jahren wandern die adulten Maifische dann wieder vom Meer aus in die Flüsse zum Laichen hinauf. Der Fortpflanzungskreislauf beginnt von Neuem.

    Erste Erfolge konnten bei der Wiederansiedlung des Maifischs bereits erreicht werden. So zeigten die Monitoringuntersuchungen, dass sich die Maifische wieder natürlich im Rhein und einigen seiner Zuflüsse vermehren. Die Etablierung einer sich ausschließlich eigenständig erhaltenden Maifischpopulation im Rheinsystem ist jedoch noch nicht erreicht. Damit dies gelingt, müssen die einzelnen Projektmaßnahmen mittelfristig fortgeführt werden.  

    Hintergrund

    Der Maifisch gehört zur Familie der Heringe und erreicht Größen bis zu 70 Zentimetern bei einem Gewicht von drei bis vier Kilo. Er ernährt sich hauptsächlich von Zooplankton. Sein natürliches Verbreitungsgebiet erstreckt sich von Skandinavien bis Marokko. Auch der Rhein mit seinen Zuflüssen, wie beispielsweise Mosel, Main und Neckar, liegt innerhalb dieses Gebietes. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts sind die Maifischbestände Europas drastisch zurückgegangen. Neben einigen kleineren Populationen in Portugal findet man die letzten bedeutenden Populationen vorwiegend in den Flüssen an der Westküste Frankreichs.

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