Nachdem Worms schon seit längerem vom ICE-Netz abgehängt wurde, fällt bald wichtige Pendler-Verbindung weg
Es fährt kein Zug nach Irgendwo
Für Stefan Büssow und Joachim Kölling (von links) heißt es nach 4 Jahren IC ab Dezember wieder „umsteigen“ – entweder aufs weniger umweltfreundliche Auto oder den Bummelzug. Foto: Robert Lehr
VON ROBERT LEHR Als die „Visitenkarte von Worms“, betitelte Oberbürgermeister Michael Kissel mehr als einmal den Wormser Hauptbahnhof. Dabei verliert das Jugendstil-Schmuckstück auch nach seiner jüngsten Rundumerneuerung immer mehr an Reiz – allerdings weniger in baulicher Hinsicht als in funktioneller!
Denn mit der Streichung des Intercity-Zugpaares IC 2284/2285 zum Fahrplanwechsel im Dezember fällt eine wichtige Pendler-Verbindung von und nach Frankfurt weg (Der NK berichtete).
Der Wormser Joachim Kölling initiierte als einer der Betroffenen eine breite Initiative, mit der die DB zu einem Überdenken der Streichung bewegt werden sollte. Parallel dazu wurden auch die hiesigen Landtags- und Bundestagsabgeordneten und die in der Stadt Verantwortlichen mobilisiert. Hier wurde vor allem mit dem Standortnachteil argumentiert, der aus der Maßnahme für die Nibelungenstadt erwachse.
Die alternativen Routen über bestehende Regionalverbindungen, so auch die betroffenen Frankfurt-Pendler, seien zu lang und durch die Umstiege zu umständlich.
Daraufhin hat auch der Wormser Stadtrat in einer Resolution für das Forstbestehen der Schnellanbindung nach Frankfurt plädiert. Hier hieß es u.a. „die Betroffenen seien abhängig von einer guten Verkehrsverbindung, um den Spagat zwischen Erhalt des Arbeitsplatzes und Familie zu schaffen“.
Im Wormser Rathaus traf sich deshalb am Donnerstagabend Joachim Kölling von der Fahrgastinitiative mit Vertretern der Politik, einem Vertreter des Zweckverbands Schienenpersonennahverkehr Rheinland-Pfalz Süd (ZSPNV Süd) mit Oberbürgermeister Michael Kissel sowie dem DB-Konzernbevollmächtigten Jürgen Konz und Hannah Page, Leiterin der DB-Angebotskommunikation, zu einem „runden Tisch“.
Was zunächst hoffnungsvoll klang, kann laut einer Pressemitteilung der Stadt Worms vom Freitag folgendermaßen zusammengefasst werden: Das Zugpaar werde in jedem Fall zum Jahresende gestrichen, wie die beiden Bahnvertreter klarstellten. Als Grund für die ersatzlose Streichung führe die Bahn die Unwirtschaftlichkeit des Zugpaares an.
Die Kosten für den Betrieb seien viermal so hoch als die Einnahmen, werden die Bahnvertreter zitiert. Hierfür sei nicht nur die Anzahl der Reisenden relevant, die von den Betroffenen selbst mit über 150 beziffert wird.
Dass der Bedarf da sei, hätten die zahlreichen Zuschriften gezeigt, so Konz, doch sehe die Bahn aus wirtschaftlicher Sicht keine Alternative zur Streichung. Die Bahn treffe laut der Mitteilung die Entscheidung, das Zugpaar ersatzlos zu streichen, nicht willkürlich, sondern gehe sehr verantwortungsbewusst mit den Bedürfnissen der Pendler um. Nichts desto trotz müsse sich die Bahn an die Vorgabe halten, ihre Fernverkehrszüge wirtschaftlich zu betreiben.
Kein wirtschaftlich tragfähiges Ergebnis
„Es ist bedauerlich, dass die vierjährige Testphase mit der IC-Verbindung zu keinem wirtschaftlich tragfähigen Ergebnis geführt hat. Die daneben bestehenden Nahverkehrszüge brauchen zwar rund 20 Minuten länger, sind aber dennoch eine vernünftigere Alternative zum Autofahren“, fasste Michael Kissel die Gesprächsrunde zusammen. Nichts desto trotz müsse man Pendlern weiterhin ein attraktives Angebot machen, seien sich die politischen Vertreter einig gewesen, so die städtische Verlautbarung. Deshalb solle nun im ÖPNV nach Lösungen gesucht werden. Es gelte, mittelfristig für eine attraktive Regional-Express-Verbindung zu werben, auch wenn dies mit einem erheblichen Finanzierungserfordernis verbunden sei, erklärt der OB.
Joachim Kölling äußerte sich enttäuscht vom Ergebnis, wenngleich er zugab, „nichts anderes erwartet zu haben“. Man werde zwischen den einzelnen Verkehrsverbünden zerrieben, wobei er sich, was das Finden adäquater Alternativen angehe, wenig zuversichtlich zeigte. „In diesem Leben“, schloss er resigniert, „wird sich daran nichts mehr ändern.“