Di., 23. Juni 2015, 07:23 Uhr
Heidi Holzmann war zu Gast bei „Märchen unter dem Kronleuchter“ des Wormser Märchen- und Sagenkreises im Museum Heyhof
Erzählkunst vom Feinsten
Die vom Wormser Märchen-und Sagenkreis im Runden Saal des Museums Heylshof organisierte Reihe „Märchen unter dem Kronleuchter“ ist bekannt dafür, stets Erzählkunst vom Feinsten zu bieten. Jetzt war Heidi Holzmann da und belegte diesen Ruf erneut brillant. Die Kirnerin arbeitet derzeit an einem neuen Buch, das Frauenmärchen aus aller Welt versammeln soll. Aus diesem Fundus brachte sie sieben Volksmärchen, deren Protagonistinnen sich durch List, Mut und eine gehörige Portion Eigensinn auszeichnen. Damit war Spannung angesagt, Ironie und meist auch ein unerwarteter Schluss.
Pikantes französisches Märchen
All diese Märchenfrauen waren wahrlich Töchter jener Urmutter Eva, deren Erschaffung die Erzählerin gleich zu Anfang mittels eines pikanten französischen Märchens höchst reizvoll alternierend zur bekannten Schöpfungsgeschichte zu Gehör brachte. Dazu gehörte nicht zuletzt auch jene Frau, die ein Zigeunermärchen durch eine einsame Schlucht schickt, zusammen mit einem Mann, der beide Hände voll hat, an seinem Gürtel eine Ziege führt und auf dem Rücken einen eisernen Kessel schleppt. Oder jenes arabische Mädchen, das eine gehörige Lehre zu erteilen wusste, wiesehr die List der Weiber der der Männer überlegen ist. Eine Geschichte übrigens, die so ganz und gar nicht in die üblichen Vorstellungen von moslemischer Alltagskultur passen will, die aber gerade deshalb so wichtig ist.
So bot die Erzählerin einen bunten Cocktail pfiffiger Geschichten, verstand es souverän und mit Charme auch Frivoles, wie das Histörchen von der beim Kartenspiel verzockten Jungfernschaft in heiteres Wort zu fassen, sorgte aber auch mit Märchen wie dem von der armen chinesischen Kaisertochter für Nachdenklichkeit und Tiefe. Ein Programm, das bei dem zahlreich erschienenen Publikum gut ankam und mit lang anhaltendem Beifall quittiert wurde.