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  • Fr., 24. April 2015, 12:39 Uhr
    Dialog der Generationen: Erinnerungen zum 70-jährigen Kriegsende in Worms am Donnerstag im LincolnTheater

    „Es herrschte Stille, bevor wir Soldaten und Panzer sahen“

    Tobias las an diesem Abend einige Zeilen aus dem Buch von Zeitzeuge Richard Wisser. Fotos: Lili Judith Oberle

    VON LILI JUDITH OBERLE Viele ältere Menschen erinnern sich noch an die Bomben der Alliierten, die die Nibelungenstadt vor 70 Jahren in Schutt und Asche gelegt hatten sowie auch an das damit verbundene Leid zahlreicher Wormser Familien.


    Neben der Gedenkfeier, die am 21. Februar auf dem Hauptfriedhof statt fand, haben sich nun auch einige junge Wormser mit ganz unterschiedlichem, persönlichen Bezug an ein Projekt gewagt, welches die Zeit vor 70 Jahren wiederspiegelt. Die Projektgruppe, bestehend aus Jugendlichen der Nibelungenhorde und des Jugendparlaments sowie einem Stadtratsmitglied und einem Eventmanager, hatten sich zur Aufgabe gemacht, historische Dokumente wie Fotos oder Filme aus dieser Zeit zu sammeln aber auch Gespräche mit Zeitzeugen im Domizil Seniorenpflegeheim zu führen und somit aus erster Hand zu erfahren, wie es den Menschen damals in Worms erging.


    Es ist sicherlich ein Thema, was alle Wormser, egal welchen Alters etwas angeht, denn es gehört zur Geschichte der Stadt Worms. Deshalb sei es auch so wichtig gewesen, dass diese Zeitzeugengespräche stattfanden, denn es sei vielleicht die letzte Chance, dass junge Wormser mit Zeitzeugen ins Gespräch kämen, so Projektkoordinator Christian Waas, der durch die Veranstaltung am Donnerstag im LincolnTheater führte, bei der die Fotos, Videos und Gedanken dem interessierten Publikum vorgeführt wurden.


    Immer im Wechsel trugen Jugendliche ein Zitat eines Zeitzeugen vor und Carlo Riva und Stadtarchivar Dr. Gerold Bönnen übernahmen die wissenschaftlich korrekte Deutung der Quellen und kommentierten diese für das Publikum. Zahlreiche Fotos wurden hier gezeigt, die entweder erstmalig veröffentlicht wurden oder auch bekannt durch Zeitungsartikel waren. Hierbei ging Bönnen besonders auf ein Foto ein, welches ein Trümmerteil mit der Aufschrift „Lieber tot als Sklave“ zeigte. Noch bis im Juli standen solche Parolen an den Wänden. „Als ich zurück nach Worms kam, sah ich die Stadt in Trümmern liegen. Doch eine Sache gab mir Hoffnung: Mein Dom stand noch. Majestätisch wie eh und jeh, das gab mir Kraft!“, war nur eines der Zitate, die von den Jugendlichen vorgelesen wurden.


    Auch einige Besucher brachten sich an diesem Abend mit ihren Erinnerungen ein. So erinnerte sich eine Frau aus Flörsheim-Dalsheim beispielsweise an einen Tag in ihrer Kindheit: „Wir haben uns die Eimer vom Traubenlesen über den Kopf gehalten, weil wir Angst hatten, sie erschießen uns“. Andere Zeitzeugen berichteten über fast täglichen Fliegeralarm. „Es herrschte gespenstische Stille bevor wir die Soldaten und die Panzer sahen“, warf ein Mann aus der ersten Reihe ein. „Im Dialog der Generationen können wir uns annähern, in der Hoffnung, dass die Wormser auch die nächsten 70 Jahre in Frieden in Ihrer Stadt und mit dem Rest der Welt zusammenleben können“, schlussfolgerte Christian Waas für diesen erinnerungsvollen Abend im LincolnTheater.

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